Einigung in Merz-Regierung

Neue Aktivrente wird keine Steuerfalle – aber hohe Abgaben drohen

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Mit der Aktivrente können Rentner ihren steuerfreien Verdienst erhöhen. Bestimmte Abgaben schmälern aber empfindlich das Nettoeinkommen der fleißigen Senioren.

Jetzt ist alles klar bei der sogenannten Aktivrente: Mit dem Beschäftigungs-Booster sollen Menschen im Rentenalter 2000 Euro im Monat steuerfrei dazuverdienen können. Wer die Regelaltersgrenze erreicht, soll bereits ab 1. Januar 2026 mit einer regulären Beschäftigung mehr Geld auf dem Konto haben. Das entsprechende Gesetz soll so schnell wie möglich beschlossen werden und notfalls rückwirkend zu diesem Datum in Kraft treten. Einige befürchteten im Vorfeld eine Steuerfalle. Diese scheint nun aber doch nicht zuzuschnappen. Dennoch drohen den fleißigen Senioren hohe Sozialabgaben!

Die neue Aktivrente ist steuerfrei – allerdings kürzen Sozialabgaben in Zukunft die Netto-Einnahmen von Rentnern, die weiterarbeiten.

Große Erleichterung bei Senioren: Steuerfalle bei neuer Aktivrente abgewendet

Seit Donnerstag, dem 9. Oktober, steht fest, dass nicht erst nach der Steuererklärung das Nettoeinkommen steigen sollen, sondern schon beim Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigt werden. Einen Progressionsvorbehalt bei der Steuer greift allerdings nicht. Heißt im Klartext: Ein höherer Hinzuverdienst führt nicht zu einem höheren Gesamtsteuersatz. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schaffte es hier offensichtlich, sich gegen seinen Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) durchzusetzen. Die Anpassung des ursprünglichen Entwurfs darf er als Erfolg der Union verbuchen.  

Für Arbeitseinkommen über der Regelaltersgrenze gilt ein klar definierter Steuerfreibetrag. Dieser steuerfreie Teil erhöht ausdrücklich nicht den Steuersatz für das restliche zu versteuernde Einkommen, wie steuertipps.de erklärt. Am Jahresende droht damit keine satte Steuernachzahlung. Es kommt richtig viel Netto fürs Brutto raus“, erklärt Finanztest-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen gegenüber dem MDR

Selbstständigen, Gewerbetreibenden, Beamten, Freiberuflern sowie Land- und Forstwirten nutzt das allerdings nichts, weil sie von der Aktivrente ausgeschlossen sind.

Mehr als 400 Euro weniger: Wie Sozialabgaben die Aktivrente empfindlich kürzen

Zusammengerechnet kann ein Alleinstehender im Jahr 2026 auf einen steuerfreien Verdienst von bis zu 36.348 Euro kommen: 24.000 Euro aus der Aktivrente plus 12.348 Euro Grundfreibetrag für die Rente, wie Telepolis erklärt. Allerdings zahlen die Aktivrentner auf ihre Zusatzeinkünfte Sozialabgaben, konkret Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Normalerweise zahlen Rentner den halben Satz des Krankenversicherungsbeitrags aus eigener Tasche. Aktivrentner dagegen tragen den vollen Satz zur Krankenversicherung selbst, sagt Finanzexperte Tenhagen dem MDR. Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung entfallen.

Dennoch bliebe bei erwerbstätigen Ruheständler von einer Aktivrente von 2000 Euro nach Abzug von Krankenversicherung, Pflegeversicherung und einem Zusatzbetrag von 2,5 Prozent nur 1586 Euro übrig, berechnet der MDR. Bei Kinderlosen wären es nochmal 12 Euro weniger, also dann 1574 Euro netto im Monat. Da der Zusatzbeitrag im kommenden Jahr wegen explodierender Krankenkassenkosten auf 2,9 Prozent zu steigen droht, würde sich das Netto weiter verringern.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Konstantin Postumitenko

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