VonJuliane Gutmannschließen
Ein britisches Forscherteam hat zwei Fragen entwickelt, die als Schlüssel zur Diagnose von Alkoholismus dienen können – selbst bei Personen, die ihre Sucht verbergen.
In Deutschland konsumieren laut Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit 7,9 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Ein problematischer Alkoholkonsum liegt bei etwa neun Millionen Personen dieser Altersgruppe vor, wie Daten des Epidemiologische Suchtsurveys aus dem Jahr 2021 zeigen.
Die Manifestation von Alkoholismus kann vielfältig sein, und viele Menschen können trotz ihrer Sucht ihr Berufs- und Privatleben bewältigen, ohne dass ihre Sucht erkannt wird. Das führt zu einer hohen Dunkelziffer. Wenn Menschen ihre Alkoholsucht erfolgreich verbergen können, sprechen Mediziner von hochfunktionalen Alkoholikern und Alkoholikerinnen, deren Diagnose oft spät oder sogar nie gestellt wird.
Wird Alkoholsucht nicht behandelt, können Krebs und Angststörungen die Folge sein
Doch eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Alkoholsucht sind entscheidend, um körperliche und psychische Folgen wie Fettleber, Krebs, Depressionen und Angststörungen zu vermeiden. Britische Forschende fanden heraus, wie Hausärzte mit zwei simplen Fragen erste Hinweise auf krankhaften Alkoholkonsum finden können.
Wissenswertes aus der Studie im Überblick:
- Laut der Studie der britischen University of Leicester können zwei einfache Fragen Hausärzten enorm dabei helfen, eine Alkoholsucht bei Patienten zu erkennen.
- Diese Fragen lauten: „Wie oft trinken Sie sechs oder mehr Getränke bei einer Gelegenheit?“ und „Ist aufgrund Ihres Alkoholkonsums im letzten Jahr etwas passiert, von dem Sie sich wünschen, dass es nicht passiert wäre?“
- Studienleiter Dr. Alex Mitchell betont den Zeitdruck in der Primärversorgung und die Notwendigkeit, die Befragung kurzzuhalten, während sie dennoch genau sein muss. „Je kürzer die Befragung ist, desto akzeptabler ist sie für den Hausarzt – aber desto größer ist auch die Gefahr, dass sie ungenau ist“, wird Mitchell in einer Pressemitteilung der University of Leicester zitiert: „Unsere Arbeit zeigt, dass bereits zwei Fragen eine Hilfe in Hinblick auf die Diagnose von Alkoholismus darstellen“.
- Bei nicht erwünschten Antworten auf die Fragen wird empfohlen, einen längeren Fragebogen zu verwenden, um die Diagnose „Alkoholsucht“ zu bestätigen.
- Die Forscher analysierten 17 ältere Studien mit über 5.500 Teilnehmern und fanden heraus, dass die oben genannten Fragen in 87,2 Prozent der Fälle Personen mit Alkoholproblem und in 79,8 Prozent der Fälle Personen ohne Alkoholproblem korrekt identifizieren konnten.
- Durch die Kombination aus den beiden Fragen und einem anschließenden längeren Fragebogen konnte in 90,9 Prozent der Fälle eine Identifizierung von Patienten mit Alkoholproblemen erreicht werden.
- Die Forscher plädieren dafür, dass Hausärzte routinemäßig die beiden Fragen in ihre Untersuchungen integrieren sollten, um Alkoholprobleme auch bei nicht typischen Risikogruppen wie junge Menschen zu identifizieren.
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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
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