- VonBettina Menzelschließen
Im Kampf gegen Russlands Minenfelder und Panzersperren will die Ukraine auf Kampfroboter setzen - auch, um das Leben ihrer Soldaten zu schützen.
Kiew – Der Westen ließ sich mit Waffenlieferungen Zeit, allein über die Frage der Kampfpanzerlieferungen debattierte man etwa ein Jahr. Russland konnte in der Zwischenzeit ein Bollwerk aus Minenfeldern und Panzersperren errichten.
Dadurch könnte nun die Bedeutung von Kampfrobotern im Ukraine-Krieg wachsen. Die Ukraine will etwa verletzte Soldaten mithilfe von unbemannten Bodenfahrzeugen (UGVs) retten – doch auch die Entwicklung von Robotern mit Waffensystemen spielt eine Rolle.
Ukraine gibt Kampfrobotern laut Vize-Verteidigungsminister nun Priorität
Schon seit kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges erzielt die Ukraine Erfolge mit unbemannten Luftfahrzeugen: 40 Prozent der russischen Verluste gingen auf ukrainische Drohnenangriffe zurück, berichtete zuletzt etwa die Kyiv Post. Nun sollen wohl auch am Boden vermehrt unbemannte Fahrzeuge zum Einsatz kommen.
Der ukrainische Vize-Verteidigungsminister, Wolodymyr Hawrylow, gab Anfang der Woche bekannt, die Ukraine gebe nun der Entwicklung von „Kampfrobotern“ - oder unbemannten Logistikplattformen zur Evakuierung verletzter Truppen - nun Priorität. Spätestens seit Juni treffen ukrainische Soldaten in der Gegenoffensive auf dem Weg in Richtung Melitopol, Berdjansk und Mariupol auf stark befestigte russische Stellungen.
Laut Hawrylow geht es vor allem um den Schutz von Menschenleben, bewaffnete UGVs seien zunächst zweitrangig. Als dritte Priorität nannte der Vize-Verteidigungsminister die Entwicklung von unbemannten und unbeweglichen Bodenfahrzeugen für die stationäre Verteidigung.
Experten gehen davon aus, dass UGVs die nächste Grenze in der militärischen Innovation darstellen, wie Reuters berichtete. „Es ist diese Art von Innovation auf dem Schlachtfeld in der Ukraine, die zu neuen Lösungen führen wird, die das langfristige Überleben im Kampf sichern können“, sagte Samuel Bendett vom „Center for a New American Security“ der Nachrichtenagentur über die UGV-Bemühungen Kiews. Ihren Einfallsreichtum stellt die Ukraine zuletzt immer wieder unter Beweis, etwa mit der Munitionsherstellung aus dem 3D-Drucker.
Ukraine-Krieg: Diese Bedeutung haben Kampfroboter - auch Russland mischt mit
Insbesondere die Evakuierung von Personen gilt als gefährliche Aufgabe - die sich mithilfe von unbemannten Fahrzeugen automatisiert bewältigen lässt, ohne weitere Soldaten in Gefahr zu bringen. „Moderne UGVs können eine Vielzahl von Aufgaben erfüllen, von der direkten Feuerunterstützung über die chemische, biologische, radiologische und nukleare Verteidigung bis hin zur Nachrichtengewinnung, Überwachung und Aufklärung“, hieß es in einer Analyse des Center for Strategic and International Studies (CSIS) aus dem April. Zudem würden bewaffnete UGVs „den ukrainischen Streitkräften helfen, die russische Infanterie zu bekämpfen“ und gleichzeitig „die Verluste auf ukrainischer Seite zu verringern“, schrieb das CSIS weiter.
Kampfroboter kommen bereits auf beiden Seiten der Front zum Einsatz – von modernsten Hightech-Geräten bis zu selbstgebauten Modellen. Kleinere unbemannte Bodenfahrzeuge, die etwa mit einer Mine ausgestattet werden können, schlagen einem Reuters-Bericht zufolge teilweise nur mit 800 US-Dollar (etwa 730 Euro) zu Buche und haben daher einen entscheidenden Kostenvorteil für die Ukraine. Neben Granatwerfern und Panzerabwehrwaffen können bewaffnete UGVs beispielsweise auch Maschinengewehre tragen, wie etwa ein Video des Modells RSVK-M2 Hunter zeigt.
Auf der Seite der Ukraine kämpft auch der Kamikaze-Robotor mit MON 200-Minenausstattung, der selbst leicht gepanzerte Fahrzeuge zerstören kann. Ebenso zum Einsatz kommen unter anderem der Raupenroboter Uran-6 zur Minenräumung oder der Gnom-Roboter von Temerland.
2022 gab das deutsche Verteidigungsministerium 14 unbemannte Bodenfahrzeuge THeMIS des estnischen Militärunternehmens Milrem Robotics in Auftrag, wovon sieben der Evakuierung von Verletzten dienen sollen. Russland nutzt indes laut dem Experten Samuel Bendett unter anderem Marker-UGVs, die bereits hohe KI- und Maschinenlernfähigkeiten unter Beweis stellen konnten und sich teilweise ohne Bediener kontrolliert fortbewegen.