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Wer allergisch auf Äpfel reagiert, muss deswegen nicht immer auf die Früchte verzichten. Bestimmte Sorten sind besser verträglich, neue Züchtungen versprechen mehr.
Dieses Kribbeln im Mund, dieses Jucken im Hals – wer mit solchen Symptomen auf den Biss in einen Apfel reagiert, hat vielleicht eine Apfelallergie. Bei der es sich genaugenommen um eine Kreuzreaktion auf eine Birkenpollenallergie handelt, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB) erklärt: Da Birkenpollen und Äpfel ähnliche Allergenbausteine besitzen, reagiert das Immunsystem mancher Menschen auch auf das Obst. Doch das bedeutet nicht, dass Allergiker ganz auf Äpfel verzichten müssen – vor allem alte Apfelsorten ermöglichen manchmal einen beschwerdefreien Genuss.
Alte Apfelsorten und bestimmte moderne Züchtungen sind allergenärmer
Über drei Millionen Menschen sind in Deutschland von allergischen Reaktionen auf Äpfel betroffen. Einen Hoffnungsschimmer zeigen hier bundesweit zusammenarbeitende Forscher, die laut der Technischen Universität München (TUM) zwei besonders allergikerfreundliche Apfelsorten mit den wenig klangvollen Bezeichnungen ZIN 168 und ZIN 186 entwickelten. Diese lieferten sehr vielversprechend Ergebnisse und dürfen künftig das ECARF-Siegel für allergikerfreundliche Produkte tragen. Allerdings werden die Äpfel erst in ein paar Jahren auf dem Markt sein, da sie erst vermehrt werden müssen.
Bis es so weit ist, sollten sich Allergiker nach alten Apfelsorten umschauen. Warum dies so ist, erklärt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Alte Apfelsorten wie Berlepsch, Goldparmäne und Roter Boskoop weisen ein geringeres allergenes Potenzial auf, da sie einen hohen Polyphenolgehalt haben.“ Diese sekundären Pflanzenstoffe können die Allergene unschädlich machen. Auch modernere Züchtungen wie Rubinette, Santana, Topaz oder Wellant gelten als gut verträglich. Der Bund Naturschutz Lemgo hat hierzu eine Liste mit der Verträglichkeit sehr vieler Sorten veröffentlicht.
Jeder Allergiker reagiert anders auf einen Apfel
Wie viel allergenes Potenzial ein Apfel hat, hängt allerdings laut dem DAAB nicht allein von der Sorte ab. Jeder Mensch reagiert individuell mehr oder weniger stark auf einen Apfel, daher sollten Allergiker sich Stück für Stück an die Früchte herantasten. Das Hauptallergen des Apfels heißt „Mal d 1“ – sein Gehalt in einem Apfel wird auch von der Qualität des Bodens, auf dem der Baum gewachsen ist, dessen Gesundheitszustand oder dem Klima des jeweiligen Jahres bestimmt. Letztendlich spielt auch die Stärke des Pollenflugs oder der Lebensstil einer Person eine Rolle: Ob jemand raucht, viel Sport treibt oder Medikamente nimmt – all dies hat Einfluss. Ob ein Apfel hingegen biologisch oder konventionell angebaut und gegebenenfalls gespritzt wurde, hat mit seinem Allergengehalt nichts zu tun.
Ein Tipp für die Küchenpraxis: Mit zunehmender Lagerung eines Apfels und dem Reifegrad erhöht sich sein Allergengehalt. Daher sollten Allergiker zu möglichst frischen Äpfeln greifen. Da viele Eiweiße direkt unter der Schale sitzen, soll auch das Schälen der Äpfel sinnvoll sein. Durch Erhitzen wiederum werden die allergenen Eiweißbausteine zerstört, daher ist beispielsweise Apfelmus, Kompott, Apfelkuchen oder ein kurz in der Mikrowelle erhitzter Apfel oft besser verträglich.
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