Die USA und die Afrikanische Union (AU) engagieren sich weiterhin für ein sofortiges Ende der Kämpfe im Sudan und ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe.
Washington - US-Außenminister Antony Blinken sprach am Mittwoch (Ortszeit) mit dem Vorsitzenden der AU-Kommission, Moussa Faki Mahamat, über die Zusammenarbeit zwischen den USA und der AU, wie das Ministerium mitteilte. Ziel sei es, eine dauerhafte Einstellung der seit knapp zwei Wochen andauernden Kämpfe in dem nordostafrikanischen Land zu erreichen. Beide seien sich einig, dass die AU dabei weiterhin eine führende Rolle spielen müsse.
Im Sudan kämpft de-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan mithilfe des Militärs gegen seinen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo. Dieser ist Anführer der einflussreichen paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF).
Trotz einer Waffenruhe kam es auch in der Nacht zum Donnerstag in Teilen des Landes erneut zu Gefechten. Bei den Kämpfen kamen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher mindestens 460 Menschen ums Leben, fast 4100 wurden verletzt. Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte aber deutlich höher liegen. Diverse Länder, darunter auch Deutschland, brachten bereits Hunderte eigene Staatsbürger und Menschen aus anderen Ländern in Sicherheit.
Frankreich holt 398 Menschen per Schiff aus dem Sudan
Paris - Frankreich hat 398 Menschen per Schiff aus dem umkämpften Sudan evakuiert. Darunter befanden sich neben fünf Franzosen auch Deutsche sowie Menschen aus insgesamt 50 Nationen, teilte das Außenministerium in Paris am Donnerstag mit. Eine Fregatte der Marine brachte die Menschen von der Hafenstadt Port Sudan nach Dschidda in Saudi-Arabien. Seit dem Start der Evakuierungseinsätze habe die französische Armee 936 Menschen aus dem Sudan herausgeholt, darunter 214 Franzosen. Im nordostafrikanischen Sudan brachen vor knapp zwei Wochen schwere Kämpfe zwischen Paramilitärs und Regierungstruppen aus.
Deutsche Sudan-Evakuierung verzögert? London weist Vorwürfe zurück
London/Berlin - Das britische Verteidigungsministerium hat Vorwürfe zurückgewiesen, die deutsche Evakuierungsmission im Sudan durch eigenwilliges Vorgehen verzögert zu haben. Die BBC hatte zuvor unter Berufung auf hochrangige Quellen in der deutschen Politik berichtet, das britische Militär sei am Wochenende ohne Zustimmung der sudanesischen Armee auf dem Flugfeld nahe der Hauptstadt Khartum gelandet. Das habe die Gastgeber so verärgert, dass sie den Zugang zunächst gesperrt hätten, so der Bericht. Dadurch sei ein halber Tag verloren gegangen.
«Es ist nicht korrekt, nahezulegen, dass die britischen Bemühungen, vergangenes Wochenende Botschaftsmitarbeiter zu evakuieren, die deutschen Pläne verlangsamt haben», hieß es am Donnerstag in einer Stellungnahme des Verteidigungsministeriums in London. Man habe «extrem eng» mit den französischen, US-amerikanischen und besonders deutschen Partnern zusammengearbeitet und sei den sudanesischen Streitkräften dankbar. Unter der Hand wurden die Vorwürfe in London als «kompletter Unsinn» bezeichnet. Man habe wohl eine Erlaubnis der sudanesischen Armee gehabt, hieß es in Verteidigungskreisen.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Außenministerin Annalena Baerbock auf ein unterschiedliches Vorgehen einzelner Nationen hingewiesen. Die USA hätten von ihrer stärkeren Präsenz in der Region profitiert, sagte er. «Und die Briten waren letztlich so früh, weil sie sich, wie soll ich das formulieren, diplomatisch über das hinweggesetzt haben, was die Sudanesen vorgegeben haben.»
Während die deutsche Evakuierungsmission bereits vorerst beendet wurde, waren auch am Donnerstag noch britische Flüge von Khartum geplant. Großbritanniens Außenminister James Cleverly warnte jedoch, es sei nicht sicher, ob Flüge über das Ende des 72-stündigen Waffenstillstands am Donnerstagabend hinaus fortgeführt werden könnten. (dpa)