VonSebastian Oppenheimerschließen
In den vergangenen Jahren hat sich das E-Auto deutlich weiterentwickelt. Doch die Batterie-Hersteller haben noch einiges im Köcher. Drei Trends.
Die Zahl der Elektroautos auf den Straßen wächst und wächst – das belegen die aktuellen Neuzulassungs-Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts. Doch noch immer gibt es einige Punkte, die so manchen potenziellen E-Auto-Käufer zögern lassen. Dazu gehört neben dem hohen Kaufpreis eine vermeintlich zu geringe Reichweite. Auch die Ladedauer ist immer noch so manchem zu lang. Doch all das könnte sich in Zukunft stark ändern – selbst das Brandrisiko lässt sich mit einer neuen Technik reduzieren.
Elektroauto für Einsteiger – die wichtigsten Fragen und Antworten
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1. Ultraschnelles Laden: „Vollgetankt“ in fünf Minuten
Die Ladedauer von Elektroautos ist ein komplexes Thema – weil sie von sehr vielen Faktoren abhängt. So haben manche Stromer eine hohe maximale Ladeleistung, können diese aber nur kurz halten – danach kann das Tempo deutlich absinken. Selbst moderne E-Autos brauchen an Schnellladesäulen aktuell 20 bis 30 Minuten, um von 10 auf 80 Prozent zu laden. Hier verspricht die zweite Generation der Shenxing-Batterie von CATL eine deutliche Steigerung: In nur fünf Minuten soll damit das Nachladen von 520 Kilometern Reichweite möglich sein. Diese Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) könnte die Ladezeit als Haupthindernis für die E-Mobilität praktisch eliminieren, da sie kaum länger dauert als ein herkömmlicher Tankvorgang bei Verbrennern.
Für diese Ladegeschwindigkeit wird allerdings eine Megawatt-Ladestation mit einer Spitzenleistung von 1,3 Megawatt benötigt, was derzeit wohl die größte Hürde für die praktische Nutzung darstellen dürfte. Der chinesische Hersteller BYD hat allerdings bereits angekündigt, in China ein Ladenetz mit Megawatt-Ladestationen aufzubauen. Bis wann diese flächendeckend verfügbar sein werden, ist noch unklar. Bislang sind gigantische Ladeleistungen von 1.000 kW eher aus Testprojekten im Nutzfahrzeugbereich bekannt.
2. Riesige Reichweiten von bis zu 1.500 Kilometern
In eine etwas andere Richtung geht eine ebenfalls vom Hersteller CATL vorgestellte Dual-Power-Batterie. Damit ist es möglich, zwei unterschiedliche und unabhängige Energiezonen miteinander zu kombinieren. Die Technik soll nicht nur die Sicherheit bei der Leistungsabgabe verbessern, sondern auch die Energiedichte stark erhöhen. Dabei lassen sich – je nach Anforderungsprofil – verschiedene chemische Systeme miteinander kombinieren. CATL hat drei verschiedene Kombinationen vorgestellt. In einer speziellen Kombination einer LFP-NCM-Dual-Power-Batterie seien laut einer Mitteilung des Herstellers aufgrund der erhöhten Energiedichte in einer Limousine mit drei Meter Radstand Kapazitäten von mehr als 180 kWh möglich. Ein derart „großer“ Akku ermögliche Elektroautos eine Reichweite von bis zu 1.500 Kilometern. Sollte so eine Reichweite eines Tages tatsächlich Realität werden, würde sie selbst effiziente Diesel-Fahrzeuge in den Schatten stellen.
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3. Mehr Sicherheit und kostengünstigere Produktion
Eine weitere Technologie, die die Zukunft der E-Autos verändern könnte, ist die Natrium-Ionen-Batterie. Der chinesische Hersteller JAC hat bereits einen Kleinwagen mit Natrium-Ionen-Akku in Produktion – aber auch andere Batterie-Produzenten versprechen sich einiges von der Technik. Der große Vorteil liegt im Verzicht auf Lithium – das spart nicht nur Kosten, sondern schont auch die Umwelt, weil die Gewinnung von Verarbeitung von Natrium weniger Ressourcen benötigt. Außerdem haben Natrium-Ionen-Batterien ein geringeres Brandrisiko.
Allerdings hat die Natrium-Ionen-Technologie aktuell noch einen großen Nachteil: Die im Vergleich zu Lithium-Ionen-Akkus um etwa 20 bis 30 Prozent geringere Energiedichte. Heißt also: Man muss entweder mit geringerer Reichweite auskommen oder einen größeren Akku verbauen – was das Gewicht der Fahrzeuge weiter erhöhen würde. CATL hat kürzlich eine Lithium-Ionen-Batterie namens „Naxtra“ präsentiert, die E-Autos eine Reichweite von 500 Kilometern ermöglichen soll. Als einen Besonderen Vorteil betont der Hersteller, dass die Batterie auch bei -40 Grad Celsius noch 90 Prozent ihrer nutzbaren Leistung behält. Bislang büßen E-Autos bei Kälte noch viel an Reichweite ein – und auch das Laden kann deutlich länger dauern als sonst. Allerdings haben Forscher kürzlich eine Lösung für das Winter-Problem beim Laden präsentiert.
