Inszenierte Mega-Parade

Während Xi mit Putin und Kim Einigkeit zelebriert, argwöhnt Trump eine Verschwörung

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Xi demonstriert in Peking militärische Stärke, Putin und Kim nehmen demonstrativ an der Parade teil – Trump reagiert empört.

Peking – Chinas Staatschef Xi Jinping empfing den russischen Präsidenten Wladimir Putin und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Anlass war der 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg. Bei einer Militärparade betonte Xi, dass die Menschheit „erneut vor einer Wahl zwischen Frieden oder Krieg, Dialog und Konfrontation, Win-Win und Nullsummenspiel“ stehe. China werde „fest auf der richtigen Seite der Geschichte“ stehen. Donald Trump äußerte Kritik an diesem Treffen und vermutete eine Verschwörung.

Chinas Militärparade zum 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs im Pazifikraum. Im Bild: Chinas Präsident Xi Jinping (Mitte), Kremlchef Wladimir Putin (links) und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un (rechts).

Auf seiner Plattform Truth Social wandte sich der US-Präsident an Xi: „Bitte richten Sie Wladimir Putin und Kim Jong-un meine herzlichsten Grüße aus, während Sie sich gegen die Vereinigten Staaten von Amerika verschwören“. China und die USA waren im Zweiten Weltkrieg Verbündete gegen Japan. Viele Amerikaner seien für Chinas Sieg und Ruhm gestorben, erinnerte Trump. Er frage sich, ob Xi die umfangreiche Unterstützung der USA erwähnen werde, die China half, „seine Freiheit vor einem sehr unfreundlichen ausländischen Eindringling zu sichern“, so der US-Präsident weiter.

Chinas Geschichte im Zweiten Weltkrieg

1937 griff Japan China an. Der Krieg dauerte bis 1945 an und forderte Millionen Menschenleben. Trotz gegenseitigen Misstrauens kämpften Nationalisten und Kommunisten gemeinsam gegen die japanische Invasion. Nach dem Ende des Krieges entbrannte der Bürgerkrieg zwischen diesen beiden Gruppen erneut. 1949 errichteten die Kommunisten die Volksrepublik China, nachdem sie den Bürgerkrieg für sich entschieden hatten. Die Nationalisten zogen sich daraufhin nach Taiwan zurück. Da die Volksrepublik im Jahr 1945 noch nicht existierte, kritisieren viele, insbesondere Taiwan, Chinas Bestrebungen, sich heute als zentralen Akteur des damaligen Krieges darzustellen. Peking hingegen sieht Taiwan als „abtrünnige Provinz“.

Trump gibt sich mit Blick auf Chinas Militär gelassen

Während der Parade präsentierte China seine Waffentechnologien. Dazu gehörten unbemannte Kampfjets, Unterwasser-Drohnen und die mobile Laserwaffe LY-1, die gegen kleinere Drohnen und Lenkwaffen eingesetzt werden kann. Auch „loyal wingman“-Drohnen, die bemannte Kampfflugzeuge unterstützen, wurden gezeigt. Diese könnten aus Jets wie dem J-20, einem chinesischen Tarnkappenflugzeug, gesteuert werden.

Hyperschallraketen vom Typ YJ und Interkontinentalraketen der DF-Serie, die mit Atomsprengköpfen das US-amerikanische Festland oder Europa erreichen können, waren ebenfalls Teil der Präsentation. Tausende Soldaten marschierten durch Peking. Noch am Dienstag (2. September) hatte Trump in einem Radiointerview erklärt, er mache sich angesichts der Nähe von China und Russland „überhaupt keine Sorgen“ und ergänzte: „Wir haben mit Abstand die stärkste Armee der Welt und sie würden niemals ihr Militär gegen uns einsetzen.“

