Machthaber in Gefahr?

„Putin eliminieren“: Russische Staatsfeinde nehmen Kreml-Chef nach Prigoschins Tod ins Visier

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Wladimir Putin gerät ins Fadenkreuz seiner Feinde: Nach Prigoschins Tod gibt es mitten im Ukraine-Krieg neue Drohungen gegen den russischen Präsidenten.

Moskau – Prigoschins mutmaßlicher Tod sorgt weiterhin für Unruhe in Russland. Nachdem sich am Mittwochabend die Nachricht vom möglichen Flugzeugabsturz des Wagner-Chefs verbreitet hatte, gibt es immer wieder Hinweise, die auf eine Beteiligung von Wladimir Putin hindeuten sollen. Die Wagner-Söldner schworen bereits Rache, doch auch eine andere Gruppierung nimmt nun den Kreml-Chef ins Visier und droht Putin mit dem Tod.

Tod von Putin: Nach Flugzeugabsturz von Prigoschin will eine Gruppe Russlands Präsidenten ins Visier nehmen

„Solange Putin atmet, ist die Welt in Gefahr“, schreibt die „Liberty of Russia“-Legion auf Twitter und fordert den Tod Putins. Nach dem Tod von Wagner-Boss Prigoschin fordern die Kämpfer der Freiwilligen-Brigade „Legion Freiheit Russlands“ nun die „Eliminierung“ von Russlands Präsidenten. Doch es gibt dabei auch einen Haken: Gemeinsam mit der sogenannten Anti-Putin-Koalition sei nur die Legion in der Lage, gegen den Kreml vorzugehen.

Der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Rede am 21. August 2023. Nach Prigoschins Tod gerät er nun selbst ins Visier. (Archivbild)

Über eineinhalb Jahre nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist die Lage in Russland angespannt wie nie. Vor knapp zwei Monaten zog Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin mit seiner Söldner-Armee gen Moskau, um gegen die Militärführung vorzugehen. Ob er damals tatsächlich anstrebte, mit einem Putsch Putin zu stürzen, ist ungewiss. Allerdings gab es auf seinem Marsch nach Moskau wenig Widerstand, was darauf hindeuten könnte, dass der Rückhalt für Putin in Russland bröckelt.

Putin bald tot? Abtrünnige im Ukraine-Krieg wollen Russlands Präsidenten liquidieren

Nach Monaten der EU-Sanktionen, einer fragilen Wirtschaft und hohen Verlusten im Ukraine-Krieg wird seit einiger Zeit über schwindende Unterstützung für Putin gemutmaßt. Die jüngsten Drohnenangriffe der Ukraine auf Städte in Russland sind ebenfalls ein Dämpfer für die Moral der Bevölkerung. Die „Spezialoperation“ in der Ukraine ist längst zu einem zermürbenden Krieg geworden, in dem die Verteidiger durch die Unterstützung des Westens inzwischen eine eigene Gegenoffensive vorantreiben.

Der kurzzeitige Putsch der Wagner-Gruppe war für viele Experten ein eindeutiges Zeichen, dass Putins Macht nicht mehr so gefestigt ist, wie vor Ausbruch des Ukrane-Kriegs. Wie Newsweek schreibt, sollen inzwischen auf viele Russen, die ursprünglich die Invasion ins Nachbarland befürwortet hatten, sich gegen Putin wenden. Doch eine Opposition in Russland gibt es seit Monaten nicht mehr: Kreml-Chef Putin regiert mit harter Hand und duldet keinen Widerstand.

Tod Putins wegen Ukraine-Krieg: Legion sieht keinen anderen Ausweg

Wladimir Putin ist inzwischen nicht nur außerhalb Russlands und seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs zu einem Feindbild geworden. „Legion Freiheit Russlands“ sieht daher nur in der Eliminierung Putins einen Ausweg. Über einem Bild von Putin, das so bearbeitet wurde, dass es ein auf seinen Kopf gerichtetes rotes Zielsymbol zeigt, fügte die Gruppe hinzu: „Nur unsere gemeinsamen Anstrengungen können Putin eliminieren.“

Während der Kreml nach dem mutmaßlichen Tod von Wagner-Chef Prigoschin eine Beteiligung mit Nachdruck abstreitet, ist für die Legion Putin der Drahtzieher hinter dem Flugzeugabsturz. Ohne Beweise zu liefern, behautet sie, dass das Unglück zeige, dass „niemand eine Einigung mit Putin erzielen kann“.

Auswirkung von Tod Putins unklar: Wagner-Söldner wollen Tod von Prigoschin rächen

Putins Tod steht bereits seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs immer wieder im Raum. Allerdings sind sich Experten über die Auswirkungen einer möglichen Liquidierung des Kreml-Chefs uneins. Mitunter wird gemutmaßt, dass Russland, das seinen Wunder-Panzer T-14 Armata verbessert, in dem Fall nur mehr Willkür und Chaos drohen könnte. Nach dem Tod von Prigoschin wurde zunächst befürchtet, dass Wagner-Söldner erneut zu einem Marsch nach Moskau aufbrechen könnten. Bisher hat sich dies nicht bewahrheitet.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sieht derweil keine mögliche Verwicklung von Kreml-Chef Wladimir Putin in die mutmaßliche Tötung des Söldner-Chefs Jewgeni Prigoschin. Dessen Wagner-Armee solle weiter in Belarus bleiben, ließ der Präsident am Samstag, dem 26. August, mitteilen. Inwieweit Putin durch die Drohungen der Legion in Gefahr sein könnte, lässt sich indes nur mutmaßen: In der Vergangenheit gab es immer wieder Gerüchte um mögliche Angriffe auf den Kreml-Chef. Putin selbst schützt sich unter anderem durch mehrere Doppelgänger. (fbu mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mikhail Klimentyev/ITAR-TASS

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