Spiel oder Ärger?

Hunde bleiben wie erstarrt stehen – was hinter dem rätselhaften Verhalten steckt

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Treffen die Hunde Serling und Mia aufeinander, verharren sie minutenlang in einer Schockstarre. Wird es gleich knallen oder im Spiel enden? Was hinter diesem Verhalten steckt.

Ganz gleich, ob mit uns Menschen oder mit Artgenossen – Hunde geraten relativ häufig in eine Konfliktsituation, die sie grundsätzlich mit vier Strategien lösen können. Eine dieser Strategien ist das „Freeze“ (Einfrieren). Dabei werden die Hunde komplett steif und zeigen keinerlei Bewegung. Wie das aussehen kann, zeigt eine junge Frau aus El Salvador. Ale Miranda hat ihre beiden Vierbeiner Serling und Mia dabei beobachtet und unter @alemirrranda auf TikTok geteilt. Das Video sorgte für jede Menge Aufsehen und erzielte mehr als 27 Millionen Klicks.

Wer guckt zuerst weg oder läuft davon?

@alemirrranda 🧐🧐ALGUIEN EXPLIQUEMEEE COMO SE PUSIERON DE ACUERDO PARA JUGAR ESTO????? #fyp #dogsoftiktok #perros ♬ sonido original - Ale Miranda

In der Regel dauert so ein Einfrieren nur einige Sekunden, doch diese Beiden haben es laut Frauchen auf ganze neun Minuten gebracht. „Es war, als wäre die Zeit stehen geblieben“, sagt Ale Miranda, als sie ihre Vierbeiner im Flur erblickt. „Es ist verrückt.“ Ein komplett gegenteiliges Verhalten zeigt ein Golden Retriever an der Leine, der von einem frei laufenden Hund begrüßt wird.

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Zuerst fand sie das Verhalten ziemlich rätselhaft und konnte es sich nicht erklären. Vor Sorge fragte sie ihren Tierarzt um Rat. Der gab Entwarnung und versicherte ihr, dass es nur ein Spiel zwischen den beiden ist. „Sobald sich einer der beiden bewegt, fangen sie an, sich gegenseitig zu jagen“. Sie scheinen sich regelrecht einen Spaß daraus zu machen, wer es länger aushält und beginnen nach Abbruch fröhlich herumzutoben. An bestimmten Signalen erkennen Sie, ob sich ein Vierbeiner wohlfühlt.

