VonSimon Monesschließen
Der Hyundai Ioniq 6 ist das „World Car of the Year“. Wir haben das Elektroauto im Alltag getestet. Vor allem die Performance an der Ladesäule hat uns imponiert.
Auf den ersten Blicken würde man beim Inoiq 6 nicht denken, dass man grade vor einem Hyundai steht. Viel mehr erinnert das Elektroauto an den Mercedes CLS oder den luxuriösen EQS. Statt aus Stuttgart kommt die 4,86 Meter lange Limousine aus Soul. Verstecken muss sich der Inoiq 6 aber nicht. Ganz im Gegenteil!
Hyundai Ioniq 6 im Test: Große Reichweite, kleiner Verbrauch
Optisch weiß der Koreaner zu überzeugen und unterscheidet sich deutlich vom Schwestermodell Ioniq 5. Einzig die LED-Kacheln zeugen von der Verwandtschaft. Das Ziel ist klar, sowenig Luftwiderstand wie möglich. Das ist den Ingenieuren auch gut gelungen, der cW-Wert liegt bei lediglich 0,21. Das Heck des Ioniq 6 ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig.
Doch das ist schnell vergessen, denn während der Fahrt zeigt sich, warum Hyundai auf den Luftwiderstand geachtet hat. Das Zauberwort heißt: Effizienz. Und die beherrscht der Ioniq 6 wie kaum ein anderes Elektroauto auf dem Markt. Im ADAC EcoTest reichte die 77,4-kWh-Batterie für eine Reichweite von 555 Kilometern. Ganz so weit sind wir nicht gekommen, aber rund 400 Kilometer sind ebenfalls eine gute Leistung. Der Verbrauch lag dabei je nach Strecke zwischen 16,5 und 19 kWh pro 100 Kilometer.
Akku dank 800-Volt-Technologie schnell geladen
Auch an der Ladesäule überzeugt der Hyundai Inoiq 6 in unserem Alltagstest. Von 15 auf 80 Prozent lädt die Elektro-Limousine in unter 20 Minuten. Und auch der Ladevorgang von fünf auf über 90 Prozent dauert es nicht mal eine halbe Stunde. Und das ganz ohne den Wunder-Akku, den CATL für 2024 angekündigt hat.
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Möglich sind solche kurzen Ladezeiten dank der verbauten 800-Volt-Technologie. In der Spitze kann der Hyundai Ioniq 6 am Schnellader mit bis zu 240 Kilowatt nachladen. Der Koreaner bietet somit das Beste aus beiden Welten und wird für Vielfahrer sehr interessant.
Hyundai Ioniq 6 kommt mit drei Fahrmodi: Von sparsam bis sportlich
Die freuen sich dann auch über den ruhigen Fahrkomfort. Auch lange Strecken lassen sich mit dem Hyundai Ioniq 6 ganz entspannt zurücklegen. In der Basisversion – mit der kleineren 53-kWh-Batterie – sorgt ein E-Motor mit 151 PS für Vortrieb. Wer zur großen Batterie greift, darf sich auf 220 PS freuen. In der Allradversion leisten die beiden E-Aggregate zusammen sogar 325 PS. Den Sprint von null auf Tempo 100 schafft der Inoiq 6 dann in 5,1 Sekunden.
Für richtig viel Fahrspaß sorgt der Sportmodus. Dann wird auf dem 12,25 Zoll großen digitalen Cockpit auch der Torque dargestellt. Alles natürlich in einem sportlichen Rot. Zudem gibt es noch zwei weitere Fahrmodi, die über einen Knopf am Lenkrad ausgewählt werden können: Normal und Eco.
Basisversion kommt mit zahlreichen Fahrassistenten
Das digitale Cockpit ist übrigens genau so in der Basisversion enthalten wie das Navigationssystem, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandsregelung und Stopp-Funktion, ein Spurhalteassistent und eine Rückfahrkamera. Wer sich für das Top-Modell entscheidet, bekommt zudem Privacy-Verglasung, wärmedämmende Frontscheibe, Head-up-Display, Matrix-LED-Scheinwerfer, elektrisch einstellbare Sitze, Sitzheizung im Fond, Wärmepumpe und zahlreiche weitere Extras. Reicht das noch immer nicht, gibt es auch eine 360-Grad-Kamera, einen Parkassistenten mit Fernbedienung, Fahrer- und Beifahrersitze mit Belüftung und Relaxfunktion sowie ein Bose-Soundsystem.
Gegen Aufpreis gibt es zudem digitale Außenspiegel. Das ist vor alle etwas für Technikbegeisterte. Unser Testauto hatte diese nicht, dafür jedoch eine Kamera unterm Spiegel, deren Bild beim Abbiegen im digitalen Cockpit eingeblendet wurde. Eine sehr elegante Lösung.
Moderner Innenraum mit zu viel Hartplastik
Weniger gefallen hat uns indes die Steuerung der Klimaanlage. Ähnlich wie bei vielen VW-Modellen erfolgt diese über Touchfelder in der Mittelkonsole. Berührt man diese, taucht die Menüführung auf dem Navigationsdisplay auf. Gleiches gilt auch für die Sitzheizung. Das ist unpraktisch und lenkt unnötig ab. Kritik gibt es auch für Apple CarPlay. Die Nutzung ist nur mit einem USB-Kabel möglich. Bei einem Auto in dieser Preiskategorie wäre eine drahtlose Lösung wünschenswert.
Das Sitzangebot im Fonds ist indes sehr gut, allerdings wird es nach oben schnell knapp. Schon ab einer Größe von 1,80 Meter berührt man die Decke. Die Vordersitze lassen sich zudem in eine Liegefläche verwandeln, sollte mal wieder eine kurze Pause fällig sein. Der Kofferraum bietet ebenfalls ordentlich Platz. Insgesamt macht der Innenraum des Ioniq 6 einen sehr modernen und aufgeräumten Charakter. Als Fahrer findet man sich sehr schnell zurecht. Etwas enttäuschend ist, dass verhältnismäßig viel Hartplastik zum Einsatz kommt. Unterm Strich ist der Hyundai Ioniq 6 aber ein gutes Auto, das eine anständige Reichweite bei niedrigem Verbrauch bietet. Den Titel des „World Car of the Year“ hat er sich definitiv verdient.
Die Basisversion des Hyundai Ioniq 6 gibt es ab 43.900 Euro. Damit konkurriert er preislich mit dem BYD Atto 3 und dem Tesla Model 3. Für das Dynamiq-Paket mit der größeren Batterie werden 54.000 Euro fällig. Im Techniq-Pakrt mit Allradantrieb kostet der Hyundai Inoiq 6 61.100 Euro. Von den Preisen muss aber noch die Umweltprämie abgezogen werden.
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