Einblicke ins Reich von Kim Jong-un: Alltag in Nordkorea

Menschen an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea
Nordkorea ist das wohl geheimnisvollste Land der Erde: eine totalitäre Diktatur, in der der Einzelne nichts zählt, ohne Freiheiten und Menschenrechte, abgeschottet vom Rest der Welt. Schätzungsweise 26 Millionen Menschen leben in dem Land, das im Norden an China und Russland grenzt und im Süden an das freiheitliche, demokratische Südkorea. Nordkoreas Grenzen sind für die meisten Menschen unüberwindbar – kaum einer kommt rein, noch weniger Menschen kommen raus. © Ed Jones/afp
Munsu Wasserpark in Pjöngjang.
Als buntes, lebensfrohes Paradies für alle, so zeigt sich Nordkorea gerne. So wie hier, im Munsu Wasserpark in Pjöngjang. Außerhalb der Hauptstadt, in der vor allem die Eliten wohnen, ist das Leben in Nordkorea aber vor allem trist und von Mangel und massiven Menschenrechtsverletzungen geprägt. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2013. © Xinhua/Imago
Burgerladen in Pjöngjang
Die USA sind der erklärte Hauptfeind des nordkoreanischen Regimes. Das hindert das Land aber offenbar nicht, amerikanische Esskultur zu zelebrieren – wie hier in einem Burgerladen in Pjöngjang (Aufnahme von 2018). © Ed Jones/AFP
Braut und Bräutigam posieren für Fotos mit einem Pferd in der Reitschule Mirim am Stadtrand von Pjöngjang
Braut und Bräutigam posieren für Fotos mit einem Pferd in der Reitschule Mirim am Stadtrand von Pjöngjang (2016). © Ed Jones/AFP
Ein Kind spielt 2018 mit Pfeil und Bogen während einer Veranstaltung zum „Internationalen Kindertag“ im Kaeson Youth Park in Pjöngjang.
Ein Kind spielt 2018 mit Pfeil und Bogen während einer Veranstaltung zum „Internationalen Kindertag“ im Kaeson Youth Park in Pjöngjang. © Kim Won Jin/AFP
Touristen aus China posieren vor einem Denkmal in Pjöngjang
Touristen aus China posieren vor einem Denkmal in Pjöngjang (2019). Gigantische Propaganda-Monumente wie dieses finden sich überall in der nordkoreanischen Hauptstadt. © Ed Jones/AFP
In Nordkoreas U-Bahn-Netz sind noch immer alte Züge aus Berlin unterwegs
In Nordkoreas U-Bahn-Netz sind noch immer alte Züge aus Berlin unterwegs. Auf den Bahnsteigen verkünden Zeitungen die staatliche Propaganda. Das Bild entstand 2019. © Ed Jones/AFP
An einem Schießstand in Pjöngjang zeigt eine Ausbilderin ein in Nordkorea hergestelltes Sturmgewehr
Immer bereit, falls der Feind vor der Tür steht: An einem Schießstand in Pjöngjang zeigt eine Ausbilderin ein in Nordkorea hergestelltes Sturmgewehr (2018). © Ed Jones/AFP
Der Turm der Juche-Ideologie
Der Turm der Juche-Ideologie ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Er befindet sich am Ufer des Flusses Taedong und ist ein Monument für Nordkoreas Staatsideologie, die eine Autarkie des Landes propagiert. (Aufnahme von 2019) © Ed Jones/AFP
Junge Besucher warten vor dem Museum für Naturgeschichte in Pjöngjang (2016).
Junge Besucher warten vor dem Museum für Naturgeschichte in Pjöngjang (2016). © Ed Jones/AFP
Das Monument zur Gründung der Partei der Arbeit Koreas in Pjöngjang
Das Monument zur Gründung der Partei der Arbeit Koreas in Pjöngjang: Der Hammer steht für die Arbeiterklasse, die Sichel für die Bauern und der Pinsel für die Intellektuellen. (Aufnahme von 2013) © Ed Jones/AFP
Hochzeitspaar auf dem Taedong-Fluss in Pjöngjang (2015)
Hochzeitspaar auf dem Taedong-Fluss in Pjöngjang (2015): Eine derart glamouröse Hochzeit können sich in Nordkorea nur die wenigsten Menschen leisten. © Ed Jones/AFP
Besucher füttern in Zoo von Pjöngjang die Bären (2016).
Besucher füttern in Zoo von Pjöngjang die Bären (2016). © Ed Jones/AFP
Ein Skigebiet nahe Wonsan im Osten von Nordkorea
