„Wäre das nicht wunderbar?“ Trump erhält Friedenszeichen von Putin
VonMarcus Giebel
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Während seiner Rede vor dem Kongress spricht Donald Trump über diverse Themen. Ein Brief von Wolodymyr Selenskyj wird im Kontext des Ukraine-Kriegs zitiert.
Washington – Wenn Donald Trump über sich und seine Politik spricht, geben sich Superlative die Klinke in die Hand. Mit seiner Rede zur Lage der Nation stellte er tatsächlich alle Vorgänger in den Schatten – es soll die längste ihrer Art in der US-Geschichte gewesen sein.
In rund 100 Minuten hob der Republikaner vor dem Kongress seine ersten Errungenschaften seiner zweiten Amtszeit hervor und zeigte auf, wie er den „American Dream“ mit Leben zu füllen gedenkt. Für das aus Europas Sicht wichtigste Thema war erst sehr spät Zeit: den Ukraine-Krieg. Was auch damit zu erklären sein dürfte, dass sich Trump bei dessen Beendigung deutlich schwerer tut als er es wohl selbst erwartet hätte.
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Binnen eines Tages wollte der 78-Jährige ursprünglich die Waffen zum Schweigen bringen. Davon ist längst keine Rede mehr. Seine Bemühungen liefen bislang ins Leere. Mit dem Tiefpunkt des Eklats im Weißen Haus, als Trump und sein Vize-Präsident J.D. Vance dem keinesfalls einknickenden ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras die Leviten lasen.
Mittlerweile sollen sich die beiden ungleichen Staatsoberhäupter wieder angenähert haben. Wahrscheinlich auch, weil Trump Selenskyj die Pistole auf die Brust gesetzt hat, indem er die Ukraine-Hilfen aussetzen ließ. Ohne die Unterstützung des potentesten Verbündeten würden sich Kiews Aussichten auf eine erfolgreiche Verteidigung gegen Wladimir Putin drastisch verschlechtern.
Trump arbeitet am Frieden – und erzählt bei Rede im Kongress von „starken Signalen“ aus Russland
Daraus zitierte Trump vor dem Kongress. „Mein Team und ich sind bereit, unter der starken Führung von Präsident Trump daran zu arbeiten, einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Wir wissen es wirklich zu schätzen, wie viel Amerika getan hat, um der Ukraine zu helfen“, habe Selenskyj geschrieben. Womöglich bezog er sich auf einen Post beim Twitter-Nachfolger X, in dem der Ukrainer als erste Schritte die Freilassung von Gefangenen und einen Waffenstillstand im Himmel wie auf See in den Raum stellte.
Trump verwies in seiner Rede auch auf „ernsthafte Gespräche mit Russland“, in denen er „starke Signale erhalten“ habe, „dass sie bereit für Frieden sind“. Nach diesen Schilderungen fragte er in den Raum: „Wäre das nicht wunderbar?“ Frieden nach mehr als drei Jahren Blutvergießen und Zerstörung – auf Initiative eines Politikers, für den immer und überall das Recht des Stärkeren zu gelten scheint.
Erneute Annäherung zwischen Washington und Kiew? US-Präsident Donald Trump (l.) sieht nach einem Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beste Aussichten auf einen Frieden.
Trump hätte jedenfalls ein weiteres Wahlversprechen eingelöst und in der Welt-Politik noch mehr an Gewicht gewonnen. „Es ist an der Zeit, diesen Wahnsinn zu beenden. Es ist an der Zeit, das Töten zu beenden. Es ist an der Zeit, den sinnlosen Krieg zu beenden“, beschloss er das Thema.
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Unklar bleibt, wie ein Frieden zwischen Russland und der Ukraine aussehen könnte und wie dieser abgesichert wird. Im Raum steht weiter die Entsendung von Friedenstruppen, wofür sich Trump schon zuvor ausdrücklich nicht bereit erklärte.
Fraglich erscheint auch, ob Putin Truppen von Nato-Staaten in der Region dulden würde – denn bei allen Ausführungen Trumps schwingt immer mit, dass er den Kreml-Chef keinesfalls brüskieren will. Ihm scheint vielmehr eine Annäherung zwischen Washington und Moskau vorzuschweben. So scheinen auch etwaige Sicherheitsgarantien für Kiew keine Option zu sein – auch wenn Selenskyj diese Hoffnung in seinem Tweet einmal mehr zum Ausdruck brachte.
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Friedensverhandlungen zwischen Russland und Ukraine: Lukaschenko bietet Minsk als Ort an
Auch der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko, Putins wichtigster Verbündeter in Europa, sucht den Schulterschluss zu Trump. Er lobte dessen Engagement, um Kriege zu beenden – was auch den Nahost-Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas einschließen dürfte. Zudem regte er in einem Interview mit einem Blogger an, Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine könnten in Minsk abgehalten werden.
Frankreichs Regierungssprecherin Sophie Primas sagte derweil dem Fernsehsender LCI: „Wir haben einen Waffenstillstand vorgeschlagen.“ Es gehe darum, „die Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine wiederherzustellen“.
Demonstrativer Schulterschluss: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer bemühen sich um einen nachhaltigen Frieden für die Ukraine um Präsident Wolodymyr Selenskyj (v.r.).
Laut Emmanuel Macron treten die Grande Nation und Großbritannien für eine teilweise Waffenruhe über einen Monat ein. Der britische Verteidigungsminister John Healey will bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen Pete Hegseth in Washington über einen Friedensplan sprechen. Deutlich wird bei all dem jedoch, dass die Europäer das Ruder nicht selbst in der Hand zu haben scheinen, sondern allenfalls auf Trumps Kurs reagieren können. (mg)