Nebenwirkungen wie Thrombose durch Corona-Impfung: Wie lange besteht ein Risiko?
VonNatalie Hull-Deichsel
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Viele Menschen empfinden sie als Segen, andere wiederum leiden aufgrund von Komplikationen durch die Corona-Impfung. Sind Jahre später Langzeitnebenwirkungen noch möglich?
Impfungen sind eine Errungenschaft der neuen Zeit, wodurch Menschen vor mitunter schweren Infektionskrankheiten und möglichen Folgen geschützt werden können. Dennoch sind Impfungen auch ein brisantes Thema, das gesellschaftlich stark polarisiert – spätestens seit der Corona-Pandemie und den damit entwickelten Covid-Impfstoffen. Insbesondere der schwedische Hersteller AstraZeneca ist aufgrund von Fällen mit schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit Vaxzevria stark in die Kritik geraten. Zuletzt hat sich das pharmazeutische Unternehmen öffentlich zu den Vorwürfen bekannt und unerwünschte Wirkungen wie lebensbedrohliche Thrombosen offiziell eingeräumt. Was bedeutet dies nun für die Menschen, denen der Impfstoff verabreicht wurde? Wie lange muss mit Nebenwirkungen oder gar Langzeitnebenwirkungen gerechnet werden?
Coronaimpfstoff Vaxzevria ist nicht mehr in der EU zugelassen (Stand 8. Mai 2024)
Das schwedisch-britische Pharmaunternehmen Astrazeneca hat die Zulassung für Vaxzevria für die Europäische Union (EU) zurückgenommen. Dieser Schritt wurde „aus kommerziellen Gründen“ selbst beantragt, wie vonseiten Astrazeneca erklärt wurde. Der Hintergrund sei eine mangelnde Nachfrage des Impfstoffs seit dem Ende der Pandemie.
Wie lange nach der Impfung kann eine Thrombose auftreten?
Bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einer Arterie oder Vene und verengt diese, kommt es zur Thrombose. Die Folge kann beispielsweise ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. (Symbolbild)
Grundsätzlich unterliegen Impfstoffe den strengen Prüfvorgaben und Regularien des Paul-Ehrlich-Institus (PEI), hinsichtlich Wirksamkeit und unerwünschten Nebenwirkungen – auch nach der Zulassung. So können fortlaufend Erkenntnisse zur Langzeitsicherheit, insbesondere zu sehr seltenen Nebenwirkungen, in verschiedenen Bevölkerungsgruppen gewonnen werden.
Die langjährigen Beobachtungen zahlreicher Impfstoffe haben gezeigt, dass Nebenwirkungen normalerweise innerhalb kurzer Zeit nach der Impfung auftreten, meist innerhalb weniger Tage bis Wochen. Bei den betroffenen Patienten, die mit Vaxzevria (AstraZeneca) geimpft wurden, entwickelten sich innerhalb von etwa fünf bis 30 Tagen nach der Impfung Thrombosen (Blutgerinnsel) an untypischen Stellen. Diese traten beispielsweise in den Hirnvenen (Sinusvenenthrombosen) und der Milz auf, wie auch die Deutsche Herzstiftung e. V. im Rahmen eines Forschungsprojekts aufgreift. Der Impfstoff Vaxzevria (AstraZeneca) kommt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) seit 1. Dezember 2021 in Deutschland nicht mehr zum Einsatz.
Thrombose durch Impfung
Bei einer Corona-Impfung mit sogenannten Adenovirusvektor-Impfstoffen – wie im Fall des Impfstoffs Vaxzevria – können in sehr seltenen Fällen Komplikationen entstehen, beispielsweise Hirnvenenthrombosen. Die Ursache für diese schwere sogenannte impfstoffinduzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT) oder Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS)sind Antikörper gegen bestimmte Thrombozyten-Proteine, die die Blutgerinnung stark aktivieren. Dadurch bildeten sich bei Betroffenen circa fünf bis 20 Tage nach der Impfung lebensbedrohliche Blutgerinnsel.
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Corona-Impfung: Sind Langzeitnebenwirkungen möglich?
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind sogenannte Langzeitnebenwirkungen, die unerwartet und erst nach Monaten oder Jahren nach der Injektion auftreten, bisher bei keiner Impfung beobachtet worden. Daher wird davon ausgegangen, dass dies auch bei den COVID-19-Impfstoffen nicht zu erwarten ist.
In der Vergangenheit zeigte sich, dass sehr seltene Nebenwirkungen, die bei Geimpften kurz nach der Impfung auftraten, erst später als solche eingestuft wurden. Hintergrund dazu ist: Um sehr seltene Nebenwirkungen durch eine Impfung einordnen zu können, sollten viele Menschen über einen längeren Zeitraum geimpft werden. Während der Pandemie wurden die COVID-19-Impfstoffe in kürzester Zeit vielen Menschen weltweit verabreicht, wodurch letztlich auch sehr seltene Nebenwirkungen erkannt und beurteilt werden konnten.
Häufigsten Nebenwirkungen nach einer Impfung
Die am häufigsten auftretenden lokalen Reaktionen nach der Impfung sind Druckschmerzen an der Einstichstelle. Diese können von einer Rötung und Schwellung begleitet sein. Des Weiteren kommen in manchen Fällen Müdigkeit, Kopfschmerzen und gelegentlich Fieber hinzu.
Folgende Nebenwirkungen und Komplikationen, die in sehr seltenen Fällen kurze Zeit nach einer COVID-19-Impfung auftraten, wurden aufgrund der präzisen Überwachung erkannt:
Daneben gibt es das sogenannte Post-Vac-Syndrom, das mit der Corona-Impfung in Zusammenhang steht und ähnliche Symptome (chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Herz-Kreislaufbeschwerden) wie Post-Covid hervorruft. Bisher ist Post-Vac laut RKI kein anerkanntes Krankheitsbild und es existiert keine einheitliche Definition für das Syndrom (Stand 25. März 2023).
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) registrierte über die Nebenwirkungsdatenbank 1.452 Post-Vac-Verdachtsmeldungen (Stand 19. Mai 2023), die folgende Krankheitsbilder umfassen:
Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS): Beschwerden wie hoher Puls und Schwindel
Post-akutes COVID-19-Syndrom
„Es ist darauf hinzuweisen, dass Meldungen von Verdachtsfällen nicht identisch mit Nebenwirkungen sind und die Anzahl von Verdachtsfallmeldungen keinen Rückschluss auf die tatsächliche Häufigkeit der gemeldeten Reaktion erlaubt. Ein Rückschluss auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einem gemeldeten Verdachtsfall einer Nebenwirkung und einer Impfung kann nicht getroffen werden“, heißt es vonseiten des Paul-Ehrlich-Instituts- (PEI) in einer Stellungnahme.
Was ist eine Thrombose und wie kann es dazu kommen?
Von einer Thrombose sprechen Mediziner, wenn ein Blutgerinnsel – das heißt ein Blutklumpen beziehungsweise -Pfropf (griechisch Thrombus) – ein Blutgefäß, also eine Arterie oder Vene, verstopft. Löst sich der Thrombus – ein kleiner Teil davon ist bereits ausreichend – wird er mit dem Blutstrom bis ins Herz oder auch die Lunge transportiert. Im Herzen kann das Blutgerinnsel einen Herzinfarkt zur Folge haben, in der Lunge verschließt der Thrombus die für die Atmung lebenswichtigen Adern und kann so zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führen. In manchen Fällen kann der Thrombus auch ins Gehirn wandern und einen Schlaganfall auslösen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.