Starker Stellenabbau

Mode-Unternehmen Gerry Weber will 122 Filialen schließen

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Kahlschlag bei Gerry Weber: Bis zum Herbst will das Mode-Unternehmen aus Ostwestfalen 122 Filialen schließen. Der Stellenabbau ist groß.

Halle/Westfalen - Die Bekleidungshersteller Gerry Weber mit Sitz in Halle/Westfalen (NRW) befindet sich seit längerem in finanziellen Problemen. Im April 2023 hatte das Unternehmen vor Gericht einen Antrag auf Einleitung eines Sanierungsverfahrens gestellt, nun folgen drastische Einschnitte ins Filialnetz. Mehr als die Hälfte aller Standorte soll geschlossen werden.

Wer?Modehersteller Gerry Weber
Was?Schließung von 122 Filialen
Wann?Bis Ende September 2023

Kahlschlag bei Gerry Weber: Modekette aus NRW schließt 122 Filialen

Der Kahlschlag bei der etablierten Modekette ist enorm: Von den aktuell 171 Stores und Outlets will Gerry Weber bis Ende September dieses Jahres 122 dicht machen. Das teilte das Unternehmen mit. Die Schließung von unprofitablen Standorten ist ein Teil der Sanierungsbemühungen. Auch Shops in anderen Shops, etwa bei Galeria Karstadt-Kaufhof, sollen geschlossen werden. Welche Filialen in NRW geschlossen werden, ist bekannt.

Kunden müssen sich umstellen, härter treffen die Absichten des Mode-Unternehmens jedoch die Mitarbeitenden. Rund 350 Vollzeitarbeitsplätze werden durch die Schließungen wegfallen. Weitere 75 Stellen sollen in den Zentralbereichen in Halle (Westfalen) gestrichen werden.

Der Modehersteller werde sich in Zukunft wieder verstärkt auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren und damit zu seinen Wurzeln zurückkehren, kündigte Firmenchefin Angelika Schindler-Obenhaus aus. Im Filialgeschäft werde sich das Unternehmen auf den gesunden Kern beschränken. Der vor mehr als zehn Jahren eingeschlagene Kurs, immer mehr eigene Läden zu eröffnen, wird damit korrigiert

Gerry Weber: Mehr als 400 Stellen werden gestrichen

Für den Stellenabbau seien bereits ein Interessenausgleich und ein Sozialplan mit dem Betriebsrat vereinbart worden, hieß es aus dem ostwestfälischen Unternehmen. Auch bei einer deutschen Kultmarke werden Stellen abgebaut - das Unternehmen geht in die Insolvenz.

Der vom Amtsgericht Essen im Zuge des Verfahrens bestellte Sanierungsexperte Stefan Meyer betonte, der jetzt eingeschlagene Kurs sei „ohne Alternative, um den erhaltenswerten Kern von Gerry Weber zu schützen und den Konzern für die Zukunft robust, belastbar und auf finanziell solidem Fundament im Markt zu platzieren“.

Gerry Weber schon seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen

Die Gerry Weber International AG hatte im April beim Essener Amtsgericht die Einleitung eines Sanierungsverfahrens nach dem Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG) beantragt. Die Gerry Weber Retail GmbH, in der das Filialgeschäft gebündelt ist, hatte kurz darauf Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Insolvenzverfahren wurde am Montag (27. Juni) eröffnet.

Erst vor gut drei Jahren hatte Gerry Weber schon einmal mithilfe eines Insolvenzverfahrens vor dem Aus gerettet werden müssen. In diesem Zuge gab es schon damals eine Schließungswelle. 120 Läden wurden dichtgemacht, davon waren etwa 450 Jobs betroffen. 

Die Modebranche kommt nicht zur Ruhe. Ein Hersteller von Herrenmode aus Herford mit 400 Beschäftigten stellte im April einen Antrag auf Insolvenz. Beim schwer angeschlagenen Warenhaus-Giganten Galeria Karstadt Kaufhof gab es zuletzt immerhin eine überraschend gute Nachricht, was die Fortführung eines markanten Standorts angeht.

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