Schoigu bald entlassen?

Nach Putschversuch: Putin plant die Säuberung der Militärführung

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Nach dem gescheiterten Putsch der Wagner-Gruppe um Prigoschin steht der russischen Militärführung wohl ein Umbruch bevor. Namen kursieren bereits.

Moskau – Nach dem Putschversuch der Söldnergruppe Wagner des nach Belarus exilierten Chefs Jewgeni Prigoschin versucht der Kreml alles, um die Brisanz herunterspielen. Kremlchef Wladimir Putin hält im TV eine Rede nach der anderen. Er erweckt den Eindruck, dass der Aufstand ohnehin zerschlagen worden wäre, verblüfft aber auch mit Lob für die Wagner-Söldner.

Doch hinter den Kulissen scheint es in Russland zu rumoren. Das behaupten zumindest russische Militärblogger. Sie erwarten, dass die Militärführung entscheidend umgebildet wird. Womöglich betreffe es auch die Sicherheitsdienste, die auf den Wagner-Aufstand unzureichend vorbereitet waren.

Nach Putsch der Wagner-Gruppe: Tauscht Putin nun führende Militärs aus?

Der bekannte Blog Rybar schrieb am Mittwoch, dass eine Säuberung bereits im Gange sei und Kommandeure mittleren Dienstgrades betreffe. Vorrangig jene, die sich geweigert hätten, auf Mitglieder der Wagner-Gruppe zu schießen. Weiter behauptet er, dass Vertreter des FSO, dem Schutzdienst der russischen Regierung und des Präsidenten, schon gegen militärische Führungsleute und Kommandeure ermitteln. Seine Aussagen lassen sich nicht überprüfen.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Eine der drängendsten Fragen dürfte die Rolle des Kommandeurs der russischen Luftwaffe beim Wagner-Putsch sein. Laut New York Times, die sich auf US-Geheimdienste bezieht, soll General Sergej Surowikin von Prigoschins Aufstandplänen gewusst haben. Zwar tat der Kreml die Meldung als Spekulation ab, doch der unabhängigen Internetzeitung Moscow Times zufolge soll Surowikin inzwischen verhaftet worden sein.

Was wusste Surowikin über den Wagner-Putsch? General offenbar verhaftet

Surowikin gilt als Vertrauter Prigoschins. Gleichwohl war es der Top-General, der den Wagner-Chef kurz nach dem Putschversuch zu Loyalität aufgefordert hatte. Mark Galeotti, Hauptdirektor des in London ansässigen Unternehmens Mayak Intelligence, das auf Russland spezialisiert ist, schrieb, dass Wladimir Putin eine mutmaßliche Mitschuld nutzen könnte, um Surowikins Rückkehr zu erschweren. Derzeit ist sein Aufenthaltsort unklar.

Könnten nach dem Wagner-Putsch ihre Jobs bald los sein: General Sergej Surowikin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Ebenfalls im Fokus stehen Verteidigungsminister Sergej Schoigu und der Oberbefehlshaber der russischen Truppen im Ukraine-Krieg, Waleri Gerassimow. Der Blogger Rybar behauptet etwa, dass das Oberkommando längst in anderen Händen liegt. Gerassimow soll die Führung zwar formal noch innehaben, praktisch führe aber Generaloberst Michail Teplinsky, Befehlshaber der Luftlandetruppen, den Krieg führen.

Prigoschin forderte es stets: Verteidigungsminister Schoigu könnte ausgetauscht werden

Und Schoigu? Der Verteidigungsminister, dem Putin bislang immer die Stange hielt, war während des Wagner-Aufstands nicht präsent. Erst Tage danach veröffentlichte das Verteidigungsministerium ein zweifelhaftes Video, das Schoigu bei einem Truppenbesuch zeigt. Militärblogger bezeichneten den Clip als „Konserve“. Prigoschin hatte immer wieder dessen Ablösung gefordert.

Die könnte jetzt sogar bevorstehen. In Russland hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Putin seinen engen Vertrauten nun doch fallen lassen könnte. Als Nachfolger soll Schoigus Vize und Gouverneur der Oblast Tula, Alexei Djumin, im Gespräch sein. Djumin ist ein ehemaliger Sicherheitsagent des Kremls und diente Putin als Leibwächter. (mt)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Gavriil Grigorov

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