VonLisa Kleinschließen
Wenn das Renteneintrittalter auf 70 Jahre angehoben wird, bleibt weniger vom Ruhestand. Doch wie viel Jahre hätte der Durchschnittsdeutsche dann noch? Ein Blick auf die Lebenserwartung.
Bis 2031 wird das Renteneintrittsalter in Deutschland schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Früher in Rente geht es nur mit Abschlägen. Doch damit geben sich einige Politiker und Experten nicht zufrieden. Viele vertreten die Meinung, das Renteneintrittsalter müsse noch weiter steigen – idealerweise gekoppelt an die Lebenserwartung. Dabei ist vor allem die Rente mit 70 immer wieder Thema. Doch wie viel hätte der Durchschnittsdeutsche dann noch überhaupt noch von seiner Rente?
Erste Ende Juli hat das Statistische Bundesamt (Destatis) die neusten Zahlen veröffentlicht. Demnach liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland im Jahr 2024 für Frauen bei 83,5 Jahre und für Männer 78,9 Jahre. Bei der Rente mit 70, gekoppelt an die Lebenserwartung, würde der Durchschnittsdeutsche allerdings bereits deutlich älter werden zu dem Zeitpunkt, ab dem die neue Grenze greifen könnte.
Für eine Rente ab 70 Jahren müsste zunächst die Lebenserwartung deutlich steigen
Das ifo Institut schlägt zum Anheben der Regelaltersgrenze die „niederländische Regel“ vor. Das Prinzip funktioniert so: Wenn Menschen drei Jahre länger leben, sollen sie zwei Jahre länger arbeiten (zwei Drittel) und bekommen ein Jahr länger Rente (ein Drittel). So müsste die Lebenserwartung um satte 4,5 Jahre steigen, um einen Renteneintritt von 70 Jahren nach der „niederländischen Regel“ zu rechtfertigen.
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, stieg die Lebenserwartung 2024 im Vergleich zum Vorjahr bei Frauen um gut 0,2 Jahre und bei Männern um knapp 0,4 Jahre an. Beide Geschlechter erreichten damit in etwa wieder das Vor-Corona-Niveau aus dem Jahr 2019. Bereits im Jahr 2023 waren die Werte für Frauen und Männer nach den Rückgängen der Coronazeit deutlich gestiegen. Vor der Pandemie hatte die Lebenserwartung in den Jahren 2011 bis 2019 für beide Geschlechter pro Jahr um durchschnittlich etwa 0,1 Jahre zugenommen, heißt es.
Generell wird in langfristigen Berechnungen der zu erwartenden Lebenserwartung in Deutschland pro Jahr mit 0,1 Jahren gerechnet. Für einen Renteneintritt mit 70 Jahren wäre der „niederländischen Regel“ zufolge eine Lebenserwartung von 4,5 Jahren mehr bei gleichbleibender Entwicklung der Lebenserwartung erst in 45 Jahren erreicht. echo24.de berichtete bereits, welche Jahrgänge die Rente mit 70 demnach treffen könnte.
Rente mit 70 gekoppelt an die Lebenserwartung: So viele Jahre im Ruhestand würden dann über bleiben
Heißt konkret: Die Rente mit 70 sei gerechtfertigt, wenn Frauen im Schnitt 88 Jahre alt werden und Männer 83,4 Jahre alt werden. Damit hätte die deutsche Durchschnittsfrau noch rund 18 Jahre etwas von ihrem Ruhestand – Männer hingegen nur 13,4 Jahre Rente.
Würde die Regierung die Rente mit 70 bereits jetzt einführen, wäre das Rentenleben der Durchschnittsfrau bei der aktuellen Lebenserwartung zufolge lediglich 13,5 Jahre lang, für Männer gerade mal 8,9 Jahre. Bedeutet: Rentner hätten deutlich weniger von ihrem Ruhestand als künftig nach der „niederländischen Regel“.
Beschlossene Sache ist die Rente ab 70 aber noch lange nicht. Der Wirtschaftsweise Martin Werding etwa fordert zunächst die Rente mit 69 Jahren. Generell fordert der Renten-Experten außerdem höhere Abschläge für frühere Eintritte.
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