VonCefina Gomezschließen
Menschen, die sich vom Staat aushalten lassen, werden oft als „Schmarotzer“ betitelt. Doch für die meisten ist die Arbeitslosigkeit kein Vergnügen.
Kassel – Von der Hand in den Mund, so lebt Thomas Wasilewski seit 12 Jahren. Der Bürgergeld-Empfänger aus Mönchengladbach leidet nicht nur unter der Situation, sondern auch unter den Vorurteilen. Auch die Politik betitelt Menschen wie Wasilewski häufig als arbeitsscheu und droht regelmäßig mit Leistungskürzungen.
Um mit diesem kollektiven Negativ-Bild aufzuräumen, hat Wasilewski sein Schicksal in der WDR-Sendung „Hart aber fair“ geteilt und den CDU-Politiker Philipp Amthor mit seinem Weg in die Armut konfrontiert. Die CDU plant nämlich bei einem Regierungswechsel radikale Reformen beim Bürgergeld durchzusetzen.
Bürgergeldempfänger: „Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst von Transferleistungen abhängig sein werde“
Thomas Wasilewski hat in der Diskussionsrunde über sein Schicksal gesprochen und will sich gegen das Vorurteil als „fauler Arbeitsloser“ wehren. In der Sendung teilt er mit, dass er bereits 30 Jahre gearbeitet hat und 10 Jahre lange in der beruflichen Integration tätig war und dabei Langzeitarbeitslosen und Jugendlichen den Einstieg ins Berufsleben ermöglicht hat.
„Ich habe tausend Menschen kennengelernt, die ich integrieren sollte, da war nie ein Einziger dabei, der zu mir gesagt hat, ich will nicht arbeiten“, erklärt Wasilewski. Mittlerweile lebt er selbst durch seine Erwerbsunfähigkeit seit 12 Jahren vom Bürgergeld. „Ich bin bis an mein Lebensende arm. Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst von Transferleistungen abhängig sein werde“, sagt Wasilewski in der Sendung.
Existenzängste halten den 60-Jährigen nachts wach, begleitet mit Herzrasen und psychischen Erkrankungen. Für Pläne zur Kürzung der sozial Leistungen hat Wasilewski wenig Verständnis. Mit drei Kindern ist jeder Tag ein Kampf, nach eigenen Angaben kann er sich selbst nicht mal mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal auswärts Kaffee trinken war. „Die Leute haben Hunger, weil das Bürgergeld nicht ausreicht“, betont Wasilewski. Hohe Arbeitslosigkeit macht sich auch in Hessen bemerkbar, Kassel gehört mit Bürgergeldbezug sogar zur Spitzengruppe.
Wie viele Menschen gehören eigentlich zu den Totalverweigerern und wie hoch ist das Bürgergeld?
5,5 Millionen Menschen beziehen laut dem WDR insgesamt Bürgergeld. Von diesen Menschen zählt lediglich eine kleine Gruppe von rund 14 000 zu den sogenannten „Totalverweigerern“, sprich Menschen, die ohne ersichtlichen Grund eine zumutbare Arbeit ablehnen. Somit sträuben sich lediglich 0,8 Prozent der arbeitsfähigen Bürgergeldempfänger gegen Arbeits- und Qualifizierungsmaßnahmen.
Laut dem Bundesamt für Arbeit und Soziales bekommen alleinstehende Bürgergeldempfänger aktuell lediglich 563 Euro im Monat. Bürger bräuchten allerdings 813 Euro, um der Armut zu entkommen laut Berechnungen der Paritätischen Wohlfahrtsverband. Auch eine Rentnerin macht bei einer Sendung deutlich, dass die bestehende Summe viel zu wenig ist, um davon zu leben.
Ampel vs. CDU: Kein Bürgergeld mehr, sondern „neue Grundsicherung“
Die CDU möchte das Bürgergeld durch den Begriff „neue Grundsicherung“ tauschen und drastische Maßnahmen ergreifen. „Der Sozialstaat ist für die sozial Schwachen da“, betont CDU-Politiker Philipp Amthor in der Sendung. Bei einem Regierungswechsel sollen mit der neuen Reform schneller und unbürokratischer Leistungen komplett gestrichen werden können.
Ricarda Lang, Grünen-Politikerin, verteidigt den bestehenden Ansatz der Ampel, die Menschen zu qualifizieren und nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Das Bundesverfassungsgericht hat sehr klar gesagt, dass Menschen nicht dauerhaft auf null gesetzt werden können und das finde ich in einem Sozialstaat auch richtig“, so Lang gegenüber dem WDR. (cg)
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