Merz-Regierung mit Plänen

Aktivrente wirklich fix? Warum die Reform noch kippen kann

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Die Regierung um Kanzler Merz beschließt die Aktivrente – Experten warnen aber vor rechtlichen Risiken und sozialen Ungleichheiten. Kippt der Beschluss?

Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Einführung der Aktivrente am 15. Oktober 2025 beschlossen. Sie soll älteren Arbeitnehmern ermöglichen, auch über das Rentenalter hinaus zu arbeiten – mit steuerlichen Vorteilen und ohne dass Rentenabschläge fällig werden. Doch obwohl die Richtung bereits feststeht, könnte die Reform der Rente noch ins Wanken geraten. Fachleute und Verbände warnen vor rechtlichen und sozialen Problemen, die das Projekt erneut stoppen könnten. Was kann die Aktivrente platzen lassen?

Ist die Aktivrente jetzt wirklich fix? Die Renten-Reform kann noch kippen, Experten sprechen einige Punkte an. (Symbolfoto)

Von der Aktivrente wird nur begrenzte Wirkung erwartet

Die finanziellen Anreize allein reichen nicht, um ältere Beschäftigte wirklich länger im Job zu halten, erklärt DIW-Forscher Peter Haan gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wichtiger seien gute Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und die Gesundheit. Die Aktivrente ist zwar keine Steuerfalle, doch Abschläge werden dennoch fällig. Zudem bestünden verteilungspolitische und verfassungsrechtliche Fragen. Besonders kritisch sieht Haan, dass Selbstständige außen vor bleiben – das könne neue Ungerechtigkeiten schaffen.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft sieht Risiken. Laut IW könnte die steuerliche Begünstigung von angestellten Rentnern gegenüber Selbstständigen gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen. Eine Klage ist daher keineswegs ausgeschlossen. echo24.de berichtet genauer, welche Rentner von der Aktivrente profitieren würden.

Gewerkschaften sehen Aktivrente als teures Steuergeschenk

Die IG Metall lehnt die Aktivrente strikt ab. Sie sieht laut dpa in ihr ein kostspieliges Geschenk ohne spürbaren Beschäftigungseffekt. „Das bringt kaum zusätzliche Beschäftigung“, sondern vor allem Mitnahmeeffekte, kritisiert Sozialvorstand Hans‑Jürgen Urban. Dadurch werde der Steuer- und Verteilungsgerechtigkeit „schwerer Schaden zugefügt“.

Linke-Fraktionschef Sören Pellmann bezeichnete die Aktivrente als „Antwort der Union auf die Altersarmut“, „arbeitet doch länger und sorgt privat vor“. Auch aus der Wirtschaft kommen Vorbehalte. DIHK-Vize Achim Dercks mahnte, das Modell müsse bürokratiearm und für Unternehmen einfach umsetzbar bleiben.

Wie geht es mit der Aktivrente jetzt weiter?

Der Kabinettsbeschluss ist gefasst, doch bevor die Aktivrente tatsächlich greift, müssen auch Bundestag und Bundesrat zustimmen. Derzeit laufen noch rechtliche Prüfungen zur steuerlichen Gleichbehandlung. Sollte es hier Einsprüche geben, könnte die Umsetzung auf Anfang verschoben werden. Fest steht demnach: Das politische Ringen um die Aktivrente scheint noch nicht vorbei zu sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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