VonPeter Kieferschließen
Den geplanten Zuverdienst von 2000 Euro steuerfrei für Rentner sieht Caritas-Chefin Welskop-Deffaa sehr kritisch. Stattdessen hält die Expertin eine andere Maßnahme für überfällig.
Die von der Merz-Regierung geplante Aktivrente ist sehr umstritten. Jetzt hat sich auch die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands kritisch geäußert. Denn Eva Maria Welskop-Deffaa hält die geplante Aktivrente für ungerecht gegenüber jüngeren Generationen.
Aktivrente in Deutschland: Scharfe Kritik von Caritas-Präsidentin an Merz-Regierung
„Es ist nicht hilfreich, den Älteren zulasten der Jungen teure Steuergeschenke zu machen“, mahnt die Caritas-Chefin gegenüber t-online. Die Aktivrente führe vielmehr „im Generationenverhältnis zu schwer erklärbaren Ungerechtigkeiten“. Zuletzt hatte Kanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Generaldebatte erklärt, man müsse ein Umdenken beim Renten-Generationsvertrag anstreben, um mehr soziale Gerechtigkeit zu erreichen. Es dürfe nicht sein, dass junge Menschen zusätzlich belastet werden, nur weil sie in der Unterzahl seien.
Ältere sollen nach den Regierungsplänen künftig neben der vollen Rente noch 2000 Euro steuerfrei hinzuverdienen können. „Wenn aber junge Eltern ihre Erwerbstätigkeit wieder aufstocken, sobald die Kinder in der Schule sind, kommt jeder Euro, den sie mehr verdienen, in die volle Steuer-Progression“, bemängelt Welskop-Deffaa.
Caritas-Chefin fordert Einbeziehung von Selbstständigen in die Rentenversicherung
Als wesentlich sinnvoller und gar überfällig bezeichnet Welskop-Deffaa die Einbeziehung von Selbstständigen in die Rentenversicherung, um die Rentenkassen zu stabilisieren. Denn speziell diese seien von Altersarmut bedroht. Viele Selbstständige würden dieses Risiko unterschätzen: „Sie nutzen in den ersten Jahren der Selbstständigkeit jeden Euro für die Gründungsidee – und merken zu spät, dass sie damit große Lücken in ihrer Altersabsicherung aufreißen.“
Auch werde die Arbeitswelt immer hybrider. So wechseln viele Menschen auch in Deutschland zwischen Anstellung und Selbstständigkeit – oder aber kombinieren beides. Allerdings würden auch dann nur Teile des Einkommens entsprechende Beiträge in die Rentenkasse fließen.
„Solidarische Umverteilung in der gesetzlichen Rente intensiver nutzen“
Die Caritas-Präsidentin bezeichnete zugleich das Rentenniveau als eine „überschätzte Kennzahl“. Sie sage wenig darüber aus, wie viel Rentner tatsächlich im Geldbeutel haben. Die Koalition will die Haltelinie für das Rentenniveau bei 48 Prozent bis 2031 verlängern – sprich das Absicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Löhnen der Arbeitnehmer.
Die Expertin plädiert stattdessen dafür, die Spielräume solidarischer Umverteilung in der gesetzlichen Rente intensiver zu nutzen: „Es darf nicht sein, dass Menschen 40 Jahre lang Beiträge zahlen und am Ende trotzdem keine existenzsichernde Rente erhalten. Damit zerstören wir das Vertrauen in das System. Deshalb sollte in der Rentenformel unterschieden werden: zwischen denen, die jahrelang aus kleinen Einkommen und denen, die aus hohen Einkommen Beiträge gezahlt haben.“
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