VonJuliane Reyleschließen
Länger arbeiten und später in Rente gehen. Der Wirtschaftsweise Martin Werding fordert ein neues Renteneintrittsalter, doch seine Reform ist langfristig geplant.
Die Diskussion um das Rentenalter in Deutschland erhitzt erneut die Gemüter – die Rente mit 70 wird von Politikern und Ökonomen immer wieder angesprochen. Doch diesmal fordert der Wirtschaftsweise Martin Werding, dass die Menschen langfristig erst mit 69 Jahren in Rente gehen sollen. Ein Vorschlag, der weit in die Zukunft reicht, aber jetzt schon Wellen schlägt. Was sind seine Gründe?
Ruhestand mit 69 Jahren: Warum soll die Rente nach hinten verschoben werden?
Werding betont gegenüber der Rheinischen Post ganz klar: „Auch wenn es unpopulär ist – wir müssen länger arbeiten.“ Warum? Die Rentenkassen sind immer stärker belastet. Früher bezogen die Menschen im Schnitt nur etwa zehn Jahre Rente, heute sind es schon 20 Jahre – und die Zahl der Erwerbstätigen schrumpft durch weniger Geburten und das Ausscheiden der geburtenstarken Babyboomer-Generation.
Der Plan des Wirtschaftsweisen: Rente mit 69 – aber erst in 45 Jahren
Klar ist: Bis 2031 steigt die Regelaltersgrenze laut Gesetz auf 67 Jahre. Doch für Werding ist danach längst noch nicht Schluss. Er schlägt vor, das Rentenalter alle zehn Jahre automatisch um sechs Monate zu erhöhen, sodass ab 2050 das Rentenalter 68 Jahre beträgt, und ab 2070 sogar 69 Jahre. Laut seinem Modell würden von der zusätzlichen Lebenszeit danach zwei Drittel in Arbeit und nur ein Drittel im Ruhestand verbracht werden.
Bis 69 Jahre arbeiten: Renten-Forderung sorgt für Gegenwind
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas bezeichnet die Debatte als „Scheindebatte“. Sie weist darauf hin, dass viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen bereits frühzeitig in Rente gehen und eine Anhebung des Rentenalters für sie faktisch einer Rentenkürzung gleichkäme. „Wer 45 Jahre geackert hat, für den muss auch mal Schluss sein“, erklärte Bas gegenüber dem RND.
Auch im Interview mit echo24.de kritisierte Werding bereits die Rente mit 63: „Sie können noch, wollen aber nicht“. Ab Dezember stehtaber erst einmal eine andere Renten-Änderung an und mache bekommen Nachzahlungen für rund 17 Monate.
Weitere Vorschläge: Härtere Abschläge und Abschaffung der Witwenrente?
Neben dem Renteneintrittsalter schlägt Werding vor, die Abschläge bei vorzeitiger Rente deutlich zu erhöhen. Statt der bisherigen 3,6 Prozent pro Jahr sieht er eher 5 bis 7 Prozent als „versicherungsmathematisch korrekt“ an, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt.
Außerdem stellt er die Witwenrente infrage – mit der Begründung, dass Frauen in der heutigen Zeit meist finanziell selbstständig sind und auf diese Form der Unterstützung verzichten könnten. Solche Reformen bräuchten allerdings viel Zeit, damit sich die Menschen darauf einstellen können.
Wie steht es um eine Rente mit 69?
Der Vorschlag von Martin Werding, das Rentenalter langfristig auf 69 Jahre zu erhöhen, sorgt für hitzige Diskussionen. Fakt ist: Das deutsche Rentensystem steht vor großen Herausforderungen. Auch wenn die Idee eines immer späteren Ruhestarts nicht jedem gefällt, zeigt sie doch deutlich, wie dringend die Reformfrage auf der Agenda bleibt. Ob Politik und Gesellschaft dazu bereit sind, bleibt abzuwarten. Ob die vom Wirtschaftsweisen Werding geforderte Rentenreform kommen wird, wird sich zeigen.
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