- VonBettina Menzelschließen
Bei einer Wahlkampfveranstaltung richtete sich die Wut der treuen Trump-Anhänger gegen den Ex-Vize-Präsidenten Mike Pence, der im Clinch mit seinem früheren Chef Donald Trump liegt.
New Hampshire – Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat zahlreiche juristische Probleme. Die Vorwürfe reichen von Schweigegeldzahlungen an eine Darstellerin von Erwachsenenfilmen über die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente bis hin zu Wahlmanipulation. Während seiner Amtszeit erzählte er laut Washington Post außerdem 30.573 Lügen – und das mindestens. Trump-Anhänger halten ihrem Anführer dennoch weiterhin bedingungslos die Treue. Zu spüren bekam das der frühere Vize-Präsident der USA, Mike Pence, bei einer Wahlkampfveranstaltung in New Hampshire am Freitag (4. August).
Anhänger Donald Trumps beschimpfen Ex-Vize-Präsidenten Mike Pence bei Wahlkampfveranstaltung
Donald Trump und Mike Pence blicken auf eine teils holprige gemeinsame Vergangenheit zurück, die ihren Tiefpunkt im Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 fand. Darauf bezog sich wohl der Austausch zwischen Trump-Anhängern und Pence am Freitag, der in einem Video eingefangen wurde. Die Aufnahme ging schnell viral und hatte im sozialen Netzwerk X (früher Twitter) am Sonntag bereits über zwei Millionen Aufrufe.
Der Ex-Vize-Präsident ist im Video zu Fuß auf dem Weg zur Veranstaltung, als sich ihm etwa ein Dutzend Trump-Fans annähern. „Das ist ein Verräter“, ruft es aus der Menge, „Du bist ein Sellout“ (zu Deutsch in etwa: Jemand, der sich verkauft) schreit ein anderer. „Warum hast du die Verfassung nicht gewahrt“, fragt einer der Trump-Anhänger, woraufhin Pence sichtlich genervt zurückgibt: „Ich habe die Verfassung gewahrt“ und Momente später ergänzt: „Lesen Sie sie!“
A dozen Trump supporters approached Mike Pence’s vehicle as he entered his Friday event yelling, “that’s a traitor,” “you’re a sellout,” and “why didn’t you uphold the constitution?”
— Kelsey Walsh (@Kjwalsh_news) August 5, 2023
“I upheld the constitution,” Pence shouted back.
As they badgered him he yelled, “Read it!” pic.twitter.com/gKpeB2mntO
Trump hat seine Niederlage bei der Präsidentenwahl 2020 bis heute nicht eingestanden. Er spricht immer noch von „Wahlbetrug“. Viele Anhänger des Ex-Präsidenten sind deshalb fälschlicherweise der Meinung, dass Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen habe – nicht, wie die Stimmauszählung ergab, der amtierende US-Präsident Joe Biden.
Trump-Anhänger pöbeln gegen Mike Pence: Vize-Präsident übte zuvor deutliche Kritik an Trump
Die Wut der Trump-Anhänger löste wohl auch eine aktuelle Aussage von Mike Pence über die Anklage gegen Trump wegen des Angriffs seiner Anhänger auf das US-Kapitol aus. „Die heutige Anklage ist eine wichtige Erinnerung: Wer sich über die Verfassung stellt, sollte niemals Präsident der Vereinigten Staaten sein“, kommentierte der Ex-Vize-Präsident am vergangenen Dienstag.
Pence hatte sich beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 geweigert, den Forderungen Trumps nachzukommen und die Bestätigung von Bidens Wahlsieg zu stoppen. Daraufhin hatte der Immobilienmogul seine Anhänger gegen den Vize aufgehetzt, damals johlte die Menge auch „Hängt Pence“. Trumps „unbesonnene Worte“ hätten alle im Kapitol an diesem Tag gefährdet, hatte der ehemalige Vize die gefährliche Situation im Nachhinein kommentiert. Beim aufs Kapitol waren mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.
Die am Dienstag veröffentlichte Anklageschrift zitiert auch aus persönlichen Unterhaltungen zwischen Trump und Pence. „Du bist zu ehrlich“, soll Trump zu seinem Vize nach dessen Weigerung gesagt haben. Pence versucht das nun geschickt für den Präsidentschaftswahlkampf zu nutzen. In seinem Online-Shop verkauft der ehemalige Vize Hüte und T-Shirts mit der Aufschrift „Too honest“ (zu Deutsch: „zu ehrlich“). Trotz juristischer Probleme bleibt Trump aber weiterhin aussichtsreichster Kandidat der Republikaner bei den Vorwahlen: Der jüngsten Umfrage der New York Times zufolge hat Trump 54 Prozent der republikanischen Wähler hinter sich und liegt damit 37 Prozentpunkte vor seinem zweitstärksten Konkurrenten, Floridas Gouverneur Ron DeSantis (17 Prozent). Mike Pence kann aktuell lediglich drei Prozent der republikanischen Wählerstimmen für sich verbuchen. (bme mit dpa)
