DeSantis’ Florida: Reisewarnungen für ethnische und sexuelle Minderheiten
VonJohanna Soll
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Reisewarnungen für Florida erfolgten bisher wegen Naturkatastrophen oder gefährlicher Viren. Neuerdings warnen mehrere Organisationen vor Reisen dorthin.
Tallahassee – Der Bundesstaat am Südostzipfel der USA ist auch als „Sunshine State“ bekannt. Doch trotz des guten Wetters wird es in Florida zunehmend ungemütlich für Menschen, die nicht in das Bild des rechtsradikalen Gouverneurs Ron DeSantis und seiner republikanisch dominierten Regierung passen. US-Organisationen, die ethnische oder sexuelle Minderheiten vertreten, sprechen neuerdings Reise- und Umzugswarnungen für Florida aus.
Bereits im März fasste die Florida-Niederlassung der NAACP, einer bedeutenden schwarzen US-Bürgerrechtsorganisation, einstimmig einen Beschluss: Der Vorstand wird aufgefordert, eine Reisewarnung für den Bundesstaat Florida zu erlassen. Der Anlass dafür war die Entscheidung der Schulbehörde von Florida, dasSchulfach African American Studies zu verbieten. Sollte der NAACP-Vorstand zustimmen, werde die Organisation Afroamerikaner:innen dazu anhalten, Reisen oder Umzüge nach Florida zu vermeiden.
Am Mittwoch (12. April) zogen Gruppen nach, die sich für die Rechte von Migrant:innen und Mitglieder der LGBTQ-Community einsetzen. Die Florida Immigrant Coalition (FLIC) besteht aus 65 Mitgliedsorganisationen. Auf einer eigenen Website warnt sie auch Reisende aus dem Ausland – auf Englisch, Spanisch und Haitianisch-Kreolisch. „Reisen in alle Regionen Floridas sollten mit äußerster Vorsicht erfolgen, da dies für People of Color, Personen, die mit Akzent sprechen und internationale Reisende unsicher sein kann“, ist auf der Website zu lesen.
Florida: Warnung vor Racial Profiling und unberechtigten Festnahmen
Aufgrund verfassungswidriger Gesetze, so FLIC, die DeSantis unterstütze und die von seiner Regierung einbracht wurden, „birgt jeder Landkreis in Florida ein erhöhtes Risiko von Belästigung, möglicher Festnahme und potenzieller Familientrennung aufgrund von Racial Profiling“. Laut der FLIC-Website seien auch „Eingebürgerte und US-Bürger:innen afrikanischer, lateinamerikanischer, mittelamerikanischer, indigener, asiatischer und pazifikinsulanischer Herkunft nicht geschützt vor Racial Profiling, verstärkten Kontrollen und unberechtigten Festnahmen“.
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FLICs Warnungen rühren daher, dass DeSantis, dem nachgesagt wird, sich neben Donald Trump für die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewerben zu wollen, das von Republikanern kontrollierte Parlament von Florida aufgefordert hat, Anti-Einwanderungsgesetze zu verabschieden. Einwohner:innen des Bundesstaates würde dann strafrechtliche Verfolgung drohen, wenn sie Einwandernden ohne Papiere Unterkunft, Beförderung oder Arbeit bieten. Gleichzeitig wären öffentlich finanzierte Schulen und Krankenhäuser dazu verpflichtet, sich an Razzien zu beteiligen.
Die LGBTQ-Organisation Equality Florida kommt zu der Einschätzung, dass Florida aufgrund aktueller Gesetze der LGBTQ-Community gegenüber feindlich gesinnt sei. Der Bundesstaat sei „möglicherweise kein sicherer Ort“, für Reisen oder um sich dort niederzulassen, denn es bestehe ein „ernsthaftes Risiko“ für die Gesundheit und Sicherheit. Equality Florida nennt dort unter anderem die starke Einschränkung der Gesundheitsversorgung für Transjugendliche. (Johanna Soll)