Abstimmung am Dienstag

„Nicht zustimmungsfähig“: Junge Gruppe lehnt Renten-Paket weiter ab – SPD-Chefin zählt Koalition an

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Die Zitterpartie für Merz und Spahn geht weiter: Zwar soll der Renten-Widerstand der Jungen Gruppe bröckeln. Der Chef der Jungen Union bekräftigt jedoch seine Ablehnung.

Update, 15:24 Uhr: In einem fünfseitigen Papier hat die Junge Gruppe der Unions-Fraktion ihre Position beim Thema Rente bekräftigt: „Als Junge Gruppe halten wir das Rentenpaket für nicht zustimmungsfähig. Dabei bleibt es“, heißt es in dem Papier, das der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media vorliegt.

Die staatspolitische Verantwortung der Abgeordneten umfasse „Rücksicht auf den Koalitionsfrieden und die weitere Regierungsarbeit in anderen wichtigen Politikfeldern und die Bewertung des Erreichten“. Die Verantwortung umfasse jedoch ebenso „die finanzielle Stabilität und die sich daraus ergebende Handlungsfähigkeit unseres Landes in den 2030er-Jahren nicht außer Acht zu lassen“. Jedes Mitglied würde nun Argumente abwägen und eine Entscheidung treffen, heißt es mit Blick auf die für diese Woche geplante Abstimmung über das Renten-Paket.

Renten-Paket: Bas knüpft Fortbestehen der Regierungskoalition an erfolgreiche Abstimmung

Arbeitsministerin Bärbel Bas erhöhte unterdessen noch einmal explizit den Druck und knüpfte das Fortbestehen der Regierungskoalition an eine erfolgreiche Abstimmung zum Rentenpaket. Sie sei optimistisch, dass es in dieser Woche gelinge, das Rentenpaket zu beschließen, sagte Bas in Brüssel. „Das ist wichtig, insbesondere natürlich für den Fortbestand der Koalition, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass wir kaum noch andere Gesetzgebungen, wenn das jetzt scheitert, durchs Parlament bringen.“

Union vor Renten-Showdown: JU-Chef Winkel bleibt laut Linnemann bei Nein

Update vom 1. Dezember, 14:46 Uhr: Während Unions-Spitzen weiter um die Zustimmung der Jungen Gruppe für das Renten-Paket ringen, hat sich einer der Abgeordneten wohl bereits entschieden: Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, bleibt bei seiner Ablehnung, wie CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur zufolge erklärt hat.

Demnach habe Winkel in der heutigen CDU-Vorstandssitzung sein Nein zum Rentenpaket in seiner jetzigen Form bekräftigt. Der CDU-Abgeordnete habe „sein Abstimmungsverhalten deutlich gemacht, dass er dem so nicht zustimmen kann“, sagte Linnemann bei einer Pressekonferenz nach der Vorstandssitzung in Berlin.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Johannes Winkel, Bundesvorsitzender Jungen Union und Mitglied Junge Gruppe der CDU-CSU-Bundestagsfraktion.

Ob eine Mehrheit für das Renten-Paket steht, soll sich am Dienstag klären. Darauf verwies auch Linnemann: Wie viele Abweichler es insgesamt geben könnte, werde sich in der morgigen Sitzung der Bundestagsfraktion zeigen. Dort werde „einmal abgestimmt und dann geschaut“, sagte Linnemann. „Mehr weiß ich nicht.“

Aufatmen für Merz und Spahn? Renten-Widerstand der Jungen Gruppe bröckelt wohl

Erstmeldung: Berlin – Öffentlich äußern sich die Abgeordneten der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion noch nicht, aber im Hintergrund bahnt sich wohl eine mögliche Einigung an – der Widerstand soll bröckeln. Für Unions-Fraktionschef Jens Spahn und Kanzler Friedrich Merz (beide CDU) dürfte das ein Grund zum Aufatmen sein.

Spahn äußerte sich am Sonntagabend (30. November) in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ bereits vorsichtig zuversichtlich und erklärte auf die Frage, ob eine Mehrheit für das Renten-Paket in der kommenden Woche stünde: „Die Mehrheit ist im Werden.“ Und: „Das ist meine Aufgabe.“ Ob ihm die geglückt ist, scheint zwar noch nicht sicher, aber immerhin kommt wohl Bewegung in den bislang verfahrenen Streit um das Renten-Paket.

