Seltsame Vermehrung

Warum es dem Garten schadet, Schnecken im Beet zu zerschneiden

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Nacktschnecken können im Garten eine Plage sein. Aber es ist keine gute Idee, sie zu zerschneiden oder im Wald auszusetzen.
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Viele Hobbygärtner machen mit Nacktschnecken kurzen Prozess und zerschneiden die Tiere mit einer Gartenschere. Das kann aber ein Fehler sein.

Irgendwie muss man sich der Schnecken im Garten ja erwehren. Jeder hat hierfür seine eigenen Methoden. Ob Absammeln oder Fallenstellen: Was bleibt, ist die Frage, auf welche Weise man die Schädlinge am sinnvollsten tötet und entsorgt. Eine sehr traditionelle Technik von Hobbygärtnern ist das Zerschneiden der Tiere. Dies ist nicht nur etwas unappetitlich und grausam – es kann auch dazu führen, dass man auf einmal mehr Schnecken in den Beeten hat als vorher.

Die Spanische Wegschnecke wird nicht aufgefressen

Manche Tierfreunde nehmen die lebenden Schnecken, die sie im Garten finden, und setzen sie im Wald aus. Das ist gut gemeint, gefährdet aber die dortige Fauna und Flora, indem die Schnecken unter Umständen die an der Stelle lebenden Pflanzen fressen und andere heimische Artgenossen verdrängen. Dies kann das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Pragmatiker nehmen einfach eine Heckenschere und trennen Nacktschnecken von ihrem Leben. Die Leichenteile lassen sie oft im Garten liegen, damit sie von der Sonne austrocknen oder von Aasfressen und Nützlingen wie Kröten oder Igeln beseitigt werden.

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Das ist aus mehrerlei Hinsicht nicht sinnvoll: Wenn es sich um eine der häufigsten Nacktschnecken im Garten handelt, die Spanische Wegschnecke, so hat diese hierzulande kaum natürliche Feinde – da ihr Schleim bitter schmeckt, wird sie abgesehen von Laufenten meist nicht gefressen. Hinzu kommt, dass tote Schnecken im Garten auch in den Geruchsradar von anderen Artgenossen geraten. Und ähnlich einer Bierfalle fühlen sich die kannibalisch lebenden Tiere von weither angezogen, erklärt der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU). Dies wäre auch der Fall, wenn man sie auf den Kompost wirft.

Welche Schnecke ist das? Schädliche und nützliche Schnecken im Garten unterscheiden

Eine Nacktschnecke im Garten frisst ein Salatblatt.
Der kriechende Erzfeind für Hobbygärtner: Die Spanische Wegschnecke ist ein Ureinwohner und keine invasive Art. Sie tritt oft in Massen auf und lässt kein Blatt auf dem anderen. © Zoonar/Imago
Rote Nacktschnecke, Arion rufus, unterwegs auf einem regennassen Waldweg
Die Rote Nacktschnecke (Arion rufus) wird oft mit der Spanischen Wegschnecke verwechselt und wurde inzwischen von dieser ziemlich verdrängt. Sie bevorzugt allerdings abgefallene Pflanzenteile gegenüber Jungpflanzen. © Panthermedia/Imago
Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum)
Auch die Genetzte Ackerschnecke ist ein Hauptverusacher von Fraßschäden an Blumen und Gemüse – sie macht weder vor Blüten noch Wurzeln Halt und vermehrt sich rasant. © blickwinkel/Imago
Frosch sitzt neben Gartenwegschnecke (Arion distinctus).
Die Gartenwegschnecke (Arion distinctus) ist auch nicht jedermanns Liebling. Sie ist nur etwa vier Zentimeter lang, dunkelgrau oder schwarz. Und sie bevorzugt leider Wurzeln und Wurzelgemüse. © agefotostock/Imago
Junge beobachtet Schwarze Wegschnecke
Die braune Form der Schwarzen Wegschnecke (Arion ater) sieht der Spanischen Wegschnecke oft sehr ähnlich. Aber auch wenn sie manchmal tiefschwarz ist – sie verursacht keine nennenswerten Schäden, sondern vertilgt sogar Artgenossen. © Nature Picture Library/Imago
Tigerschnegel (Limax maximus) auf Grashalm
Die meisten Schnegelarten, wie der Tigerschnegel, sind nützlich. Dieser ist sogar einer der wenigen natürlichen Feinde der unbeliebten Spanischen Wegschnecke. © imagebroker/Imago
Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger) auf Laubblättern
Der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger) sieht mit seinen bis zu 20 Zentimetern Länge nicht sehr sympathisch aus, aber er leistet im Garten gute Dienste. © Panthermedia/Imago
Weinbergschnecke auf Hand eines Kindes
Weinbergschnecken sind oftmals groß, aber harmlos. Und sie stehen in Deutschland unter Naturschutz. Man kann sich also freuen, sie im Garten zu finden und darf sie weder töten noch essen. © Westend61/Imago
Zwei weißmündige Bänderschnecken (Cepaea hortensis), kriechen auf einem mit Flechten bewachsenen Zweig im Wasser.
Garten-Schnirkel- oder -Bänderschnecken gibt es mit rosa oder gelbem Gehäuse, mal mit Linien oder ohne. Sie dienen Vögeln als lebenswichtige Nahrung. Der Nützling säubert den Garten von Pflanzenabfall und Aas. © blickwinkel/Imago
Garten-Bänderschnecken und zwei Weinbergschnecken
Ein Artentreffen der Guten: Ein paar Weinbergschnecken und Bänderschnecken in ihrer ganzen Farbvielfalt sind noch keine Schneckenplage. © Zoonar/Imago

Wie Sie die Schnecken töten und entsorgen können

Wer also nicht auch Nachbars Schnecken in seinen Garten locken möchte, kann die Tiere in einem Eimer mit kochendem Wasser übergießen – dann seien sie sofort tot, erklärt Schnecken-Expertin Heike Reise auf Bayern3.de. Als ebenfalls halbwegs tierfreundlich gilt die Methode, die Schnecken lebend einzufrieren, wobei sie langsam einschlafen. Schneckenkadaver werden im Restmüll entsorgt oder im Garten eingegraben. Bevor Sie aber zu solch drastischen Maßnahmen greifen, sollten Sie zuerst prüfen, ob es sich um schützenswerte Schneckenarten handelt. Denn sonst drohen Bußgelder bis zu 65.000 Euro.

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