Arbeitende Senioren

Neue Aktivrente: Diese Arbeitnehmer profitieren besonders von Rentenänderung

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Im Vergleich zu anderen Ruheständlern arbeiten besonders viele Grundrentner im Alter aus Geldnot weiter. Warum besonders diese Gruppe von der neuen Aktivrente profitieren könnte.

Gut fünf Prozent aller Rentner in Deutschland beziehen eine Grundrente. Das sind immerhin rund 1,4 Millionen Senioren, die in den Genuss des Zuschlags als Zeichen der Wertschätzung für ihre lange Beitragszeit von mindestens 33 Jahren kommen. Davon sind alleine 1,1 Millionen Frauen.

Gerade bei ihnen fällt das Extra-Geld ordentlich aus: Knapp über 100 Euro waren es im Jahr 2024 durchschnittlich im Monat, die auf ihre Altersbezüge oben draufkommen. Männer müssen mit einem Zuschlag von im Schnitt 82 Euro leben – exakt 20 Euro weniger, als die Damen zur Verfügung haben. So oder so reicht das Geld vielen im Alter nicht aus, weshalb sie weiter berufstätig bleiben – und insbesondere durch die neue Aktivrente besonders profitieren könnten.

Die neue Aktivrente bringt entscheidende Vorteile für erwerbstätige Senioren.

Überdurchschnittlich viele Grundrentner auf Arbeitsmarkt aktiv – aus einfachem Grund

„Viele Grundrentenberechtigte sind auch in der Altersrente noch erwerbstätig, zum überwiegenden Teil auf Minijob-Basis“, erklärt Peter Haan, Leiter der Abteilung Staat des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Zusammen mit anderen Ökonomen hat er sich Zahlen zu Grundrentnern angeschaut, die arbeiten. Zugrunde lagen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

Das Ergebnis fällt ziemlich eindeutig aus. In der Gruppe der 63- bis 74-jährigen Senioren, die eine Grundrente beziehen, waren im Jahr 2023 22 Prozent und damit mehr als jeder Fünfte erwerbstätig. Von denjenigen Ruheständlern ohne Grundrentenanspruch sind es hingegen nur 16 Prozent und damit gut jeder Sechste. Das DIW in Berlin liefert auch gleich die Erklärung für diese Zahlen-Diskrepanz mit. „Die hohe Erwerbstätigenquote deutet darauf hin, dass der Grundrentenzuschlag nicht ausreicht, um vor Einkommensarmut zu schützen“, so Wirtschaftsprofessor Haan, der auch an der Freien Universität Berlin (FU) unterrichtet.

Warum sich für viele Grundrentner die Aktivrente auszahlen könnte

Der Harken bei der Sache: Durch die Erwerbstätigkeit steigt ihr Einkommen, wodurch sie ihren Grundrentenanspruch verlieren könnten. Neben den 1,4 Millionen Grundrentenbeziehern gibt es weitere rund 1,3 theoretisch Anspruchsberechtigte, die den Zuschlag zur Rente aufgrund eines aktuellen zu hohen Einkommens beziehungsweise Partnereinkommen nicht auf dem Konto sehen. Damit gibt es zwar erstmals Grundrente für mehr als die Hälfte der Berechtigten. Für die Personen, die leer ausgehen, ist das aber nur ein schwacher Trost.

Um einen besseren Arbeitsanreiz zu schaffen, ist deshalb ein höherer Steuerfreibetrag auf das Erwerbseinkommen im Gespräch. Auch die Aktivrente, auf die sich die Merz-Regierung geeinigt hat, könnte den Grundrentnern hier zugutekommen. „Die Aktivrente, die Erwerbseinkommen von Rentner bis zu einem gewissen Betrag steuerfrei stellt, könnte für Grundrentenbezieher eine lohnende Option sein“, sagt DIW-Studienautor Johannes Geyer. 

Welche Grundrentner im Alter arbeiten – und welche nicht

Grundrentner in der Altersrente arbeiten laut der Studie vor allem dann, wenn sie im Jahr vor dem Renteneintritt berufstätig waren. Der Wert lag 2023 bei knapp 30 Prozent – 20 Prozent mehr, als bei den Grundrentnern, die beim Rentenbeginn nicht mehr gearbeitet haben. Wer frisch aus dem Beruf kommt, steht noch voll im Saft und besitzt „aktuelle Berufserfahrung“, wie das Wirtschaftsinstitut es beschreibt. Das macht diese Rentner attraktiver für den Arbeitsmarkt – und eine Weiterbeschäftigung wahrscheinlicher.

Rubriklistenbild: © Unai Huizi/Imago

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