Umsetzung langjähriger Forderung

Betrifft Millionen: Merz-Regierung verspricht „erhebliche Erleichterung“ bei der Witwenrente

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  • Carmen Mörwald
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    Sandra Sporer

Laut Koalitionsvertrag ist eine Witwenrenten-Reform geplant. Der Schritt, von dem besonders eine Gruppe profitiert, wird von den Sozialverbänden begrüßt.

Berlin – Die Rente und deren Finanzierbarkeit ist für viele ein brandaktuelles Thema. Das spiegelt sich auch im Koalitionsvertrag wider, der eine ganze Reihe geplanter Renten-Neuerungen umfasst. Neben der Frühstart-Rente soll es ab kommendem Jahr auch eine Aktivrente geben, die Senioren dazu animieren soll, trotz Ruhestand weiterzuarbeiten. Damit dies für möglichst viele Rentner attraktiv ist, sieht der Maßnahmen-Katalog auch eine Reform der Witwenrente vor. Sie könnte das Leben vieler Betroffener erheblich erleichtern.

Die neue Regierung will Arbeitsanreize für Rentner schaffen. Dazu gehört auch, Hinterbliebenen mehr finanziellen Spielraum zu geben. (Symbolbild)

Merz-Regierung will Witwenrente reformieren und so Anreiz zur Arbeit schaffen

Die CDU/CSU-SPD-Koalition plant, die Anrechnung des eigenen Einkommens zu reduzieren. Aktuell wird das eigene Einkommen der Hinterbliebenen auf die Rente angerechnet: 40 Prozent des Nettoeinkommens, das über den derzeit gültigen Freibetrag hinausgeht, wird von der Rente abgezogen. Das soll nun geändert werden. Im Koalitionsvertrag (Zeile 616 f.) heißt es dazu wörtlich: „Darüber hinaus verbessern wir die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei der Hinterbliebenenrente.“ Damit greift die neue Regierung eine langjährige Forderung auf.

Was bedeutet Witwenrente überhaupt?

Grundsätzlich haben Personen Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente, wenn sie mit dem oder der Verstorbenen verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft waren, die mindestens ein Jahr bestanden hat. Die verstorbene Person muss mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Es gibt die kleine und die große Witwenrente, die sich an verschiedenen Kriterien wie Alter, Kindererziehung und Erwerbsminderung orientiert. Während die kleine Witwenrente in der Regel zeitlich auf zwei Jahre begrenzt ist, wird die große Witwenrente dauerhaft gezahlt – und fällt mit 55 Prozent der Rente des Verstorbenen deutlich höher aus.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Die geplante Änderung wird von den Sozialverbänden positiv aufgenommen. Unter anderem der Sozialverband VdK Deutschland begrüßt die Entwicklung ausdrücklich und schreibt IPPEN.MEDIA dazu: „Die Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten in der Hinterbliebenenrente ist eine gute Nachricht und die Umsetzung einer langjährigen VdK-Forderung.“ Besonders für erwerbstätige, früh verwitwete Männer und Frauen wäre dies eine große Erleichterung im Alltag. Denn „diese Gruppe ist besonders stark von Armut bedroht“, so der Sozialverband weiter.

Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland (SoVD) hebt hervor: „Viele junge Witwen und Witwer würden gerne ihre Erwerbstätigkeit erhöhen, tun dies aber nicht, weil sich dies finanziell kaum lohnt.“ Die aktuelle Regelung wirkt wie ein negativer Anreiz, da mehr Arbeit zu einem Verlust eines Teils der Rente führen kann. Eine Reform könnte nicht nur kurzfristig entlasten, sondern auch langfristig die Altersvorsorge stärken.