Ausreißer-Gene: Zehn Hunderassen, die gerne ausbüxen

Der clevere und unerschrockene Beagle wurde ursprünglich zur Treibjagd auf Beutetiere eingesetzt.
Der clevere und unerschrockene Beagle wurde ursprünglich zur Treibjagd auf Beutetiere eingesetzt. Sein Drang, eine Spur zu verfolgen, ist dementsprechend groß. Er gilt als zielstrebig und sehr ausdauernd. Das macht ihn auch zu einem guten Ausbrecher-König. © YAY Images/Imago
Der Siberian Husky ist für seinen ausgeprägten Bewegungsdrang bekannt.
Der Siberian Husky ist für seinen ausgeprägten Bewegungsdrang bekannt. Wird der Hund nicht richtig ausgelastet, kann es sein, dass er sich selbst seine Aufgaben sucht. Zudem zeigt er ein starkes Jagdverhalten. © YAY Images/Imago
Der Pudel zählt mit zu den intelligentesten Rassen überhaupt.
Der Pudel zählt mit zu den intelligentesten Rassen überhaupt. Er besitzt jede Menge Humor und sieht zudem niedlich aus. Sein Aussehen sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass er auch eine große Leidenschaft fürs Jagen hegt und auch sonst für jedes Abenteuer zu haben ist. © Panthermedia/Imago
Der Bloodhound ist ein Lauf- und Meutehund und verfügt über eine ausgezeichnete Spürnase.
Der Bloodhound ist ein Lauf- und Meutehund und verfügt über eine ausgezeichnete Spürnase. Gerade wegen seiner guten Nase ist der Belgier als Jagdhund extrem beliebt. Auch bei der Nachsuche oder der Verbrecherjagd wird er gerne eingesetzt.  © Ardea/Imago
Berhardiner gelten allgemein als ruhig, freundlich und ausgeglichen.
Berhardiner gelten allgemein als ruhig, freundlich und ausgeglichen. Doch die Hunde können auch stur sein und haben einen eigenen Kopf. Wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt, können sie auf Durchzug schalten und gehen dann ihre eigenen Wege. © Pond5 Images/Imago
Der Jack Russell Terrier ist ausgesprochen flink und clever und begeistert mit seiner witzigen Art.
Der Jack Russell Terrier ist ausgesprochen flink und clever und begeistert mit seiner witzigen Art. Nichtsdestotrotz benötigt der Vollblut-Jagdhund eine konsequente Erziehung – sonst kann es passieren, dass er schneller weg ist, als man glaubt. © Pond5 Images/Imago
Auch der Zwergpinscher neigt dazu, gerne mal auf Entdeckungstour zu gehen
Auch der Zwergpinscher neigt dazu, gerne mal auf Entdeckungstour zu gehen. Er ist ein Hund voller Energie und Bewegungsfreude. Zudem gilt er als äußerst mutig. Sein Jagdverhalten sollte nicht unterschätzt werden. © imagebroker/Imago
Der Louisiana Catahoula Leopard Dog ist ein Arbeitshund mit einer hervorragenden Nase.
Der Louisiana Catahoula Leopard Dog ist ein Arbeitshund mit einer hervorragenden Nase. Er wurde zum Treiben von Rindern oder für das Aufspüren von Tieren eingesetzt. Bekommt er keine geistige und körperliche Auslastung, kann er zum Ausreißer werden. © Pond5 Images/Imago
Der English Pointer benötigt regelmäßig und viel Bewegung.
Der English Pointer benötigt regelmäßig und viel Bewegung. Als durchtrainierter und mutiger Jagdhund nimmt er seine Sache sehr ernst und braucht klare Regeln. Bekommt er diese nicht, kann er sehr kreativ werden und sich selbst beschäftigen. © Panthermedia/Imago
Die Deutsche Dogge ist ein extrem großer und mächtiger Hund und dabei extrem sensibel und sanftmütig.
Die Deutsche Dogge ist ein extrem großer und mächtiger Hund und dabei extrem sensibel und sanftmütig. Erschreckt sie sich oder benötigt Raum und Ruhe für sich, kann sie von zu Hause ausreißen. Und: Eine Dogge ist nur rein theoretisch angeleint. Aufgrund ihrer Kraft kann sie sich immer losreißen. © Westend61/Imago

Doch nicht bei allen Hunden muss das Einfrieren ein Spiel bedeuten. Manche Hunde erstarren zur Salzsäule und warten, bis die Situation vorbei ist.

Die vier Konfliktstrategien, die Hunde anwenden

  • Flight (Flüchten)
  • Fight (Kämpfen)
  • Freeze (Einfrieren)
  • Fiddle/Flirt (Herumalbern)

Flucht: Diese Strategie beinhaltet, dass der Hund versucht, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen, indem er sich zurückzieht oder wegläuft. Das kann sich im Rennen, Verstecken (im Gebüsch oder unter dem Sofa) oder Rückwärtsgehen äußern. Hunde wählen oft die Flucht, wenn sie sich überfordert oder bedroht fühlen.

Kampf: Angriff ist eine Konfliktstrategie, die Hunde einsetzen, wenn sie sich bedroht fühlen oder ihre Ressourcen verteidigen wollen. Dies kann sich durch Knurren, Bellen, Zähnefletschen oder sogar durch Angriffe zeigen. Aggressives Verhalten kann aus verschiedenen Gründen auftreten, einschließlich Angst, Unsicherheit, Dominanz oder territoriales Verhalten.

Freeze: Beim Einfrieren verharrt der Hund in einer bestimmten Position und erstarrt regelrecht. Diese Strategie ist meist mit Unsicherheit verbunden und soll dem Hund helfen, sich „unsichtbar zu machen“. Meist wartet er, bis die Situation vorbei ist.

Fiddle: Hunde verwenden Beschwichtigungssignale, um Spannungen zu reduzieren und Konflikte zu vermeiden. Dazu gehören das Abschwächen des Blickkontakts, das Gähnen, das Kratzen, das Lecken der Lippen, das Heben einer Pfote oder sich im Kreis drehen. Auch eine Spielaufforderung oder eine unterwürfige Annäherung können vorkommen. Diese Übersprungshandlungen dienen dazu, die Situation zu deeskalieren und dem Gegenüber zu signalisieren, dass der Hund keine Bedrohung darstellt.

Rubriklistenbild: © TikTok (alemirrranda)

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