Selenskyj erneut gescheitert

Alles zu kurz und zu schwach: Kaum eine Alternative nach Trumps-Tomahawk-Trickserei

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Kommt der Taurus wieder in Frage? Auch die deutsche Waffe hilft wenig gegen die Ziele, die für die Ukraine zählen. Für Putin ein Triumph, dank Trump.

Washington D.C. – „Die Ukraine werde diese Waffen ,hoffentlich‘ gar nicht brauchen“, schreibt die Nachrichtenagentur Agence France Press (AFP) über den möglichen oder wahrscheinlichen Rückzieher von US-Präsident Donald Trump gegenüber seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj. Wladimir Putin dürfte sich die Hände reiben – nachdem möglich geworden zu sein schien, dass die USA Tomahawk-Marschflugkörper in den Ukraine-Krieg senden. Das scheint jetzt wieder vom Tisch gewischt. Im Gegenteil könnte die Überlegung seitens der US-Regierung ein wenig mehr Bedeutung gehabt haben, als eine diplomatische Finte gegenüber den NATO-Partnern zu sein.

Seine nächste Pleite: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich von Donald Trump die nächste Absage abgeholt. Die Ukraine bekommt keine Tomahawks – vorerst. Eine effektive Alternative fehlt ihm.

„Quellen zufolge, mit denen Kyiv Post gesprochen hat, will Trump damit den Druck sowohl auf Moskau als auch auf zögerliche westliche Partner erhöhen“, hat Alex Raufoglou für das Medium geschrieben – der Sonderkorrespondent in Washington, D.C. hatte diese Behauptung vor dem Treffen zwischen Trump und Selenskyj veröffentlicht und gewagt, den deutschen Taurus-Marschflugkörper wieder ins Gespräch zu bringen: „Trump verknüpft Tomahawk-Deal mit der Ukraine mit Lieferung deutscher Raketen“, so die Überschrift. Allerdings stehen die weiterhin nicht zur Debatte – wobei sie seit Anbeginn des Ukraine-Krieges ein Mittel der Wahl gewesen wären. Allerdings nimmt sich die Reichweite des Taurus gegenüber dem Tomahawk mit 500 Kilometern eher bescheiden aus.

Trump macht „Kehrt, marsch“: „Es könnte dazu führen, dass eine Menge Schlimmes passiert“

Darüber hinaus sind sich sowohl der ehemalige Kanzler Olaf Scholz (SPD) sowie sein Nachfolger Friedrich Merz (CDU) einig, dass die Waffe an sich weniger Brisanz enthält als die Daten, aufgrund derer sie ihr Ziel erreicht. Würde Deutschland die Zielkoordinaten geliefert haben, hätte wohl Russland die Deutschen als Kriegspartei angesehen und entsprechend reagiert – was möglicherweise sogar zu einer NATO-Beistandsverpflichtung eskaliert wäre. Insofern hat die Ukraine in Deutschland mit diesem Thema auf Granit gebissen. Sollte Donald Trump nicht aufgrund mangelnder Impulskontrolle eine vorher angedrohte Entscheidung wieder kassiert haben, mögen ihn ähnliche Erwägungen umgetrieben haben: Die Ukraine trotz der Warnungen Putins mit Tomahawks zu beliefern, könne zu einer „großen Eskalation“ führen, so sein Wortlaut.

Zu diesem Zweck benötigt die Ukraine Raketen mit einem Sprengkopfgewicht von mindestens 400 bis 500 Kilogramm und einer Reichweite von mindestens 1.000 Kilometern. Zudem sollte die Produktionsrate dieser Raketen hoch genug sein – mindestens mehrere Dutzend pro Jahr.“

Pavel Luzin, Jamestown Foundation

„Es könnte dazu führen, dass eine Menge Schlimmes passiert“, sagte Trump, wie ihn die AFP weiter zitiert. Kurz nach seinem Treffen mit Trump telefonierte Selenskyj nach Angaben aus ukrainischen Delegationskreisen zudem mit Verbündeten aus Europa, so die Nachrichtenagentur. Bundeskanzler Merz erklärte auf X, Selenskyj habe „die volle Unterstützung Deutschlands und der europäischen Freunde auf dem Weg zu einem Frieden. Nach seinem Treffen mit Präsident Trump haben wir uns abgestimmt und werden die nächsten Schritte begleiten. Jetzt braucht die Ukraine einen Friedensplan“, so Merz ergänzend. Damit hätte die Ukraine aber noch lange keine Raketen. Schon gar keine mit längerer Reichweite. Und die Taurus schießt letztendlich einfach zu kurz.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

Trump war beim Thema Tomahawks schon länger hin- und hergerissen. Er zeigte sich bereit, über die Waffen zu reden, hatte aber zugleich mehrfach betont, die USA brauchten die Tomahawks auch selbst, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) über das als „schwierig“ beurteilte Treffen zwischen Trump und Selenskyj. Für den ukrainischen Präsidenten wäre insofern fahrlässig, sich in seiner militärischen Planung auf diese Waffe zu verlassen. Aber was dann? „Der größte Vorteil des Tomahawk gegenüber allen Waffen, die den ukrainischen Streitkräften derzeit zur Verfügung stehen, ist seine große Reichweite“, schreibt Illia Kabachynskyi. Der Autor der ukrainischen Nachrichtenplattform United24 sieht die Waffe in einem Mix mit ukrainischen Raketen beziehungsweise Marschflugkörpern mit jeweils anderen Stärken.

