VonStephanie Munkschließen
Viktor Orbán hat das Who‘s Who der Rechtaußen-Politik Europas für ein Video zusammengetrommelt. Weidel, Kickl, Meloni und Le Pen machen Wahlkampf für ihn.
Budapest – Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán steht vor einer harten Wahl: Am 12. April wählen die Ungarn ein neues Parlament und Orbáns Fidesz-Partei, die seit 15 Jahren regiert, könnte verlieren. Die Tisza-Partei, die vom früheren Orbán-Verbündeten Péter Magyar angeführt wird, liegt derzeit bei rund 45 Prozent Zustimmung, Orbáns Partei bei 42 Prozent.
Um die Ungarn doch noch für sich zu gewinnen, hat Orbán die führenden nationalpopulistischen Politiker Europas zusammengetrommelt. Sie alle sprechen, untermalt von dramatischer Musik, Huldigungen für Orbán in die Kameras, und betonen, dass Ungarn und Europa Orbán brauchen. Viktor Orbán lud das Video am Montag (12. Januar) auf seinem Instagram-Account hoch.
Schlüsselfiguren von Europas Rechtaußen-Politik werben für Orbán – auch Alice Weidel (AfD)
In ihren jeweiligen Landessprachen oder auf Englisch sagt das Who is Who der europäischen Rechtsaußen-Elite Wahlsprüche für Orbán in die Kamera. Mit dabei: Schlüsselfiguren der nationalkonservativen bis rechtsextremen Politik-Szene in Europa:
- Alice Weidel, Chefin der deutschen AfD
- Marine Le Pen vom Rassemblement National in Frankreich
- Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin Italiens
- Melonis Stellvertreter Matteo Salvini von der Lega
- Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident in Israel
- Österreichs FPÖ-Chef Herbert Kickl
- Serbiens Präsident Aleksandar Vučić
- Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš
- Spaniens Vox-Chef Santiago Abascal.
Auch von Übersee hat sich Orbán Wahlkampfhilfe für den 12. April geholt: Argentiniens Präsident Javier Milei liest einen lobenden Spruch für den Ungarn vom Blatt ab. Der US-amerikanische Schauspieler und Trump-Unterstützer Rob Schneider sagt ebenfalls Lobendes über Orbán in die Kamera.
Weidel lobt Orbáns Migrationskurs und Haltung zum Ukraine-Krieg
Die Vorsitzende der in Teilen rechtsextremen AfD, Alice Weidel, sagt in dem Video über Orbán: „Damals hat er sich mutig vor zehn Jahren gegen die Massenmigration gestemmt, heute setzt er sich für den Frieden in der Ukraine und für Europa ein.“ Bereits vor rund einem Jahr lobte die AfD-Chefin Orbán bei einem Besuch in Budapest als großes Vorbild: Für den Fall einer AfD-Regierungsbeteiligung kündigte sie an: „Wir werden dem Pfad von Ungarn, unserem großen Vorbild, folgen.“
Schüler demonstrieren trotz Verbot gegen AfD-Jugend in Gießen – die Fotos vom Protest




Viktor Orbán stand während der Flüchtlingskrise 2015, als wegen des syrischen Bürgerkriegs viele Asylsuchende nach Europa kamen, wegen seiner harten Haltung und seiner Alleingänge in der Kritik. Orbán ließ an der Grenze zu Serbien einen 175 Kilometer langen Grenzzaun errichten. Am Bahnhof in Budapest spielten sich chaotische Szenen ab.
Orbán wiederum warf der EU damals eine „verfehlte Einwanderungspolitik“ vor. Ungarns nationalkonservativer Premier nannte die Flüchtlingskrise damals ein „rein deutsches Problem“. Die Asylsuchenden wollten gar nicht in Ländern wie Ungarn oder Polen bleiben.
Die politische Karriere von Viktor Orbán
| 1988 | Mitgründung der Fidesz-Partei |
| 1998-2002 | Erste Amtszeit als Ministerpräsident (jüngster Premierminister Europas mit 35) |
| 2010-heute | Zweite Amtszeit als Ministerpräsident, Umbau Ungarns zu illiberaler Demokratie |
| 2021 | Fidesz verlässt Europäische Volkspartei (EVP) |
| 2026 | Parlamentswahl in Ungarn am 12. April |
FPÖ-Chef Kickl vor Wahl am 12. April: Ungarn braucht Viktor Orbán
Orbán selbst hat sein Volk vor wenigen Tagen dazu ermahnt, bei der Wahl für ihn zu stimmen, wolle es nicht in den Ukraine-Krieg hineingezogen werden. „Wir wollen keine ungarische Jugend an die Front schicken und wir wollen weder das Land noch die ungarische Wirtschaft zerstören.“
Der Chef der deutschnationalen, rechtspopulistischen Partei FPÖ in Österreich, Herbert Kickl, erklärt in dem Wahlkampf-Video auf Instagram: „Es ist die Aufgabe von uns, die Bedürfnisse der Bevölkerung in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen. Viktor Orbán tut genau das. Ungarn braucht ihn.“
Orban blockierte einige Vorhaben der EU zu Ukraine und Russland
Anders als die Rechtsaußen-Elite Europas wären andere wohl froh, wenn Orbán am 12. April 2026 bei der Parlamentswahl abgewählt würde. Orbán blockierte wiederholt EU-Vorhaben wie die Unterstützung der Ukraine, Sanktionen gegen Russland und die Stärkung von LGBTQ+-Rechten.
Die konkurrierende Tisza-Partei gilt als konservative Partei der Mitte mit einer proeuropäischen und liberalen Ausrichtung. Deren Chef Péter Magyar (45) gehörte einst auch der Fidesz-Partei, trat aber aus, nachdem die Vertuschung von Missbrauchsfällen in einem Kinderheim unter Mithilfe von Ungarns Präsidentin Katalin Novak bekannt geworden war. Große Bekanntheit erreichte Magyar, als er 2024 zu Demonstrationen gegen Korruption in der Regierung in Budapest aufrief. Über 100.000 Teilnehmer kamen damals laut FAZ.
Orbán wird Wahlniederlage vielleicht nicht akzeptieren – Pläne für Präsidentenamt
Experten in Budapest rechneten mit dem Widerstand Orbáns, sollte er seine erste Wahl seit zwei Jahrzehnten verlieren. Orbán plant laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg bei einer möglichen Wahlniederlage seiner Fidesz-Partei den Wechsel ins Präsidentenamt. Dort könnte er versuchen, die Gesetzgebung zu ändern, um die präsidialen Befugnisse auszuweiten. Ähnliche Entwicklungen gab es bereits in der Türkei und Russland.
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