Herbe Verluste Russlands

Putins T-90 unterliegt im Duell – ein stählerner Koloss voller Schwachstellen

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Der M2/M3 Bradley: Mit einer guten Besatzung wird der US-Schützenpanzer zum gefürchteten Gegner der alten russischen Kampfpanzer.
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Russischer T-90 besiegt von einem Bradley-Schützenpanzer: Dessen Kommandant hat sich für das Gefecht fit gemacht; an der heimischen Spiele-Konsole.

Stepowe – Dieses Duell innerhalb des Ukraine-Krieges schien eines gewesen zu sein zwischen David und Goliath: Ein Video ging viral, in dem ein M-2-Bradley Schützenpanzer der Ukraine kurzen Prozess macht mit einem T-90-Panzer der Armee Russlands – Beiname „Proryv“ (Durchbruch); zu sehen ist das Drohnen-Video auf X (vormals Twitter) auf dem Kanal des Bloggers „Special Kherson Cat“. Den T-90 feierte Russlands Diktator Wladimir Putin laut dem Military Watch Magazine als „besten Panzer der Welt“ – verloren gegangen ist der Koloss wohl bei der Ortschaft Stepowe im Süden der Ukraine nahe Cherson. Aus drei Gründen, wie zu lesen ist.

Das ukrainische Magazin ArmyInform will jetzt das Rezept herausgefunden haben, wie der Stahlkoloss zu knacken ist. Schon im technischen Vergleich zwischen einem Kampf- und einem Schützenpanzer scheint von vornherein klar zu sein, wer gewinnen wird: Ein 125-Millimeter-Geschütz und 800 Millimeter oberer Front- sowie 500 Millimeter Seitenpanzerung in einem Gefechtsfahrzeug im Vergleich zu einem 25- bis 30-Millimeter-Geschütz und dünnerer Panzerung in einem Infanterie-Kampffahrzeug lassen Letzteres schlichtweg alt aussehen. Doch ein Krieg hat immer Überraschungen parat, und der Panzer ist prinzipiell als Einweg-Produkt konzipiert.

Panzer-Duell: „Faktor Mensch“ führt zu Russlands immensen Verlusten

Diese Unwägbarkeiten bringt immer im „Faktor Mensch“ mit in das stählerne Gehäuse, wie auch Brigadegeneral Björn Schulz im Bundeswehr-Podcast Nachgefragt verdeutlicht hat – er leitet seit Februar 2022 die Panzertruppenschule der Bundeswehr – ihm zufolge sei die westliche Technik nur ein Aspekt der Überlegenheit der Nato gegenüber den Truppen Wladimir Putins. „Hinzu kämen die wesentlich bessere Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten und die Führungskultur in den westlichen Streitkräften, die den einzelnen Offizieren ein flexibles und eigenständiges Führen der Truppen im Gefecht erlaube. Hier liegt der wichtigste Vorteil gegenüber Russland. Denn der uralte Grundsatz im Feuerkampf sei: Wer schneller schießt und besser trifft, gewinnt“, so Schulz.

Laut Aussagen des pensionierten ukrainischen Panzer-Offizieres Mykola Salamakh gegenüber ArmyInform ist das verlorene Duell zwischen West und Ost gleichermaßen auf menschliche Schwächen wie auf veraltete Technik zurückzuführen. Zum Nachladen benötigt die Kampfpanzer-Besatzung des T-90 mindestens acht Sekunden; der Bradley feuert dagegen mit einer M242 Bushmaster-Maschinenkanone, und diese 25mm-Kanone hat eine Standard-Feuerrate von 200 Schuss pro Minute; ihre effektive Reichweite wird mit 2.000 Metern angegeben; ihre Standard-Munition ist eher bis zu 70 Millimeter dicken Panzerstahl wirksam, also wirkungslos im frontalen Angriff.

Bradley-Kommandant: Mit Videospielen auf den Kampf vorbereitet

In einem Video-Interview auf X (vormals Twitter) bestätigt der Bradley-Kommandant und Richtschütze die Vermutung, bessere Ausbildung brächte auf dem Schlachtfeld den entscheidenden Erfolg – Serhiy, wie er im Video genannt wird, führt neben der Schulung durch die US-Armee in Deutschland auch seine Erfahrungen vom „Zocken“ von Videospielen als Vorteil gegenüber russischen Panzerfahrern an – beispielsweise durch die Panzersimulation „War Thunder“.

Im Magazin futurezone beschreibt Serhiy, dass er zuerst die panzerbrechenden Geschosse auf den T-90M abgefeuert hat. Aber dabei seien Probleme entstanden und er habe von der panzerbrechenden Munition auf die Zuführung mit hochexplosiver Munition gewechselt. Möglicherweise war die Zuführung der panzerbrechenden Munition blockiert oder einfach die Munition aufgebraucht gewesen. Also wechselte Serhiy zur hochexplosiven Munition, die eigentlich nicht zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen gedacht ist: „Und hier erinnerte ich mich plötzlich an meine Erfahrung aus Videospielen. Ich erinnerte mich, wie und wo ich den T-90M treffen musste. Ich musste ihn um jeden Preis stoppen“, wie ihn futurezone zitiert