Tomahawk-Alternative für Ukraine-Krieg? „Realistischerweise auf vier Hauptoptionen“ beschränkt

„Wenn wir die Diskussion auf wirklich weitreichende US-Marschflugkörper beschränken, verengt sich die Auswahlliste realistischerweise auf vier Hauptoptionen – jede mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Preisschildern“, erläutert der Defense Express. Laut dem Magazin bestünde die Qual der Wahl zwischen Barracuda und CMMT sowie JASSM und JASSM-ER; wobei damit hauptsächlich Modell-Familien gemeint sind, also Versionen mit verschiedenen Reichweiten. Die Barracuda der US-Software- beziehungsweise Rüstungsschmiede Anduril wird gebaut, mit Reichweiten von etwa 100, über bis zu 400 beziehungsweise mehr als 900 Kilometern; gestartet würden die Modelle sowohl vom Boden aus als auch aus der Luft. Laut dem Defense Express sei die Waffe auch schon vom Kampfjet F-16 aus getestet worden.

Laut dem Magazin wolle der Hersteller die Waffe aber nur auf Bestellung produzieren; die ersten Modelle würden initiativ für das US-Militär hergestellt: „Aus diesem Grund stellen die mangelnden Lagerbestände und die derzeitige ,heiße‘ Produktionslinie dieser Raketen den ersten erheblichen Nachteil der Barracuda dar.“ Insofern brächte diese Waffe der Ukraine keine schnelle Hilfe. Überdies wird der Sprengkopf mit 45 Kilo angegeben – ein Zehntel des möglichen Kampfgewichts einer Tomahawk. Eine ähnlich dürftige Alternative käme vom Flugzeugbauer Lockheed Martin mit dem Common Multi-Mission Truck-Marschflugkörper, abgekürzt CMMT, ausgesprochen „Komet“. Laut dem Defense Express ähnelten sich die beiden Waffen in Reichweite und Zuladung.

Trump hat JASSM im Angebot: Damit würden die F-16-Kampfjets der Ukraine schlagkräftiger

Im Zuge der Lieferung der F-16-Kampfjets war schon diskutiert worden, die Ukraine zusätzlich auszurüsten mit AGM-158 JASSM-Raketen (Joint Air-to-Surface Standoff Missile) beziehungsweise der reichweitenstärkeren JASSM-ER. Die Waffen sind vergleichbar mit den europäischen Storm Shadow/SCALP-Marschflugkörpern, die bereits auf der Krim durchschlagenden Erfolg gehabt hatten. Der US-Thinktank „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) gibt die Reichweite der „Standard-JASSM“ mit 370 Kilometern an, während die JASSM-ER über eine Reichweite von etwa 1.000 Kilometern verfügen sollen; die beiden 4,26 Meter langen Versionen unterscheiden sich demnach lediglich durch einen größeren internen Treibstofftank sowie ein effizienteres Triebwerk, tragen aber beide einen 432 Kilogramm schweren Sprengkopf.

„Der Flugzeugrumpf selbst kann als eckig beschrieben werden, ähnlich dem Taurus KEPD 350, allerdings runder und fließender“, schreibt das CSIS über die Raketen – damit würden die F-16-Kampfjets der Ukraine schlagkräftiger und für den Kampf gegen Moskau gerüstet. „Man kann viele schnelle Jets haben, aber wenn diese nicht über wirksame Waffen verfügen und die Besatzungen nicht in der Lage sind, sie mit wirksamen Taktiken einzusetzen, werden sie einfach in großer Zahl abgeschossen“, hatte Justin Bronk über die weitgehend eher unzureichende Bewaffnung der Kampfjets geäußert, wie die Nachrichtenagentur Reuters den Analysten des britischen Thinktankts „Royal United Services Institute“ (RUSI) zitiert hat.

Putins weiche Flanke: Ein Dutzend Fabriken der russischen Rüstungsindustrie zu Kernzielen erklärt

Der US-Thinktank „Jamestown Foundation“ hat Ende 2024 etwa ein Dutzend Fabriken der russischen Rüstungsindustrie zu Kernzielen für ein schnelles Ende der russischen Invasion bestimmt. Vor allem sind die Anlagen zum Bau von Zirkon-, Iskander- und Kinshal-Waffen. Allesamt liegen sie rund 1.000 Kilometer entfernt von möglichen ukrainischen Startpunkten. Pavel Luzin verdeutlicht, dass mit Drohnen-Angriffen wenig gewonnen wäre; dazu seien die Anlagen zu mächtig – deren Fehlen aber würden riesige Lücken in die Versorgung der russischen Militärmaschinerie reißen; da gibt sich der Analyst der „Jamestown Foundation“ sicher, obwohl er die Gesamtheit von Putins Produktionsstätten auf das Zehnfache dessen einschätzt. Aber die meisten befänden sich weit entfernt von der Ukraine.

Dennoch ist seine Forderung – das entscheidende Dutzend der Fabriken müsse stillgelegt werden: „Zu diesem Zweck benötigt die Ukraine Raketen mit einem Sprengkopfgewicht von mindestens 400 bis 500 Kilogramm und einer Reichweite von mindestens 1.000 Kilometern. Zudem sollte die Produktionsrate dieser Raketen hoch genug sein – mindestens mehrere Dutzend pro Jahr.“ (Quellen: Jamestown Foundation, Center for Strategic and International Studies, AFP, Deutsche Presse-Agentur, Reuters, Kyiv Post, United24, Defense Express, X) (hz)

Rubriklistenbild: © Tom Brenner/AFP

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