Schnäppchen oder Datenhandel?

Expertin klärt auf: Spar-Vorteil bei Supermarkt-Apps „geringer als gedacht“

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Eigene Apps der Supermärkte versprechen den Käufern einen Sparvorteil. Verbraucherschützer warnen jedoch, dass diese oft überbewertet werden.

Hamm – Die Welt wird immer digitaler. Das gilt auch für Supermärkte. Apps von Supermarkt-Ketten und Discountern werden immer beliebter. Fast drei Viertel der Smartphone-Nutzer verwenden laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom Apps von Supermärkten, um Rabattcodes einzulösen oder an Treueprogrammen teilzunehmen. Deren Nutzen wird Experten zufolge jedoch überschätzt.

Verbraucherschutz: Vorteile von Supermarkt-Apps überschätzt

Vermeintliche Sparvorteile regen Kunden zum Kauf an. Expertin warnt vor Irrtümern bei Supermarkt-Apps (Symbolbild)

„Der Spar-Vorteil ist oft geringer als gedacht und Verbraucher zahlen für die Rabatte mit der Preisgabe umfangreicher persönlicher Daten“, sagt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW. Kunden sparten nicht automatisch Geld und die Ersparnisse seien zudem nicht immer eindeutig. Ein Produkt im Sonderangebot könnte beispielsweise immer noch teurer sein als vergleichbare Produkte anderen Marken. Auch psychologische Tricks wie zeitliche begrenzte Angebote und vermeidlich begrenzte Artikel würden den Kunden zum Kauf verleiten.

Bonusprogramme zielen auf Kundenverhalten – Experten empfehlen, Datenschutzeinstellung anzupassen

Zwar ist das Herunterladen der Apps kostenlos, aber Kunden bezahlen mit ihren Daten. „Je mehr Anbieter über ihre Kunden wissen, desto schwieriger ist es, sich diesem Einfluss zu entziehen“, so Datenschutzexpertin Steffen. App-Nutzer gewähren „mitunter tiefe Einblicke in ihr Leben“, warnen die Verbraucherschützer. Die Handelsunternehmen nutzten die Daten, um Rückschlüsse auf das Einkaufsverhalten der Kunden zu untersuchen. Ziel sei es, durch individuell zugeschnittene Werbung die Kaufentscheidung zu beeinflussen.

Die Verbraucherzentrale NRW rät, die Datenschutzeinstellungen anzupassen. Kunden könnten Apps den Zugriff auf ihren Standort, sowie der Personalisierung widersprechen. Auch sei es möglich, beim Anbieter nachzufragen, welche personenbezogene Daten verarbeitet werden.

Kritik an Supermarktketten: Klagen und Beschwerden häufen sich

Kritik an den Apps der Supermarktketten ist nichts Neues. Immer wieder kommt es zu Beschwerden und Klagen. So hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen Lidl und Penny Klage eingereicht, da ihre Rabatte oft schlecht nachvollziehbar seien. Zudem seien bei der Werbung von Produkten lediglich Preise für App-Nutzer aufgeführt. Nicht angegeben wurden hingegen Preise für normale Supermarktkunden, die keine App nutzen. Auch die Senioren-Union der CDU hat auf die Benachteiligung älterer Menschen durch Supermarkt-Apps hingewiesen.

Edeka ist bei Payback eingestiegen, doch nicht jede Filiale macht mit

Edeka hat erst vor kurzem das Payback-System eingeführt. Doch Kunden kritisieren, dass nicht jede Filiale an der Aktion teilnimmt. „Edeka ist kein Konzern, sondern ein genossenschaftlicher, dezentraler Verbund, der von selbstständigen Kaufleuten getragen wird“, erklärt eine Sprecherin von Edeka Region Rhein-Ruhr auf wa.de-Nachfrage. Diese Kaufleute würden „eigenständig über alle unternehmerischen Fragen“ entscheiden, so auch über die Frage, ob sie am Payback-Programm teilnehmen oder nicht.

Neue Supermarkt-App Rewe-Bonus kassiert harte Kritik

Während Edeka das Payback-System neu eingeführt hat, hat Rewe es zum Jahresende 2024 abgeschafft und jetzt ein eigenes Programm gestartet. Kunden können beim Kauf bestimmter Produkte ein Guthaben in Euro sammeln, das sie bei zukünftigen Einkäufen flexibel einlösen können. Doch auch dieser vermeintliche Spartrick führt zu Diskussionen. Zudem hatten auch zahlreiche Kunden massive Probleme mit Rewe-Bonus, nachdem sie von Hackerangriffen betroffen waren. Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat gegen Rewe juristische Schritte eingeleitet. Grund sei, dass bei Artikeln in der App zwar der Bonus angegeben ist, aber nicht der Preis der Produkte.

Allzu hohe Ersparnisse sollten Supermarkt-Kunden also nicht erwarten. Verbraucher sollten genau abwägen, ob sich der Einsatz solcher Apps für sie lohnt. (pk)

Rubriklistenbild: © Cavan Images/IMAGO

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