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Nach dem gescheiterten Putsch der Wagner-Gruppe um Prigoschin steht der russischen Militärführung wohl ein Umbruch bevor. Namen kursieren bereits.
Moskau – Nach dem Putschversuch der Söldnergruppe Wagner des nach Belarus exilierten Chefs Jewgeni Prigoschin versucht der Kreml alles, um die Brisanz herunterspielen. Kremlchef Wladimir Putin hält im TV eine Rede nach der anderen. Er erweckt den Eindruck, dass der Aufstand ohnehin zerschlagen worden wäre, verblüfft aber auch mit Lob für die Wagner-Söldner.
Doch hinter den Kulissen scheint es in Russland zu rumoren. Das behaupten zumindest russische Militärblogger. Sie erwarten, dass die Militärführung entscheidend umgebildet wird. Womöglich betreffe es auch die Sicherheitsdienste, die auf den Wagner-Aufstand unzureichend vorbereitet waren.
Nach Putsch der Wagner-Gruppe: Tauscht Putin nun führende Militärs aus?
Der bekannte Blog Rybar schrieb am Mittwoch, dass eine Säuberung bereits im Gange sei und Kommandeure mittleren Dienstgrades betreffe. Vorrangig jene, die sich geweigert hätten, auf Mitglieder der Wagner-Gruppe zu schießen. Weiter behauptet er, dass Vertreter des FSO, dem Schutzdienst der russischen Regierung und des Präsidenten, schon gegen militärische Führungsleute und Kommandeure ermitteln. Seine Aussagen lassen sich nicht überprüfen.
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland




Eine der drängendsten Fragen dürfte die Rolle des Kommandeurs der russischen Luftwaffe beim Wagner-Putsch sein. Laut New York Times, die sich auf US-Geheimdienste bezieht, soll General Sergej Surowikin von Prigoschins Aufstandplänen gewusst haben. Zwar tat der Kreml die Meldung als Spekulation ab, doch der unabhängigen Internetzeitung Moscow Times zufolge soll Surowikin inzwischen verhaftet worden sein.
Was wusste Surowikin über den Wagner-Putsch? General offenbar verhaftet
Surowikin gilt als Vertrauter Prigoschins. Gleichwohl war es der Top-General, der den Wagner-Chef kurz nach dem Putschversuch zu Loyalität aufgefordert hatte. Mark Galeotti, Hauptdirektor des in London ansässigen Unternehmens Mayak Intelligence, das auf Russland spezialisiert ist, schrieb, dass Wladimir Putin eine mutmaßliche Mitschuld nutzen könnte, um Surowikins Rückkehr zu erschweren. Derzeit ist sein Aufenthaltsort unklar.
Ebenfalls im Fokus stehen Verteidigungsminister Sergej Schoigu und der Oberbefehlshaber der russischen Truppen im Ukraine-Krieg, Waleri Gerassimow. Der Blogger Rybar behauptet etwa, dass das Oberkommando längst in anderen Händen liegt. Gerassimow soll die Führung zwar formal noch innehaben, praktisch führe aber Generaloberst Michail Teplinsky, Befehlshaber der Luftlandetruppen, den Krieg führen.
Prigoschin forderte es stets: Verteidigungsminister Schoigu könnte ausgetauscht werden
Und Schoigu? Der Verteidigungsminister, dem Putin bislang immer die Stange hielt, war während des Wagner-Aufstands nicht präsent. Erst Tage danach veröffentlichte das Verteidigungsministerium ein zweifelhaftes Video, das Schoigu bei einem Truppenbesuch zeigt. Militärblogger bezeichneten den Clip als „Konserve“. Prigoschin hatte immer wieder dessen Ablösung gefordert.
Die könnte jetzt sogar bevorstehen. In Russland hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Putin seinen engen Vertrauten nun doch fallen lassen könnte. Als Nachfolger soll Schoigus Vize und Gouverneur der Oblast Tula, Alexei Djumin, im Gespräch sein. Djumin ist ein ehemaliger Sicherheitsagent des Kremls und diente Putin als Leibwächter. (mt)
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