Serhiy war erst im Dezember in die Ukraine zurückgekehrt, nachdem er sein Bradley-Training auf einem US-Stützpunkt in Deutschland absolviert hatte. Er und sein Fahrer waren erst auf der zweiten gemeinsamen Mission, als sie dem T-90M begegnet sind. Ihre Aufgabe war, Infanteristen zu beschützen, die in einem Graben unter Beschuss von russischen Panzern gekommen waren. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie es ist, einen Kampfpanzer im Visier zu sehen“, sagt Serhiy: „Im Training dachte ich mir immer: Hoffentlich werde ich das nie erleben. Und dann passierte es. Und das auch noch ziemlich nahe.“

T-90-Kampfpanzer: Viele Schwachstellen an Putins Wunderwaffe auf Ketten

Die Optik sei auf kurze Distanz tatsächlich die zweite Schwachstelle eines T-90, wie der ukrainische Oberstleutnant Mykola Salamakh dem Magazin ArmyInform gegenüber erläutert. Ihm zufolge war die Duell-Distanz mit geschätzten 150 bis 200 Metern für die verbaute Optik im T-90 zu nah, um den Feind zielsicher anzuvisieren. Salamakh schätzt, dass der tote Winkel der Optik durch die Vergrößerung des Visiers rund 150 Grad betragen haben mag – insgesamt zu viel für einen schnellen Blattschuss auf einen beweglichen Gegner.

Auf der anderen Seite hält Salamakh die Optiken des T-90 auf dem Turm für den Richtschützen und den Kommandanten für so groß dimensioniert, dass sie auf eine kurze Distanz von einem zielsicheren feindlichen Kanonier gut ausgeschaltet werden können – die Berichte sprechen davon, dass der T-90 nach den ersten Treffern seinen Turm wild hin- und hergedreht haben soll; das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die russische Besatzung orientierungslos gewesen ist. Die Besatzung konnte offensichtlich nicht herausfinden, woher das Feuer kam, und begann, den Turm vergeblich nach dem Feind auszurichten.

Erschwerend soll hinzukommen, dass ein guter Bradley-Schütze wohl relativ leichtes Spiel hat: Die Bushmaster-Kanone soll auf einer Entfernung von 200 Metern höchstens 40 Millimeter daneben schießen. Infolge zahlreicher Treffer durch panzerbrechende 16-mm-Granaten musste dann auch die dynamische Panzerung des T-90 nachgeben – ohnehin wird die Panzerung rund um den Kommandanten beziehungsweise auch rund um die Munition mit 20 bis 40 Millimetern angegeben. Das ist die Achillesferse des T-90, die die Bradley-Besatzung wohl gekonnt genutzt hat.

Russland: Die besten Panzerbesatzungen sind wahrscheinlich längst gefallen

Die Crew des T-90M war eventuell auch zu wenig erfahren und geriet in Panik, aufgrund der hohen Verluste Russlands ist ohnehin sehr wahrscheinlich, dass Russland seine erfahrenen Panzerbesatzungen bereits zu Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine verloren hat. Insgesamt soll Wladimir Putin laut Berichten von US-Geheimdiensten inzwischen 315.000 Soldaten eingebüßt haben, wie aus Washington D.C. bekannt wurde. Die Verluste Russlands an gepanzerten Fahrzeugen sollen rund 3.500 Stück betragen. Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf die Dokumente, der Krieg habe die russischen Streitkräfte in ihren Modernisierungsbemühungen um 15 Jahre zurückgeworfen. Besonders hoch seien die russischen Verluste unter anderem in den Kämpfen um die ostukrainische Frontstadt Awdijiwka gewesen – das ist das vorrangige Ergebnis der ukrainischen Gegenoffensive. Grund sei der Frost, hieß es. Der harte Boden ermögliche den russischen Angreifern einen verstärkten Einsatz gepanzerter Fahrzeuge, was sie dann auch wieder extrem verwundbar macht.

Im Gegensatz zu den M1A1 Kampfpanzern, die die Ukraine ebenfalls von den USA bekommen hat, sind die gelieferten Bradleys eine relativ aktuelle Version. Die M2A2 Bradley wurden ab 1988 produziert. Die in die Ukraine gelieferten M2A2 ODS Bradley wurden von  1995 an aufgerüstet mit dem Wissen aus der Operation Desert Storm. Zu den Upgrades gehören ein elektronisches Freund-Feind-Erkennungssystem, GPS und ein verbessertes Sicht- und Zielsystem.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Historiker Ralf Raths erklärt die technischen Unterschiede in den westlichen und östlichen Panzerbau-Schulen damit, dass die russischen Panzer einfacher gebaut sind, damit kleiner werden und schwerer zu treffen. Allerdings würde das auch zulasten der Widerstandsfähigkeit gegen Beschuss gehen. Raths: „Der russische Panzer ist gegenüber dem westlichen wesentlich rustikaler und kruder. In der Ukraine wird jetzt aber ganz klar, dass die russische Doktrin, die Panzer auch ,verbrauchen‘ zu können, weil man ja mehr davon hat, nicht mehr zu halten ist. Panzer sind dafür da, ihre Aufgabe zu erfüllen und dabei auch vernichtet zu werden. Das Militär plant Verluste mit ein.“ Ihm zufolge hat sich in der Ukraine gezeigt, dass die handwerkliche Qualität der Panzerführung der Russen „abgründig schlecht ist“, wie er sagt.

Im Verlauf der vergangenen 107 Jahre seit Einführung der Panzer auf dem Schlachtfeld sind die immer in großer Zahl vernichtet worden, sagt der Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster – das gehöre zu ihrem Wesen dazu. Der Eindruck der Unverwundbarkeit sei also rundweg falsch – ein Panzer kann auch eine Falle für die Besatzung sein. (Karsten Hinzmann)

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