Im September wird es in Supermärkten bereits weihnachtlich. Doch die Preise einer beliebten Schokoladenspezialität verderben die besinnliche Stimmung.
Kassel – Eine Kundin im Supermarkt, ein Foto und ein Preis: 4,59 Euro für eine Packung Dominosteine bei Edeka à 250 Gramm. Genau dieser Schnappschuss von Weihnachtsgebäck im Frühherbst sorgte auf der Plattform Threads für Aufsehen. Die Kundin schrieb dazu nur einen Satz: „Ihr glaubt es nicht. 4,59 € für Dominosteine. Wer soll das noch bezahlen?“
Unter ihrem Beitrag der Edeka-Kundin sammelten sich schnell zahlreiche Reaktionen. Viele konnten die Aufregung nachvollziehen und kündigten an, zukünftig auf die „überteuerte Industriematsche“ zu verzichten. „Mir selber ist der Appetit schon vergangen“, schrieb eine enttäuschte Nutzerin. Andere reagierten mit Ironie und dem Hinweis, dass Dominosteine nun einmal noch immer ein Luxusprodukt und kein „Grundnahrungsmittel“ seien.
Nicht nur Edeka: Schlechte Ernte treiben Preise von Weihnachtsgebäck in die Höhe
Mit dem Griff zu Eigenmarken von Supermärkten und Discountern statt zu namhaften Herstellern ließe sich laut der Netzgemeinschaft wenigstens ein bisschen sparen. Vom Selberbacken wurde hingegen abgeraten: Die Zutaten seien „alle recht teuer“ und man müsse mit einem „verdammt“ hohen Arbeitsaufwand rechnen.
Im Zentrum der aktuellen Schokoladenkrise steht eine beispiellose Verknappung des wichtigsten Rohstoffs: Kakao. Der Weltmarktpreis für Kakao habe Ende 2024 mit bis zu 12.000 Euro pro Tonne einen historischen Höchststand erreicht, berichtet die Tagesschau. Das sei sechsmal mehr als noch vor wenigen Jahren.
Deutschland bezieht demnach etwa 80 Prozent seines Kakaos aus der Elfenbeinküste und Ghana. Beide Länder kämpften mit den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels: Extreme Wetterereignisse wie langanhaltende Dürreperioden, Starkregen und Hochwasser haben Ernteerträge massiv reduziert. Zusätzlich zu den klimatischen Herausforderungen sind die Kakaoplantagen von Schädlingen befallen.
Auf Osterhase folgt Weihnachtsgebäck: Hersteller reagieren mit drastischen Preiserhöhungen
Die großen Schokoladenhersteller haben auf die Rohstoffkrise mit teilweise drastischen Preiserhöhungen reagiert. Der Schweizer Premiumhersteller Lindt & Sprüngli habe N-TV zufolge seine Preise im ersten Halbjahr 2025 um durchschnittlich 15,8 Prozent angehoben und weitere Anpassungen angekündigt. Zu Ostern hat der berühmte Goldhase gar die Vier-Euro-Marke überschritten.
Besonders kontrovers diskutiert wird die Preispolitik von Mondelez, dem Konzern hinter der Marke Milka. Die Tafelpreise seien laut Foodwatch zwischen Anfang 2024 und Januar 2025 um bis zu 64 Prozent gestiegen, obwohl im gleichen Zeitraum Schokolade nur um etwa acht Prozent teurer geworden sei.
Shrinkflation: Schokoladenhersteller wurde bereits verklagt
Neben den direkten Preiserhöhungen greifen viele Hersteller zu einer subtileren Strategie: der sogenannten Shrinkflation. Dabei wird der Packungsinhalt reduziert, während der Preis gleich bleibt oder sogar steigt – eine klassische Mogelpackung. Bei Milka erhalten Kunden nun nur noch 90 statt der bisher üblichen 100 Gramm. Der Konzern wurde dafür sogar von der Verbraucherzentrale Hamburg verklagt.
Die Preisexplosion bleibt trotz Sparstrategien der Hersteller nicht ohne Folgen für das Konsumverhalten. Nach Angaben von marktundmittelstand.de unter Berufung auf den Marktforscher NIQ seien zu Jahresbeginn 2025 zehn Prozent weniger Tafelschokolade und 20 Prozent weniger Pralinen verkauft worden als im Vorjahreszeitraum. Angesichts der Inflation überdenken viele Käufer ihre Ausgaben.
Ob die Preise für die Dominosteine und Weihnachtsgebäck in Zukunft wieder fallen, ist ungewiss. Adalbert Lechner, Chef von Lindt & Sprüngli, vermutet bei CNBC jedenfalls, dass die Kakaopreise „niemals wieder auf die Niveaus zurückkehren werden, auf denen sie früher waren.“ (Quellen: Threads, Tagesschau, N-TV, Foodwatch, marktundmittelstand.de, CNBC) (jaka)
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