Ursachen und Symptome

Nur häufig traurig oder Anzeichen einer Depression? Wann eine psychische Erkrankung vorliegen könnte

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Eine Depression lässt sich heutzutage relativ gut behandeln. Umso wichtiger ist es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, um das Leid der Betroffenen gering zu halten.

Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass eine Depression hauptsächlich durch Schicksalsschläge, beruflichen Stress oder Beziehungsprobleme entsteht. Manche glauben auch, dass Lichtmangel und Vitamin-D-Mangel in den Wintermonaten das Gefühl von Traurigkeit und depressiven Verstimmungen auslösen können. Tatsächlich kann eine Depression verschiedene und vielschichtige Ursachen haben, und sie kann sogar als ein Symptom einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung der Depression kann das Risiko schwerwiegender Folgen erheblich verringern. Woran kann man letztlich erkennen, dass es nicht nur Traurigkeit, vielmehr eine Depression ist?

Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung – wer am häufigsten betroffen ist

Im Durchschnitt sind Frauen während ihrer Lebenszeit häufiger von Depressionen betroffen als Männer.

Aus medizinischer Perspektive handelt es sich bei einer Depression um eine ernsthafte Erkrankung, die nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention tiefgreifende Auswirkungen auf das Denken, Fühlen und Handeln der betroffenen Personen hat. Eine Depression geht mit Störungen von Hirn- und anderen Körperfunktionen einher, was sogar das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen kann, und verursacht erhebliches Leiden. Menschen, die von einer Depression betroffen sind, können sich oft nicht eigenständig von ihrer gedrückten Stimmung, Antriebslosigkeit und den negativen Gedanken erholen.

Warum Frauen häufiger von Depressionen betroffen sind

Laut einer Studie zeigt sich bei jungen Frauen ab der Pubertät (im Alter von 14 bis 25 Jahren) weltweit das größte Risiko für schwere Depressionen und psychische Störungen. Vor der Pubertät erkranken Mädchen und Jungen ähnlich häufig an Depressionen, Jungen zum Teil sogar etwas mehr. Ab einem höheren Alter von etwa 65 Jahren sind Frauen und Männer etwa gleich häufig von Depressionen betroffen, grundsätzlich zeigt sich aber ein Rückgang der Erkrankungsfälle.

Die Tatsache, dass Frauen, die an einer Depression erkranken, hormonellen Veränderungen unterliegen – insbesondere während der Pubertät, vor der Menstruation, nach der Schwangerschaft und in den Wechseljahren (Perimenopause) – deutet darauf hin, dass weibliche Hormonschwankungen ein Auslöser für Depressionen sein können.

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Depression bis Alkoholsucht: Die häufigsten psychischen Krankheiten im Überblick – Jeder dritte ist betroffen

Eine Frau hält ein gefülltes Sektglas in ihrer Hand.
Alkoholsucht zählt zu den am dritthäufigsten diagnostizierten psychischen Leiden. Mit der Medikamentenabhängigkeit zusammen entfallen 5,7 Prozent der Diagnosen auf die Alkoholabhängigkeit. Etwa jeder siebte Erwachsene trinkt Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Damit ist Alkohol nach Nikotin das häufigste Suchtmittel in Deutschland, so die Bundes Psychotherapeuten Kammer. 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, heißt es weiter. (Symbolbild) © Bode/Imago
Medikamentensucht bei Senioren
Neben der Alkoholsucht zählt die Medikamenten-Abhängigkeit zu den am dritthäufigsten verbreiteten psychischen Erkrankungen in Deutschland.  © Jens Kalaene/dpa
Frau schaut aus Fenster
Die sogenannten affektiven Störungen zählen zu den psychischen Erkrankungen, die am zweithäufigsten in Deutschland vorkommen. Die Depression ist wohl der bekannteste Vertreter aus dieser Gruppe. Der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (dgppn) zufolge, entfallen fast 10 Prozent der Diagnosen auf diese Krankheitsgruppe. Alleine 8,2 Prozent sind von einer unipolaren Depression betroffen. Depressionen gehören damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer depressiven Störung, innerhalb eines Jahres sind es ungefähr 8 Prozent, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa
Junge Frau vor dem Schrankspiegel
Angststörungen sind am weitesten verbreitet. Der dgppn zufolge entfallen 15,4 der Diagnosen auf Angststörungen wie Panikattacken, Angst vor weiten Plätzen etc. Bei Betroffenen ist das Angstgefühl so übermächtig, dass es den Alltag immens einschränkt. Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern zählen zu den Symptomen einer Angststörung. (Symbolbild) © Imago
Frau mit Maßband in der Hand
Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind zwar insgesamt gesehen weniger weit verbreitet als oben genannte Krankheiten. Doch in der weiblichen Bevölkerung zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr gehören die Essstörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. Etwa ein Prozent der Frauen erkrankt während ihres Lebens an einer Magersucht, rund zwei Prozent leiden im Laufe ihres Lebens an einer Bulimie. (Symbolbild) © Sergiy Tryapitsyn/Imago

Starke Traurigkeit oder schon eine Depression? Drei Unterschiede, die darauf hindeuten

Viele Menschen erleben wahrscheinlich Lebensphasen, die von schlechter Stimmung und Traurigkeit geprägt sind. Normalerweise verbessert sich das Befinden von allein. Doch was, wenn nicht? Welche Anzeichen und Symptome auf eine Depression hinweisen können, verraten neben dem Zwei-Fragen-Test folgende Kriterien:

  1. Beschwerden dauern länger als zwei Wochen an.
  2. Es zeigen sich mindestens fünf Symptome, darunter mindestens ein Hauptsymptom.
  3. Es liegt mehr als nur eine erkennbare Ursache (psychosoziale und körperliche bzw. neurobiologische Auslöser) vor.

Die Schwere einer Depression wird je nach Intensität der Symptome und den damit verbundenen Einschränkungen in leicht, mittelgradig oder schwer eingestuft. Nicht immer sind die Symptome eindeutig, da sie auch bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfallen.

Selbsttest kann möglichen Verdacht bekräftigen

Es ist oft schwierig, Fragen wie „Bin ich depressiv?“ oder „Habe ich eine Depression?“ zu beantworten. Ein Selbsttest mit einem Stimmungsfragebogen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention kann Aufschluss darüber geben, ob bei Ihnen Anzeichen einer Depression vorliegen.

Sie sind depressiv? Bei der Telefon-Seelsorge bekommen Sie rund um die Uhr Hilfe – an jedem Tag im Jahr: Rufen Sie an. Der Anruf ist kostenfrei. Ihre Telefonnummer wird nicht übertragen und Sie müssen Ihren Namen nicht sagen. Das Gespräch dauert so lange wie nötig.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © HalfPoint Images/Imago

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