Ein Skigebiet nahe Wonsan im Osten von Nordkorea (2017): Skifahren ist in dem Land ein Sport für die Eliten. © Ed Jones/AFP
Billard-Halle in Pjöngjang (2017)
Billard-Halle in Pjöngjang (2017): Der Sport ist in Nordkorea – wie auch in vielen anderen asiatischen Ländern – äußerst beliebt. © Ed Jones/AFP
Auf dem Land, wie hier in der Nähe von Kiliju im Nordosten von Nordkorea, ist das Leben beschwerlich. Die Aufnahme stammt von 2017.
Auf dem Land, wie hier in der Nähe von Kiliju im Nordosten von Nordkorea, ist das Leben beschwerlich. Die Aufnahme stammt von 2017. © Ed Jones/AFP
Der Kim-il-Sung Platz befindet sich im Zentrum von Pjöngjang. Das Regime nutzt ihn gerne für Aufmärsche – und Kinder offenbar auch zum Spielen (Aufnahme von 2019).
Der Kim-il-Sung Platz befindet sich im Zentrum von Pjöngjang. Das Regime nutzt ihn gerne für Aufmärsche – und Kinder offenbar auch zum Spielen (Aufnahme von 2019). © Ed Jones/AFP
Das Foto aus dem Jahr 2020 zeigt eine Kimichi-Fabrik in Pjöngjang.
Kimichi ist das Nationalgericht der beiden koreanischen Staaten. Das Foto aus dem Jahr 2020 zeigt eine Kimichi-Fabrik in Pjöngjang. © Kim Won Jin/AFP
Das Yangdok Hot Spring Resort ist ein beliebter Ausflugsort der Oberschicht (Bild von 2022).
Das Yangdok Hot Spring Resort ist ein beliebter Ausflugsort der Oberschicht (Bild von 2022). © Kim Won Jin/AFP
Der Pjöngjang-Marathon lockt jedes Jahr (hier: 2019) auch ein paar wenige ausländische Besucher in die Hauptstadt. Im Hintergrund: Nordkoreas Triumphbogen – höher als das Original in Paris.
Der Pjöngjang-Marathon lockt jedes Jahr (hier: 2019) auch ein paar wenige ausländische Besucher in die Hauptstadt. Im Hintergrund: Nordkoreas Triumphbogen – höher als das Original in Paris. © Kim Won Jin/AFP
Oans, zwoaf, gsuffa! Auch in Nordkorea gibt es ein Oktoberfest – hier im Jahr 2016.
Oans, zwoaf, gsuffa! Auch in Nordkorea gibt es ein Oktoberfest – hier im Jahr 2016. © Imago
Besucher eines Friedhofs für die „Märtyrer“ des Korea-Kriegs
Besucher eines Friedhofs für die „Märtyrer“ des Korea-Kriegs. Die Gesichtsmasken verraten es: Das Bild entstand in den Jahren der Corona-Pandemie, genauer: 2021. © Kim Won Jin/AFP
Das Bild zeigt Gewächshäuser in der Provinz Süd-Hamgyong im Jahr 2022.
Seit Jahrzehnten schafft es Nordkorea nicht, seine Bürger mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Diktator Kim Jong-un gibt sein Geld lieber für Raketen als für Nahrungsmittel aus. Das Bild zeigt Gewächshäuser in der Provinz Süd-Hamgyong im Jahr 2022. © KCNA via KNS/AFP
Soldaten auf einem Jahrmarkt im Jahr 2012.
Soldaten auf einem Jahrmarkt im Jahr 2012. © Eric Lafforgue/Imago
Im Zentrum von Pjöngjang ehren riesige Bronzestatuen Staatsgründer Kim Il-sung (links) und seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong-il (Aufnahme von 2023).
Im Zentrum von Pjöngjang ehren riesige Bronzestatuen Staatsgründer Kim Il-sung (links) und seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong-il (Aufnahme von 2023). © Yuri Smityuk/Imago

Putin war bereits vor der Militärparade für den Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) nach China gereist. Sein Aufenthalt dauerte insgesamt vier Tage und umfasste zahlreiche Themen und Treffen. Beobachter bezeichneten dies als ungewöhnlich intensiv für einen Staatsbesuch. Auch der Kreml sprach von einem „beispiellosen“ Besuch. Bei dem SOZ-Treffen ging es um nicht weniger als die Schaffung einer neuen Weltordnung: Diese soll multipolar und „gerechter“ sein, hieß es – also die Vorherrschaft der USA beenden und dem globalen Süden mehr Einfluss verleihen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergey Bobylev / SNA

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