Psychische Gesundheit

Panikattacken: Fünf Tipps, die im Notfall helfen können

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    Juliane Gutmann
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Angststörungen sind die in Deutschland am häufigsten diagnostizierte psychische Krankheit. Sind Sie auch betroffen?

Stress kann etwas Gutes sein. Unser Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt, was schnellere Reaktionsfähigkeit ermöglicht. Auch in Prüfungssituationen ist Stress von Vorteil: Das Gehirn arbeitet schneller und konzentrierter und die Chancen steigen, dass man bereits vor längerem gelernten Stoff abrufen kann. Kurzfristig ist Stress nicht schädlich für den Körper. Anders sieht es aus, wenn er chronisch wird. Schlafstörungen, Gereiztheit, nervöse Unruhezustände und Rückenschmerzen sind mögliche Anzeichen, dass Sie sich zu wenig entspannen.

Chronischer Stress begünstigt auch eine Reihe von psychischen Krankheiten. Diese werden immer häufiger diagnostiziert. So zeigt eine Veröffentlichung der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, dass die Fehlzeiten wegen seelischer Leiden vom ersten Halbjahr 2022 auf das erste Halbjahr 2023 um 85 Prozent gestiegen sind – so stark wie nie in der jüngeren Vergangenheit. Depressionen, Anpassungsstörungen, Angststörungen: Immer häufiger werden Arbeitnehmer also wegen psychischer Leiden krankgeschrieben.

Angststörungen: Soforthilfe bei Panikattacken – Fünf wirkungsvolle Tipps für den Notfall

Mentale Probleme sind keine Seltenheit. Viele Menschen leiden an Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Erkrankungen.

Angststörungen sind die häufigste psychische Erkrankungsform durch alle Bevölkerungsschichten hindurch. Panikattacken oder Angst vor weiten Plätzen sind Beispiele. Doch es gibt Möglichkeiten, das eigene Risiko für Angsterkrankungen zu senken und im Notfall sofort zu reagieren. Laut einem Beitrag der AOK Baden-Württemberg können Betroffene in solchen Situationen folgendermaßen reagieren und sich damit selbst Soforthilfe leisten:

  1. Sich selbst gut zureden: Um das Gefühl der Angst in akuten Situationen abzuschwächen, hilft es, sich mit wohltuenden Gedanken und Sätzen zu beruhigen. Sagen Sie deshalb zu sich selbst zum Beispiel: „Es ist okay, dass ich eine Panikattacke habe. Ich bin damit nicht alleine. Anderen Menschen geht es auch mal so.“
  2. Radikal akzeptieren: Wer seine Panikattacke annimmt, schafft dadurch Raum für Veränderung. Durch die radikale Akzeptanz kommt zunächst Ruhe in die Situation, da man erstmal nicht mehr dagegen ankämpfen muss.
  3. Atemübungen praktizieren: Gerät ein Mensch in Panik, wird der Atem automatisch flacher. Tiefes Ein- und Ausatmen kann jedoch beruhigen. Dabei kann beispielsweise die 4-6-8-Technik hilfreich sein: Vier Sekunden einatmen, für sechs Sekunden lang die Luft anhalten und acht Sekunden ausatmen.
  4. Sich ablenken: Auch Ablenkung kann helfen, eine Panikattacke zu überwinden. Konzentrieren Sie sich deshalb auf andere Dinge und zählen Sie zum Beispiel rückwärts oder sagen Sie sich sichtbare Gegenstände einer bestimmten Farbe auf.
  5. Notfallkoffer für Panikattacken: Dieser Koffer oder eine Kiste sollte Dinge enthalten, die Sie aus einem starken Angstgefühl herausholen und die Anspannung regulieren können. Dafür eignet sich beispielsweise schöne Musik, ein Wohlfühl-Duft oder leichte Schmerzreize durch das Ziehen und wieder Loslassen eines Gummibandes am Handgelenk. Diese können Sie wieder zurück in die Situation bringen, im Hier und Jetzt erden und den Impuls, der das Angstsignal sendet, relativieren.

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Depression bis Alkoholsucht: Die häufigsten psychischen Krankheiten im Überblick – Jeder dritte ist betroffen

Eine Frau hält ein gefülltes Sektglas in ihrer Hand.
Alkoholsucht zählt zu den am dritthäufigsten diagnostizierten psychischen Leiden. Mit der Medikamentenabhängigkeit zusammen entfallen 5,7 Prozent der Diagnosen auf die Alkoholabhängigkeit. Etwa jeder siebte Erwachsene trinkt Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Damit ist Alkohol nach Nikotin das häufigste Suchtmittel in Deutschland, so die Bundes Psychotherapeuten Kammer. 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, heißt es weiter. (Symbolbild) © Bode/Imago
Medikamentensucht bei Senioren
Neben der Alkoholsucht zählt die Medikamenten-Abhängigkeit zu den am dritthäufigsten verbreiteten psychischen Erkrankungen in Deutschland.  © Jens Kalaene/dpa
Frau schaut aus Fenster
Die sogenannten affektiven Störungen zählen zu den psychischen Erkrankungen, die am zweithäufigsten in Deutschland vorkommen. Die Depression ist wohl der bekannteste Vertreter aus dieser Gruppe. Der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (dgppn) zufolge, entfallen fast 10 Prozent der Diagnosen auf diese Krankheitsgruppe. Alleine 8,2 Prozent sind von einer unipolaren Depression betroffen. Depressionen gehören damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer depressiven Störung, innerhalb eines Jahres sind es ungefähr 8 Prozent, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa
Junge Frau vor dem Schrankspiegel
Angststörungen sind am weitesten verbreitet. Der dgppn zufolge entfallen 15,4 der Diagnosen auf Angststörungen wie Panikattacken, Angst vor weiten Plätzen etc. Bei Betroffenen ist das Angstgefühl so übermächtig, dass es den Alltag immens einschränkt. Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern zählen zu den Symptomen einer Angststörung. (Symbolbild) © Imago
Frau mit Maßband in der Hand
Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind zwar insgesamt gesehen weniger weit verbreitet als oben genannte Krankheiten. Doch in der weiblichen Bevölkerung zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr gehören die Essstörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. Etwa ein Prozent der Frauen erkrankt während ihres Lebens an einer Magersucht, rund zwei Prozent leiden im Laufe ihres Lebens an einer Bulimie. (Symbolbild) © Sergiy Tryapitsyn/Imago

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © AndreyPopov/Imago

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