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Die Supermarkt-Kette Rewe startet eine Kassen-Offensive. In jeder zweiten Filiale soll bald ein alternatives System eingesetzt werden, um lange Schlangen zu vermeiden.
Syke – Kunden haben zunehmend die Möglichkeit, sich selbst abzukassieren. In vielen Geschäften finden sich mittlerweile Selbstbedienungskassen. Ob in Supermärkten wie Edeka oder Penny, Drogerien von dm und Rossmann, oder bei Häusern des Möbel-Riesen Ikea – nahezu überall können Kunden das Kassenband umgehen.
Die Vorteile für Kunden sind offensichtlich: Im Gegensatz zu herkömmlichen Kassen benötigen diese Terminals wenig bis kein Personal, es können mehr dieser Kassen aufgestellt werden und die Warteschlangen beim Bezahlen werden dadurch entlastet. Wer nur wenige Artikel einkauft, muss nicht lange warten, bevor er den Laden verlassen kann.
Supermarkt-Riese Rewe stockt SB-Kassen auf – Bald in jeder zweiten Filiale
Der Supermarkt-Riese Rewe plant, seine SB-Kassen in den kommenden Jahren deutlich zu erweitern. Das Unternehmen gab gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bekannt, dass in den nächsten Monaten noch mehr Filialen mit diesen Selbstbedienungskassen ausgestattet werden sollen.
Bereits an mehr als 1000 Rewe-Standorten ist diese Technik verfügbar, bis Ende des Jahres sollen rund 800 weitere hinzukommen. „Dann gibt es in knapp der Hälfte unserer Geschäfte SB-Kassen“, so Rewe-Chef Lionel Souque. „In den nächsten Jahren werden das sicher noch mehr werden.“ Konkurrent Kaufland führt derweil auch eine Kassen-Revolution ein und verspricht einen Bezahlvorgang, kaum länger als „ein Wimpernschlag“.
Kasse ohne Kassierer – Kann das funktionieren?
Trotz der Befürchtung, dass die SB-Terminals zu mehr Diebstählen in den Geschäften führen könnten, ist die Resonanz auf diese Bezahlmethode bei Rewe positiv. Die automatisierten Kassen funktionieren gut und werden von einem Viertel der Kunden genutzt. Doch nicht jede Erneuerung begrüßen Kunden ausnahmslos: Ein rein veganer Rewe-Laden kam dagegen zuletzt nicht gut an.
Ende 2023 berichteten mehrere Medien, darunter n-tv, dass Geschäfte in den USA diese Kassen abschafften, da die Ladendiebstähle auf Rekordhöhen gestiegen sein sollen. Studien des Forschungsinstituts EHI Retail Institute GmbH widerlegten jedoch einen solchen Effekt in Deutschland bereits im Jahr 2022, wie Businessinsider berichtet.
Eine aktuelle Untersuchung des Instituts zeigt einen Anstieg der Ladendiebstähle um 23 Prozent. Der dadurch entstandene Schaden für die Händler wird von den Handelsforschungsexperten auf 4,1 Milliarden Euro geschätzt. Es konnte jedoch immer noch nicht festgestellt werden, dass die SB-Kassen Diebstähle begünstigen. Die Hauptursachen sind vielmehr knappe Budgets und Personalmangel. Es kommt jedoch gelegentlich zu Fehlern beim Selbstscannen durch die Kunden.
Künftig mehr SB-Terminals statt Kassenbänder bei Rewe – Kunden nicht immer zufrieden
Rewe-Chef Lionel Souque sieht vor allem einen Vorteil in den sogenannten Self-Checkout-Systemen, bei denen Kunden ihre Artikel selbst scannen können: „Die Kassen sparen Zeit. Niemand hat Lust auf Warteschlangen im Supermarkt.“ In der Praxis sieht das jedoch oft anders aus, wie Kunden in den sozialen Medien berichten. Entsprechende Terminals sind zwar in vielen Filialen vorhanden, aber oft nicht in Betrieb, so die Kritik einiger Kunden, die auch der Erfahrung der Autorin entspricht. Ein weiterer Kritikpunkt einiger Kunden ist, dass an vielen SB-Kassen nur Kartenzahlung möglich ist.
Hier sind im REWE 3 normale Kassen offen mit langer Schlange. Die 4 SB Kassen sind zu. Würde man eine Kasse schließen und die Kraft die SB Kassen überwachen, es würde schneller gehen pic.twitter.com/SXKgyINWV9
— Kai (@k4ii_) December 17, 2022
Trotz der Einführung von SB-Kassen wird es bei Rewe weiterhin herkömmliche Kassen mit Kassierern geben, wie das Unternehmen gegenüber der dpa bestätigte. Allerdings soll die Anzahl der traditionellen Kassen reduziert werden. „Es geht uns dabei nicht darum, Arbeitsplätze abzubauen, sondern es geht darum, unseren Mitarbeitenden mehr Zeit für das Wesentliche zu geben: Kontakt zu Kunden und Regalpflege“, so Vorstandsvorsitzender Souque. Ein Ostsee-Edeka verzichtet dagegen ganz auf Personal.
Auch der Discounter Aldi hat kürzlich eine Änderung an seinen Kassen eingeführt, um den Bezahlprozess zu beschleunigen. Das neue System stößt jedoch bisher auf wenig Begeisterung beim Personal, wie der Spiegel berichtet. (rku)
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