VonSebastian Oppenheimerschließen
Sinkende Preise machen gebrauchte E-Autos erschwinglich. Doch Vorsicht vor versteckten Kostenfallen wie Mietbatterien und Unfallfahrzeugen beim Kauf.
Die Zahl der Elektroautos auf den Straßen wächst – auch wenn immer noch viele Menschen der E-Mobilität gegenüber skeptisch eingestellt sind. Allerdings gibt es auch genügend Führerscheinbesitzer, die mit einem E-Fahrzeug liebäugeln, ihnen aber einfach der Preis zu hoch ist. Inzwischen entwickelt sich jedoch der Markt für gebrauchte Stromer und bietet durchaus attraktive Möglichkeiten für preisbewusste Käufer. Diese Marktentwicklung macht es möglich, bereits für unter 20.000 Euro in die Elektromobilität einzusteigen. Dennoch sollte man vor dem Kauf einige Dinge beachten, damit der erschwingliche Umstieg ohne böse Überraschungen endet.
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Kleines Budget, große Möglichkeiten
Laut den Experten des Auto Club Europa (ACE) müssen Käufer allerdings auch bei begrenztem Budget keine Kompromisse bei der Fahrzeugqualität eingehen. Besonders im Segment der Klein- und Kompaktwagen herrsche aktuell ein reichhaltiges Angebot unterhalb der 20.000-Euro-Marke. Dem Automobilclub zufolge werden drei bis vier Jahre alte Kleinwagen in nahezu neuwertigem Zustand sowie gut erhaltene Kompaktmodelle mit vier bis fünf Jahren Laufzeit sogar teils für weniger als 15.000 Euro angeboten. Viele Schnäppchen stammten aus Leasing-Verträgen und punkteten mit transparenter Fahrzeughistorie sowie moderaten Kilometerzahlen. Für den Alltag bieten derartige Fahrzeuge realistische Reichweiten von 180 bis 250 Kilometern – ideal für Berufspendler mit Lademöglichkeiten oder Gelegenheitsfahrer ohne regelmäßige Langstrecken. Der ADAC empfiehlt, sich vor dem Kauf aber auch unbedingt Gedanken über die Lademöglichkeiten für das E-Auto zu machen. Denn wer beispielsweise häufig an öffentlichen Ladesäulen Strom bezieht, muss aufgrund der höheren Preise dort mit höheren Betriebskosten rechnen.
Versteckte Kostenfallen clever umgehen
Der Gebrauchtwagenmarkt hält jedoch auch Überraschungen bereit, die das vermeintliche Schnäppchen zum teuren Vergnügen machen können. Besondere Vorsicht ist bei Fahrzeugen mit Mietbatterien geboten. Hier drohen monatliche Zusatzkosten – beim Renault Zoe beispielsweise bis zu 124 Euro pro Monat. Zwar besteht teils die Alternative, den Akku zum Restwert zu kaufen, doch sollten Interessenten diese Kosten vorab kalkulieren. Kritisch zu bewerten sind laut ACE reparierte Unfallfahrzeuge, die durch besonders niedrige Preise locken. Wer sein Elektroauto über Jahre nutzen möchte, sollte den Experten zufolge unfallfreie Alternativen bevorzugen, da selbst nach professioneller Reparatur Spätfolgen nicht ausgeschlossen werden könnten. Auch Oberklasse-Modelle mit Reichweiten über 300 Kilometern seien unter 20.000 Euro verfügbar– doch Vorsicht: oft lauern hier hohe Laufleistungen und abgelaufene Batteriegarantien. Wichtig auch: Werfen Sie vor dem Kauf unbedingt einen Blick auf die Ladeleistung, beziehungsweise die Ladekurve eines Elektroautos – gerade auf weiteren Strecken sind diese Daten entscheidend dafür, wie schnell der Strom in die Batterie gepumpt wird.
Seriöse Händler als Schlüssel zum Erfolg
Auch wenn Privatverkäufe verlockend günstig erscheinen, bieten etablierte Autohändler dem ACE zufolge entscheidende Vorteile: gesetzliche Gewährleistung und oft zusätzliche Garantieleistungen. Transparenz sollte selbstverständlich sein – seriöse Anbieter ermöglichen Probefahrten und gewähren Einblick in alle relevanten Fahrzeugdokumente. Die Fahrzeugsuche startet laut den Experten am effizientesten über bekannte Plattformen wie autoscout24, mobile.de oder carwow sowie die herstellereigenen Gebrauchtwagenportale. Dabei ist Aufmerksamkeit gefragt: Batteriekapazitäten gehören nicht überall zu den Pflichtangaben, obwohl verschiedene Modellvarianten erhebliche Unterschiede aufweisen können. Zudem entsprechen die beworbenen Reichweiten meist den optimistischen WLTP-Laborwerten, die von der Alltagsrealität deutlich abweichen.
Die Batterie im Fokus – Zentrales Element jeder Kaufentscheidung
Das Herzstück jedes Elektrofahrzeugs verdient besondere Aufmerksamkeit, denn eine schwächelnde Batterie kann den Fahrspaß erheblich trüben. Glücklicherweise bedeutet eine reduzierte Akkukapazität nicht automatisch den Austausch der teuren Batterie – oft helfen bereits kostengünstige Reparaturen. Fakt ist: Laut aktuellen Studien halten E-Auto-Batterien deutlich länger als früher angenommen. Dennoch sollten Käufer auf ein Batteriezertifikat bestehen, das Auskunft über die verbleibende Kapazität gibt. Verweigert ein Händler die Batterieprüfung, ist höchste Vorsicht geboten. Die Untersuchung der Batteriegesundheit kostet zwischen 50 und 150 Euro – ein vergleichsweise geringer Preis für die gewonnene Sicherheit. Besonders interessant sind Fahrzeuge mit noch gültiger Herstellergarantie, die oft acht Jahre oder mehr umfasst. Diese Garantie ist jedoch an die Einhaltung bestimmter Nutzungsbedingungen geknüpft, deren Erfüllung sich Käufer idealerweise schriftlich bestätigen lassen sollten.
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Verhandlungsgeschick zahlt sich aus
Dem ACE zufolge kann sich das Verhandeln bei gebrauchten Stromer durchaus lohnen. Mit durchschnittlichen Standzeiten von über 100 Tagen hätten Händler ein großes Interesse am schnellen Verkauf ihrer E-Autos. Preisnachlässe von über 1.000 Euro seien laut dem Automobilclub und durchaus realistisch. Nach erfolgreicher Preisverhandlung unterscheidet sich der weitere Kaufprozess kaum vom Erwerb eines konventionellen Fahrzeugs. Dennoch empfehlen die Experten eine spezielle Checkliste für E-Auto-Käufe, um elektrospezifische Details nicht zu übersehen. Eine schriftliche Bestätigung über die Übertragung der Herstellergarantie und die bisherige Einhaltung aller Garantiebedingungen schafft zusätzliche Sicherheit.
