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Die Zukunft des Erzbischofs ist vorerst geklärt. Der Vertraute von Papst Benedikt XVI. erhält nach seiner Abschiebung durch Papst Franziskus keine offiziellen Ämter.
Freiburg – Die Abschiebung von Georg Gänswein durch Papst Franziskus sorgte nicht nur im Vatikan für Schlagzeilen. Neben den italienischen Medien fanden sich auch viele Berichte über das Schicksal des ehemaligen Sekretärs von Papst Benedikt XVI. in der deutschen Presselandschaft wieder. Nun ist Erzbischof Gänswein seit dem 7. Juli in Freiburg – viel wurde über seine Aufgaben nach seiner Ankunft im Bistum spekuliert.
Georg Gänswein in Freiburg: Vertrauter von Papst Benedikt XVI. bekommt neue Aufgaben nach Vatikan-Verbannung
Nach einem Treffen mit dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger ist nun geklärt, welche Tätigkeiten der ehemalige Vertraute des verstorbenen Papstes Benedikt XVI., dessen Erbe im Vatikan von Papst Franziskus zerlegt wird, in Zukunft übernehmen oder vielmehr nicht übernehmen soll. Das Erzbistum Freiburg ließ in einer Mitteilung verlauten, dass Gänswein „keine Stelle im Erzbischöflichen Ordinariat und keine dauerhafte, feste Tätigkeit für die Erzdiözese übernehmen“ wird.
Ganz tatenlos wird der 66-Jährige seine Zeit aber nicht in Freiburg verbringen. Ab Herbst soll der Erzbischof ohne offizielle Ämter dennoch bei Gottesdiensten im Freiburger Münster vorstehen. Darüber hinaus erhalte der Ehrendomherr die Möglichkeit, einzelne Aufträge zu übernehmen. Darunter fallen etwa Firmungen.
Neue Aufgaben für Gänswein in Freiburg: Zukunft der „Nervensäge“ im Bistum bis vor kurzem unklar
Bis Sonntag war Gänswein selbst noch unklar, wie seine Zukunft sich gestalten sollte beziehungsweise dieses „neue Leben“ aussehen werde. Der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera sagte der Geistliche noch: „Ich muss erst noch herausfinden, was ich machen werde.“ Im Moment stehe er im Weg herum und sei „eine Nervensäge“.
Freiburg sei aber eine schöne Stadt, in der man gut lebe, sagte Gänswein weiter über seine neue Heimat, in der er zum Priester geweiht worden war. „Und es gibt hier auch einen sehr guten Wein, besser als der italienische. Ich meine den Wein hier, nicht generell deutschen Wein.“ Auf den Hinweis, dass es Menschen gebe, die darauf hofften, er könne die Diözese neu beleben, sagte der Erzbischof: „Die Bürger hier kennen mich besser als ich sie. Wir werden sehen.“
Spannungen mit Papst Franziskus im Vatikan: Abschiebung nach dem Tod von Papst Benedikt XVI.
Nach dem Tod von Papst Benedikt galt das Verhältnis zwischen Gänswein und Franziskus als zunehmend angespannt, welches gar in einem Krisengipfel mündete. Der als konservativ geltende Erzbischof hatte in den letzten Jahren von Benedikt zunehmend Kritik an dem Kurs des amtierenden Ponifex geäußert. Auch die Gänswein-Enthüllungen nach Veröffentlichung seines Buches „Nicht als die Wahrheit“ stießen im Vatikan auf wenig Wohlwollen.
Nun scheint die Personalie Georg Gänswein vorerst geklärt zu sein. Während damit wohl etwas Ruhe in der katholischen Kirche einkehrt, wird an anderer Stelle auch nach vierzig Jahren der Vermisstenfall von Emanuela Orlandi wieder neu entfacht. Schließlich erhebt der Bruder der Verschwundenen erneute schwere Vorwürfe in Richtung Vatikan.
Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

