Fleisch im Supermarkt

Preise ziehen an: Wurst und Schinken im Supermarkt viel teurer

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SB-Wurst vom Discounter wird immer teurer: Um durchschnittlich 24 Prozent hat der Einzelhandel die Preise im Jahr 2022 erhöht.
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Discounter haben die Preise für Wurst und Schinken mehrfach enorm angezogen. Im Einkauf ist das Fleisch für die Konzerne aber gar nicht so teuer geworden.

Kassel – Warum sind Schinken und Wurst gerade so teuer? Bei Aldi, Penny, Kaufland und anderen Discountern kosten verpackte Fleischwaren immer mehr. An den Preisen im Einkauf liegt das aber nicht. Die Konzerne kassieren ab.

Das zeigt eine Studie der Managementberatung Ebner Stolz, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Preise für Verbraucher schießen in die Höhe, obwohl die Discounter selbst gar nicht so viel mehr für die Produkte zahlen.

Wurst- und Schinkenhersteller erhöhen Preise seit März 2022 nicht – aber Supermärkte schlagen zu

In den letzten zwei Jahren ist verpackte Wurst um 24 Prozent teurer geworden, so der Bericht. Im März 2022 sprangen die Preise um eine zweistellige Prozentzahl, bis zum Jahresende zogen die Discounter durchschnittlich weitere viermal an.

Die Wurst- und Schinkenhersteller verzichteten derweil seit März auf erhebliche Preiserhöhungen. Die Mehreinnahmen wandern in die Tasche von Lidl, Netto und Co. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass der Schlachtpreis für Schweine seit März nicht mehr stark gestiegen ist.

MonatSchlachtpreis für Schweine
Januar1,27 Euro pro Kilo
Februar1,26 Euro pro Kilo
März1,90 Euro pro Kilo
April2,00 Euro pro Kilo
Mai1,85 Euro pro Kilo
Juni1,85 Euro pro Kilo
Juli 1,90 Euro pro Kilo
August1,90 Euro pro Kilo
September2,09 Euro pro Kilo
Oktober2,05 Euro pro Kilo
November1,95 Euro pro Kilo
Dezember1,95 Euro pro Kilo

„Es gibt nur einen Gewinner der Preissprünge: den Lebensmitteleinzelhandel“, sagte Studienautor Klaus-Martin Fischer dem Handelsblatt. Er hatte Einblicke in die Geschäftsberichte von elf großen Wurstproduzenten. „Die Preissteigerungen des Handels liegen deutlich über denen der vorgelagerten Stufen in der Wertschöpfungskette – und zwar erheblich.“

Warum wird Fleisch im Supermarkt immer teurer? Konzerne geben Mehrkosten an Kunden weiter

Aldi Süd, Lidl und Kaufland wollen die Preisgestaltung nicht kommentieren. Eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) legt eine Vermutung nahe. Die Einzelhändler haben die erhöhten Kosten durch die Energiekrise an die Kunden weitergegeben. Für Supermärkte ist nicht nur der Einkauf, sondern auch der laufende Betrieb teurer geworden.

Immerhin rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland jetzt mit dem Ende des Preistreibens. Die Händler hätten ihre Defizite ausgeglichen und Lieferengpässe, die seit Beginn des Ukraine-Konflikts entstanden sind, wurden geschlossen. „Sogar im Einzelhandel wollen mittlerweile weniger Unternehmen ihre Preise anheben. Allerdings sind die Preiserwartungen dort noch deutlich höher als in anderen Wirtschaftsbereichen“, heißt es von ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser zu der Preisstudie in einer Pressemitteilung. (moe)

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