Engagement für mehr Tierwohl

Nach Fleisch bald auch Käse: Edeka und Aldi stellen Sortiment um

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Edeka und Aldi Süd stellen ihr Käsesortiment um – was das für ihre Eigenmarken bedeutet und worauf sich Kunden jetzt einstellen müssen.

Kassel – Ob Gouda, Camembert oder Mozzarella – Käse ist eines der beliebtesten Lebensmittel der Deutschen. Nach Angaben des Milchindustrie-Verbands (MIV) haben im Jahr 2022 die Deutschen im Durchschnitt 24,6 Kilogramm Käse gegessen. Ihr jährlicher Verbrauch liegt über dem EU-Schnitt von etwa 20 Kilogramm.

Wie die Supermarktkette Edeka und der Discounterriese Aldi Süd nun am Montag (22. Januar) ankündigten, wird es im Januar eine nachhaltige Neuerung geben, die vor allem ihre Eigenmarkensortimente betrifft. Aldi hatte für 2025 bereits eine große Neuerung angekündigt und will nächstes Jahr kein Billigfleisch mehr im Sortiment anbieten.

Nachhaltige Neuerung: Edeka und Aldi Süd bauen ihr Käsesortiment um (Symbolbild)

Neuerung im Käsesortiment: Edeka und Netto setzen auf höhere Haltungsformen

Edeka will nach eigenen Angaben einen neuen Standard im Handel setzen und sich für mehr „Tierwohl“ in der Lebensmittelindustrie engagieren. Wie der Edeka-Verbund in einer Pressemitteilung mitteilte, stellt das Unternehmen ab Januar „relevante Käseartikel der Preiseinstiegsmarke „Gut&Günstig“ auf die Halterungsform 3 um“. Dies soll allerdings keinerlei Auswirkungen auf die Preise haben, betont das Unternehmen. Diese sollen trotz Umstellung gleich bleiben.

Stufe 1: StallhaltungFleisch von Tieren, das mit dem roten Label der Stufe 1 gekennzeichnet ist, kommt aus Tierhaltung, die dem gesetzlichen Standard entspricht. Bei Schweinen, Hühnchen und Puten ist eine Zulassung im QS-System erforderlich. Bei Jungbullen und Schlachtkühen ist das ab 2020 der Fall.
Stufe 2: Stallhaltung PlusMit dem blauen Label der Stufe 2 wird Fleisch gekennzeichnet, das aus einer Haltung stammt, die über die gesetzlichen Standards hinausgeht – darunter fällt auch das Fleisch aus Betrieben der Initiative Tierwohl. Das bedeutet, Tiere haben mindestens zehn Prozent mehr Platz im Stall als gesetzlich vorgeschrieben und es steht ihnen zusätzliches Beschäftigungsmaterial zur Verfügung.
Stufe 3: AußenklimaMit dem orangefarbenen Label der Stufe 3 wird Fleisch gekennzeichnet, das von Tieren stammt, die Zugang zu Außenbereichen haben. Damit entspricht die Stufe z. B. den Richtlinien des landwirtschaftlichen Fachverbands Neuland. Neuland-Fleisch wird beispielsweise mit Futtermitteln ohne Gentechnik produziert, die Tiere haben mehr Platz im Stall und Außenklimakontakt.
Stufe 4: Premium Mit dem grünen Label der Stufe 4 wird z. B. Biofleisch gekennzeichnet, das die Anforderungen an die europäische Öko-Verordnung und ihre Richtlinien erfüllt. Aber auch Fleisch aus anderen Programmen kann so gekennzeichnet werden, wenn die entsprechenden Mindestanforderungen eingehalten werden.
Quelle: Initiative Tierwohl

„Der Großteil der Artikel unter der Eigenmarke soll bereits bis März 2024 auf Milch aus höherer Haltungsform umgestellt werden. Weitere Käseprodukte sollen in Kürze folgen“, heißt es weiter. Auch das Tochterunternehmen Netto nehme an der Umstellung teil. „Um den Bedarf an Milch aus Haltungsform 3 zu decken, arbeitet Edeka mit namhaften Lieferantenbetrieben zusammen. Die Listung der Produkte kann aufgrund der Verfügbarkeit der Rohware jedoch regional unterschiedlich ausfallen“, schreibt das Unternehmen in seiner Pressemitteilung. Markenhersteller, die Käse aus Haltungsform 1 oder 2 anbieten, soll es, wie Focus berichtet, aber weiterhin geben.

Auch Aldi Süd nimmt Umstellung vor – an der Kühltheke hingegen ändert sich nichts

Aldi Süd hatte im vergangenen Februar bereits sein gesamtes Wurstsortiment der Frischetheke auf Bio umgestellt. Jetzt folgt das Käsesortiment. Demnach bietet der Discounter „alle Käseartikel der Aldi-Eigenmarken ausschließlich aus Haltungsform 4, und damit in Bio-Qualität an“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens am Montag. Im Dezember verabschiedete sich Aldi Süd nach nur wenigen Monaten von fast allen „Einfach gut“-Produkten.

Anlässlich der Umstellung ihres Käsesortiments werden ab dem 29. Januar „viele Artikel aus der Aldi Süd Frischetheke zum günstigen Probierpreis angeboten“, so das Unternehmen weiter. In der Kühltheke hingegen werden Verbraucher weiterhin günstige Käseprodukte finden. Mitte letzten Jahres nahm Aldi-Süd eine große Änderung vor und baute ihr Bio-Sortiment weiter aus. Dazu führte das Unternehmen eine neue Bio-Marke ein.

Aldi und Edeka: Lebensmittelhersteller will pflanzlichen Produkten mehr Platz einräumen

Auch bei den Halterungsformen wird es eine wichtige Änderung geben. Im Sommer soll nämlich eine fünfte Stufe hinzukommen. Anhand der Haltungsform-Kennzeichnung können Verbraucher dann noch deutlicher erkennen, welche Fleischsorte sie kaufen.

Der Januar bringt aber noch weitere Neuerungen mit sich. So teilte die Rügenwalder Mühle GmbH & Co. KG vor ein paar Tagen auf ihrer LinkedIn-Seite mit, dass sie sich von ihrem ikonisches „Auf’s Brot“-Produkt „Schinken Spicker“ aus Fleisch verabschieden und ihren Klassiker künftig nur noch vegan anbieten werden. „Mit dieser Entscheidung wollen wir den Weg, den wir 2014 begonnen haben, konsequent weitergehen, indem wir unseren veganen und vegetarischen Produkten mehr Platz einräumen“, so das Unternehmen. (vw)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/ dpa

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