Eskalation zwischen Erzrivalen

USA mahnen Teheran: Bei erneutem Angriff keine „Mäßigung Israels“ – Iran bereitet sich vor

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Die Situation zwischen den Erzrivalen bleibt angespannt. Nach den Warnungen von Chamenei an Israel, scheint Teheran für einen Angriff bereit. Die USA fordern den Iran zur Mäßigung auf.

Tel Aviv/Washington/Teheran – Am 1. Oktober hatte der Iran als Reaktion auf die Tötung des Hisbollah-Anführers Nasrallah im Libanon durch Israel einen großangelegten Angriff auf den jüdischen Staat initiiert und das Land mit rund 200 Raketen angegriffen. Dies legte den Grundstein für Konflikte von neuem Niveau zwischen den Erzfeinden Iran und Israel. Israels Staatschef Benjamin Netanjahu kündigte umgehend Vergeltung an, die Israel mit einem Gegenschlag auf Militäranlagen und das Flugabwehrsystem des Irans vergangene Woche (26. Oktober) in die Tat umsetzte. 

Nun verdichten sich die Anzeichen dafür, dass der Iran offenbar schon bald zu einem neuen Angriff auf Israel ausholen könnte. Irans oberstes religiöses Staatsoberhaupt, Ayatollah Ali Chamenei, kündigte infolge des israelischen Angriffs eine entschiedene Antwort an und warnte auch Israels Verbündeten, die USA. Diese wiederum wandten sich nun mit einer seltenen Warnung an den Iran. 

USA mahnen den Iran vor weiterem Angriff: „Wir werden Israel nicht zurückhalten können“

Wie internationale Medien übereinstimmend berichten, warnt die US-Regierung den Iran vor einem erneuten Angriff auf Israel. Sollte Teheran wie angekündigt Israel erneut angreifen, könne Washington die Regierung Israels kaum noch zur Zurückhaltung bewegen, meldete der US-Nachrichtendienst Axios unter Berufung auf einen US-Beamten sowie einen ehemaligen israelischen Funktionär. „Wir haben es den Iranern gesagt: Wir werden Israel nicht zurückhalten können, und wir werden nicht sicherstellen können, dass der nächste Angriff genauso kalibriert und gezielt ist wie der vorherige“, sagte ein US-Beamter laut Axios.

Iraner halten Fotos des religiösen Anführers Ayatollah Ali Chamenei in die Höhe

Dem US-Verständigen zufolge sei die Botschaft direkt an den Iran übermittelt worden – eine Seltenheit, da beide Länder für gewöhnlich keinen direkten Kontakt zueinander pflegen. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, erklärte am Freitag gegenüber Reporterinnen und Reportern, dass die Regierung „ganz klar gesagt habe, dass der Iran nicht reagieren solle“ und dass „wir Israel weiterhin unterstützen werden“, falls der Iran doch zu einem weiteren Schlag auf Israel ansetzen sollte.

Pentagon-Pressesprecher Pat Ryder betonte dagegen am Freitag, dass die USA zusätzliche Zerstörer zur Abwehr ballistischer Raketen, Kampfflugzeuge und Tankflugzeuge sowie mehrere B-52-Langstreckenbomber der US-Luftwaffe in den Nahen Osten verlegen. „Minister Austin macht weiterhin deutlich, dass die Vereinigten Staaten jede notwendige Maßnahme ergreifen werden, um unser Volk zu verteidigen, sollten der Iran, seine Partner oder seine Stellvertreter diesen Moment nutzen, um amerikanisches Personal oder Interessen in der Region anzugreifen“, fügte Ryder hinzu.

Der Iran könnte schon jetzt bereit für einen weiteren zielgerichten Schlag auf Israel sein

Die israelische Tageszeitung The Jerusalem Post veröffentlichte am Sonntagmorgen einen Bericht, demzufolge der Iran sich scheinbar auf einen baldigen erneuten Angriff auf Israel vorbereitet. Der Bericht erscheint einen Tag nach den neuesten Drohungen von Irans oberstem religiösen Anführer Chamenei, die er gegen Israel und die Vereinigten Staaten aussprach. „Die Feinde, ob das zionistische Regime oder Amerika, werden sicher eine vernichtende Antwort auf das erhalten, was sie dem Iran und der Widerstandsfront entgegenbringen“, sagte Chamenei am Samstag, wie unter anderem The Times of Israel vermeldete.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Gefolgt wurden Chameneis neueste Drohungen am Sonntag von einer Nachricht, die die Bereitschaft des Irans für einen neuen Angriff auf Israel unterstreicht: Wie das saudi-arabische Nachrichtenportal Al Arabiya unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen meldete, sei der Iran nämlich bereits zum aktuellen Zeitpunkt in der Lage, Israel als Reaktion auf seinen Vergeltungsschlag im vergangenen Monat anzugreifen.

Geheimdienste gehen von einem iranischen Angriff auf Israel von Stellungen im Irak aus

Der angekündigte Angriff könnte der insgesamt dritte sein, den Teheran seit den Angriffen der Hamas am 7. Oktober 2023 direkt auf den jüdischen Staat richtet. Der erste direkte iranische Angriff auf Israel erfolgte im April (14. April) als Reaktion auf Israels Bombenangriff auf das iranische Konsulat im syrischen Damaskus am 1. April, bei dem sieben Menschen – darunter ein hochrangiger IRGC-General – getötet worden waren.

Unklar bleibt nach Chameneis Ankündigungen, ob Teheran einen Angriff auf Israel vom Irak aus starten könnte. Hierauf deuten Geheimdienstberichte hin, wie die Non-Profit-Organisation Middle East Monitor am Freitag ausgehend von einem Bericht Israels nationaler Rundfunkbehörde Kan erklärte. Demnach könnte der Iran beabsichtigen, Israel vom Irak aus mit Drohnen und ballistischen Raketen anzugreifen. 

Denkbar sei dann auch, dass die Antwort des Irans auch Teherans zahlreiche Stellvertretergruppen, wie etwa die Hamas in Gazah, die Hisbollah im Libanon, oder auch die jemenitischen Huthi-Rebellen einschließen könnte. Anzeichenen dafür, dass der Iran den jüdischen Staat von seinem eigenen Territorium aus angreift, lägen dagegen nicht vor. Weder Teheran noch Bagdad bezogen Stellung zum Bericht des israelischen Rundfunks. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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