Nach Revolte in Russland

Nur 200 Kilometer von der Ukraine entfernt: Bilder zeigen neues Lager der Wagner-Söldner

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Es ist unklar, welche Rolle die Wagner-Gruppe künftig im Ukraine-Krieg spielen wird. In Belarus schlagen die Söldner nun aber offenbar ein Lager auf.

Tsel – Nach dem bewaffneten Aufstand der Wagner-Söldner in Russland ist noch immer unklar, wie es mit der Privatmiliz weitergeht. Während der Kreml in den vergangenen Wochen forderte, dass sich die Kämpfer offiziell der russischen Armee anschließen, folgen einige Söldner offenbar ihrem Chef Jewgeni Prigoschin ins belarussische Exil. Dies sollen Satellitenbilder des Unternehmens Planet Labs zeigen.

Die Aufnahmen zeigen einen bis vor Kurzem verlassenen Militärstützpunkt beim Ort Tsel Mahiljou, knapp 90 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Minsk. Waren die Plätze rund um das Gebäude am vergangenen Samstag (24. Juni) noch leer, sollen Fotos vom Dienstag (27. Juni) hingegen ein improvisiertes Lager offenbaren.

Wagner-Söldner in Belarus: Lukaschenko will im Ukraine-Krieg „helfen, wo wir können“

„Größe, Farbe und Anordnung der Strukturen ähneln anderen militärischen Zeltlagern, die seit Anfang 2022 in Russland und Belarus errichtet wurden“, heißt es in einem Bericht der New York Times. Auch das ukrainische Portal hromadske kam zu diesem Entschluss. Statt eines Lagers könnten die Aufnahmen jedoch auch Ausrüstung der Wagner-Gruppe zeigen.

Tatsächlich hatte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko der Wagner-Gruppe bereits einen Unterschlupf auf seinem Territorium empfohlen. „Wir haben ihnen einen der verlassenen Stützpunkte angeboten. Es gibt einen Zaun, alles ist da, nur zu, stellen Sie Zelte auf“, sagte der 68-Jährige. „Wir werden helfen, wo wir können“, fügte er hinzu. Offiziell bestätigte er die Existenz des Lagers in Tsel – welches etwa 200 Kilometer von der Ukraine entfernt liegt – allerdings nicht.

Wagner-Söldner hissen ihre Flagge über der erkämpften ukrainischen Stadt Bachmut. (Archivfoto)

Ehemaliger Militärstützpunkt in Belarus: Laut den USA kein dauerhaftes Wagner-Lager

Schon am Montag (26. Juni) berichtete das russische Medium Verstka, die Wagner-Gruppe schlage nahe der Stadt Assipowitschy ein Lager auf – der Ort ist rund 20 Kilometer vom Dorf Tsel entfernt. Der New York Times zufolge befindet sich auf dem ehemaligen Militärgelände in Belarus unter anderen ein Munitionslager sowie ein Übungsplatz. Früher sei der Stützpunkt von der 465. belarussischen Raketenbrigade genutzt worden, ehe der Ort 2018 aufgegeben wurde.

Nach Einschätzung von Analystinnen und Analysten der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) stellt der Standort des Stützpunktes keine unmittelbare Bedrohung für die Ukraine dar. Die Einrichtung neuer Stützpunkte der Wagner-Gruppe in den Oblasten Gomel oder Brest an der Grenze zur Ukraine wäre weitaus alarmierender, so das ISW.

Laut dem Pentagon lassen sich diese Berichte bislang jedoch nicht bestätigen. Man habe keine Informationen über ein dauerhaftes Wagner-Lager in Belarus, sagte Pat Ryder, Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, auf einer Pressekonferenz. Es sei noch zu früh, zu sagen, welche Funktion die Gruppe im weiteren Kriegsgeschehen übernehmen werde. (nak)

Rubriklistenbild: © Ivan Rodionov/Imago

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