Streit um Umweltschutz

Kohle-Tagebau verdrängt Windräder – „An Absurdität nicht zu überbieten“

+
Windkraft gegen Braunkohle: Wegen der Ausbreitung des Tagebaus müssen jetzt in Lützerath die Windräder weichen.
  • schließen

Der Braunkohle-Tagebau Garzweiler verdrängt acht Windräder. Umweltschützer sind entsetzt. Tatsächlich geht der Regierung beim Ausbau der Erneuerbaren die Puste aus.

Berlin/Erkelenz – Fossile Energie statt Erneuerbare: Wegen des Vorrückens vom Braunkohletagebau Garzweiler werden derzeit acht Windräder abgerissen. Bei Umweltschützern stieß das Vorgehen der Politik auf harsche Proteste. „Dass mitten in der Klima- und Energiekrise Windräder für die Erweiterung eines Kohletagebaus abgerissen werden, ist an Absurdität nicht zu überbieten“, zeigte sich Alexandra Brüne von der Initiative „Alle Dörfer“ in einer Mitteilung entsetzt und kritisierte die Wirtschaftsminister in Bund und Land für ihren „Hinterzimmerdeal“. Tatsächlich ist die Skepsis an den Ausbauzielen der Bundesregierung in Sachen Windkraft groß.

Streit um Windräder: Braunkohle-Tagebau verdrängt Erneuerbare Energien – Wut auf Habeck wächst

Die Auseinandersetzung um die Windräder ist Teil eines langjährigen Streits. Die Anlagen stehen einige Hundert Meter westlich vom Weiler Lützerath. Trotz des Kohleausstiegs bis zum Jahr 2030 soll das Dorf dem Braunkohletagebau Garzweiler noch weichen. Fünf andere Ortschaften sollen bestehen bleiben und gerettet werden. Auf diesen Kompromiss hatte sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mit dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Energiekonzern RWE geeinigt.

Braunkohle-Ausstieg: RWE schafft in Lützerath nun Fakten und baut Windrad ab

Nach der Einigung mit Bund und Land hat RWE in Lützerath nun Nägel mit Köpfen gemacht. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Energieversorger das erste von acht Windrädern abgebaut. Die übrigen sieben sollen dann im Laufe des kommenden Jahres demontiert werden. Als die Anlagen 2001 in Betrieb gegangen seien, sei klar gewesen, dass eines Tages der Tagebau kommen werde, verteidigte ein Konzernsprecher das Vorgehen auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Doch bei den betroffenen Bewohnern in der Region und bei Umweltschützern regt sich Protest. So kündigte die Initiative „Alle Dörfer“ Widerstand gegen die drohende Zwangsräumung an und warf der Bundesregierung eine „Rolle rückwärts“ beim Klimaschutz vor. Statt endlich den Verbrauch von fossiler Energie zu drosseln, setze die Ampel-Koalition weiter auf Braunkohle. Allein der Abriss der acht Windkraftanlagen sei derzeit noch überhaupt nicht notwendig, kritisierte Sprecherin Brüne.

Tatsächlich scheint die Ampel-Koalition von Kanzler Olaf Scholz (SPD) in einer Zwickmühle zu stecken. Eigentlich wollten SPD, FDP und Grüne den Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigen, doch durch den von Russland angezettelten Ukraine-Krieg geriet der Energiemarkt in Turbulenzen. Wegen der hohen Preise für Strom und Gas muss Bundeswirtschaftsminister Habeck kurzfristig auf Braunkohle und Atomstrom setzen, während ein Rentner bereits ein Windrad neu erfunden hat. Dennoch betonte er stets, dass dadurch die mittelfristigen Ziele und der Umstieg auf die Erneuerbaren Energien nicht aus den Augen verloren werde.

Windenergie: Robert Habeck will Tempo beim Ausbau der Windräder steigern – doch mit Erfolg?

In der Theorie sollen in allen Bundesländern bis spätestens zum Jahr 2032 zwei Prozent der Landesfläche für den Ausbau der Windenergie ausgewiesen werden. Doch in der Praxis sieht die Realität derzeit noch anders aus. Während einige Bundesländer forsch voranschreiten, streiten sich andere noch mit Habeck um den genauen Ausbaupfad. Vor allem in Bayern ist der Widerstand gegen die Windenergie noch enorm. Insgesamt droht Deutschland seine Ziele zu verfehlen.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Bei der jüngsten Versteigerung von Windparklizenzen durch den Staat blieben mehr als 40 Prozent des Angebots liegen. So würden dieses Jahr nur Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von gut 200 Megawatt zugebaut werden. Nötig, so hieß es, wären 10.000 Megawatt.

Kommentare