Rentner aufgepasst: Das sind die besten Länder für die Rente

Strand am Tayrona National Natural Park, Kolumbien.
Kolumbien hat es auf Platz 10 des Rankings von International Living geschafft. Das südamerikanische Land punktet demnach mit schönen Stränden und Natur, niedrigen Lebenshaltungskosten und einfachen Einreisebestimmungen. Allerdings sollten Auswanderungswillige auch die Sicherheitsrisiken dort beachten.  © robertharding/Imago
Mont-Saint-Michel in der Normandie: Unser Nachbarland hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten.
„Leben wie Gott in Frankreich“ ist nicht umsonst ein Sprichwort: Unser Nachbarland auf Platz 9 hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten. © robertharding/Imago
Die Insel Langkawi in Malaysia: Das südostasiatische Land ist im GRI-Ranking ein Newcomer.
Malaysia ist im GRI-Ranking ein Newcomer. Das multikulturelle südostasiatische Land bietet Auswanderungswilligen laut International Living große Gastfreundlichkeit, niedrige Lebenshaltungskosten und ein warmes tropisches Klima, das aber manchen Ruheständlern auch zu viel sein könnte. © Addictive Stock/Imago/Gabriel Trujillo
Thassos: Platz sieben im Ranking belegt Griechenland.
Platz sieben im Ranking belegt Griechenland. Das europäische Land überzeugt demnach nicht nur mit seiner Schönheit und dem milden Klima, sondern auch mit einem guten Gesundheitssystem und niedrigeren Lebenshaltungskosten. © robertharding/Imago/Frank Fell
Wandern am Illiniza Norte Volcano: Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA.
Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA. Das südamerikanische Land bietet ein mildes Klima, atemberaubende Natur und niedrige Lebenshaltungskosten. Doch wegen der aktuellen unruhigen politischen Situation rät das Magazin Auswanderungswilligen dazu, erstmal abzuwarten. © VWPics/ Matthew Williams-Ellis/Imago
Strand in Port de Soller, Mallorca: In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen.
In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen. Viele Sonnentage mit einem milden Klima gepaart mit einem guten Gesundheitssystem und einem großen kulturellen Angebot: Das südeuropäische Land auf Platz 5 erfreut sich schon länger bei auswanderungswilligen Senioren großer Beliebtheit. © Zoonar.com/Volker Rauch/Imago
Strand in Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.
Oh wie schön ist Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.  © Panthermedia/lesniewski/Imago
Strand in Tulum, Mexiko: Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten
Auf dem Siegertreppchen im Ranking ist Mexiko mit Platz 3 gelandet. Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten – auch im Gesundheits- und Immobilienbereich.  © Zoonar.com/Loes Kieboom/Imago
Machico in Madeira: Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat.
Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat. Rund 800.000 Auswanderer hat es mittlerweile nach Portugal gezogen, berichtet International Living. Das Land an der europäischen Atlantikküste punktet mit Sicherheit, guter Gesundheitsversorgung und einem milden Klima. © Zoonar.com/Mjucha/Imago
Strand in Costa Rica: Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil.
Auf Platz eins landet Costa Rica. Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil. Zudem überzeugen International Living die niedrigen Lebenshaltungskosten, schöne Natur und Strände sowie die „gute Lebensqualität“. Costa Rica bemüht sich zudem aktiv mit Steuervergünstigungen um Senioren. © YAY Images/xajnx 6025/Imago

Bislang gibt es „wenig empirische Evidenz“, dass der Plan der neuen Bundesregierung aufgeht

Wirtschaftswissenschaftlich betrachtet, fehlen bisher allerdings umfassende empirische Daten zur Wirkung solcher Reformen. Johannes Geyer, stellvertretender Abteilungsleiter beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) merkt an: „Es gibt wenig empirische Evidenz.“ Sollte ein Steuerfreibetrag für Rentner eingeführt werden, müsse man „gegenläufige Anreize beseitigen“.

Anja Piel vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sieht die Reform als gut gemeinten Versuch, dessen Erfolg jedoch ungewiss ist: „Die Koalition hofft offenbar, dass sie damit Anreize für Hinterbliebene schafft, zusätzlich Geld zu verdienen. Es ist fraglich, ob das funktioniert – aber natürlich wäre es für die Betroffenen gut, wenn sie mehr Nettoeinkommen haben.“ Wie wirksam die geplante Reform ist, hängt auch von der Umsetzung ab. Noch sind jedoch keine konkreten Zahlen oder Gesetzentwürfe bekannt, wie stark der Anrechnungsfaktor gesenkt werden soll – und wann genau die Änderungen greifen. (sp/ls)

Rubriklistenbild: © Robert Kneschke/Zoonar.com/IMAGO

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