Infektion ist Auslöser

Folgen einer Sepsis: Blutvergiftung kann zu schwerem Organversagen führen und Gliedmaßen schädigen

  • schließen

Bei einer Sepsis geht es um Zeit – je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Überlebenschancen und desto eher können schwerste Folgen minimiert werden.

Eine Sepsis oder Blutvergiftung stellt die schwerwiegendste Ausprägung einer Infektion dar. Sie entsteht, wenn die körpereigenen Abwehrmechanismen nicht mehr ausreichen, um eine lokale Infektion einzudämmen – so auch bei Til Schweiger, der eine Blutvergiftung aufgrund einer Beinverletzung erlitt. Dadurch gelangen die Erreger in den Blutkreislauf und aktivieren die körpereigenen Abwehrsysteme, insbesondere das Immun- und Gerinnungssystem. Dies führt nicht nur zur Bekämpfung der Erreger, sondern kann auch lebenswichtige Organe wie Lunge, Herz und Niere schädigen. Die Folgen können ein Versagen mehrerer Organe und ein septischer Schock sein, wie ihn der bekannte Schauspieler Fritz Wepper erlebt haben soll. Wird eine Sepsis zu spät oder nicht ausreichend behandelt, drohen schwerste gesundheitliche Folgen.

Sofort handeln: Anzeichen einer Sepsis sind ein medizinischer Notfall

Besteht eine Infektion, die sich verschlechtert und mit Symptomen einer Blutvergiftung einhergeht, sollten Sie sofort den Notarzt rufen.

Kommt es durch eine Infektion zur Blutvergiftung, zählt jede Minute. Achten Sie auf mögliche Sepsis-Warnzeichen und rufen Sie den Notarzt. Je mehr Zeit verstreichen kann und der Betroffene keine ausreichende medizinische Behandlung erfährt, desto größer ist der körperliche Schaden: Multiorganversagen über Koma bis hin zu unterversorgten Gliedmaßen, die in der Folge amputiert werden müssen, um das Leben des Patienten zu retten.

Tatsächlich ist es ganz wichtig, die Sepsis als einen ebenso zeitkritischen Notfall zu betrachten, wie den Schlaganfall und den Herzinfarkt.

PD Dr. med. Ines Schröder, Intensivmedizinerin im Klinikum Großhadern München, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk

Noch mehr spannende Gesundheitsthemen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Selbst wenn ein Patient mit Blutvergiftung entsprechend medizinisch versorgt wird, ist es dennoch möglich, dass es aufgrund der fortgeschrittenen Sepsis zu absterbenden Extremitäten kommt. So hat es beispielsweise ein 14-jähriger Junge aus Mönchengladbach erfahren müssen – Auslöser der Sepsis war bei ihm wohl ein Erreger eines grippalen Infekts.

Blutvergiftung entsteht nicht nur durch äußere Wunden

In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 85.000 Menschen als Folge einer Sepsis. Diese gefährliche Blutvergiftung wird allerdings nicht nur durch äußere Verletzungen wie rostige Nägel oder infizierte Wunden ausgelöst. Dr. Ines Schröder behandelt hauptsächlich Sepsis-Patienten, bei denen Infektionen innerhalb des Körpers der Grund für die Blutvergiftung sind, neben grippalen Infekten und Lungenentzündungen, insbesondere Harnwegsinfektionen. Die Behandlung erfolgt durch den Einsatz von Medikamenten, vornehmlich Antibiotika. Dabei ist Zeit von entscheidender Bedeutung – je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Überlebenschancen. Eine unbehandelte oder verspätet behandelte Sepsis endet in der Regel tödlich.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Moodboard/Imago

Kommentare