Bewegung im Renten-Streit: Junge Unions-Abgeordnete wägen ab – inhaltliche Ablehnung und Folgen

Wie die Bild-Zeitung berichtet, sei die Zahl der Abgeordneten, die das Renten-Paket im Bundestag ablehnen wollen, am Bröckeln. „Es werde aktuell beraten, wie man den Unmut über das Paket zum Ausdruck bringen könne, ohne die Koalition zu gefährden“, heißt es in dem Bericht. Ein Deal könne demnach sein: „Einige junge CDU-Abgeordnete stimmen doch mit Ja und geben eine persönliche Erklärung ab oder enthalten sich.“

Auch Karina Mößbauer, Chefkorrespondentin Politik von The Pioneer, berichtet in einem Post auf der Online-Plattform X, in der Jungen Gruppe würden viele nach wie vor abwägen: „Zwischen inhaltlicher Ablehnung und Folgen einer gescheiterten Abstimmung.“ Und: „Einige bleiben bei ihrem Nein, andere überlegen noch.“ Im Vergleich zu der deutlichen Ablehnung, die Abgeordnete der Jungen Gruppe im Renten-Streit in den vergangenen Wochen geäußert haben, klingt das schon nahezu versöhnlich.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Die jungen Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion stören sich in dem Paket an einem Punkt: Zwar akzeptieren sie ein Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031, lehnen wegen befürchteter Milliardenkosten aber ab, dass es auch danach noch höher angesetzt wird als nach jetziger Rechtslage. Und auch die Einigung der Unions- und SPD-Spitzen im Koalitionsausschuss in der vergangenen Woche änderte an der Haltung der Abgeordneten wohl zunächst nichts.

Junge Gruppe lehnte Renten-Kompromiss der Koalitionsspitzen ab – „bedauerlich“

Die Koalitionsspitzen hatten sich am Donnerstag darauf verständigt, das vorgesehene Rentengesetz mit einer Stabilisierung des Rentenniveaus unverändert im Bundestag beschließen zu lassen. In einem Begleittext sollen aber weitere Reformen in Aussicht gestellt werden, für die eine Expertenkommission zügig bis zum Sommer Vorschläge erarbeiten soll.

Für die Junge Gruppe stellte die Einigung keinen inhaltlichen Fortschritt dar, wie etwa Mößbauer am Freitag berichtete. „Für die Generationengerechtigkeit ist das kein Gewinn“, zitierte sie aus Kreisen der Jungen Gruppe: „Wir haben für einen Kompromiss in der Sache gekämpft. Es ist bedauerlich, dass ein solcher in der Koalition nicht durchsetzbar war.“

Spahn setzt im Renten-Streit auf Einzelgespräche: „Über Szenarien und Konsequenzen“

Auf die Einigung im Koalitionsausschuss am Donnerstag folgten diverse Gesprächsrunden – Fraktionssitzung sowie Einzelgespräche, wie etwa die FAZ berichtete. Abgeordnete der Jungen Gruppe beklagten gegenüber der Zeitung, sich dabei von Spahn unter Druck gesetzt gefühlt zu haben. Der Fraktionschef soll damit gedroht haben, sie bei künftigen Wahlen auf hintere Listenplätze zu verbannen.

Die Vorwürfe räumte auch Spahn am Sonntagabend nicht explizit aus: „Dass über Szenarien und Konsequenzen geredet wird, ist das Normalste“, sagte der frühere Gesundheitsminister auf eine entsprechende Frage. „Jede Entscheidung hat Folgen. Da kann sich keiner freimachen von diesen Folgen.“ Jedoch erklärte Spahn: Aus den Gesprächen sei „niemand eingeschüchtert gegangen“.

Spahn kündigt Renten-Entscheidung für Dienstag an – Abstimmung noch für diese Woche geplant

Der aktuelle Stand sei, dass viele Kritiker des Rentenpakets „sehr stark mit sich ringen“, erklärte Spahn in der ARD-Sendung. Am Montagvormittag tagen zunächst die Spitzengremien der CDU. Am Dienstag wolle die Unionsfraktion in ihrer Sitzung über ihr Stimmverhalten beim Rentenpaket entscheiden, kündigte der Fraktionschef an: „Dann ist die Erwartung da, dass am Ende alle der Mehrheit folgen.“

Und dann ist es wohl auch höchste Zeit für eine Entscheidung, denn: Die Abstimmung im Bundestag ist bisher bereits für diese Woche geplant. Ohne die Stimmen der 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion hat die Koalition aus SPD und Union im Bundestag keine sichere eigene Mehrheit. (Quellen: Bild, AFP, ARD, @K_Moessbauer) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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