Hundeverhalten

Warum hecheln Hunde? Was normal ist und wann Sie sich Sorgen machen sollten

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Menschen schwitzen, Hunde hecheln – dieses Prinzip kennen die meisten. Doch was ist, wenn der Hund mit dem Hecheln nicht mehr aufhört? Wann Sie zum Tierarzt sollten.

Wenn es draußen sehr warm ist oder Ihr Hund sich beim Spielen ausgetobt hat, ist es nicht ungewöhnlich, dass er hechelt. Hunde kühlen sich auf diese Weise ab, da sie im Gegensatz zum Menschen kaum Schweißdrüsen besitzen. Durch starkes Hecheln regulieren die Vierbeiner ihre Körpertemperatur, um nicht zu überhitzen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist in diesem Fall wichtig und sollte auch durch Kontrolle des Urins überprüft werden.

Doch auch Hunderassen mit dem brachyzephalen obstruktiven Atemwegssyndrom (BOAS) hecheln stark. Dazu gehören beispielsweise der Boston Terrier, die Französische und die Englische Bulldogge sowie Mops und Boxer. Die brachyzephalen (kurzköpfigen) Rassen hecheln häufig stärker als Hunde mit einer längeren Schnauze. Aufgrund ihrer zuchtbedingt verengten und verkürzten Atemwege bekommen diese Hunde nicht nur schlechter Luft, sondern können auch schlechter abkühlen und hecheln deshalb mehr.

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Ein dritter Grund, weshalb Hunde auffallend hecheln, ohne dass Sie sich Sorgen machen müssen, ist Freude oder Aufregung. Bei manchen Vierbeinern kann große Begeisterung dazu führen, dass sie hecheln und möglicherweise sabbern. In diesem Fall können Hundehalter das Hecheln als normales Verhalten einstufen und müssen nicht tätig werden.

Hund hechelt stark – bei welchen Anzeichen Sie aufmerksam werden sollten

Die Temperatur ist angenehm und Ihr Hund hat sich auch nicht vor Kurzem körperlich angestrengt? Wenn er trotzdem stark hechelt, sollten Sie aufmerksam werden. (Symbolbild)

Hechelt Ihr Hund auch im entspannten Zustand ohne erkennbaren Grund mehr oder schneller als gewöhnlich, sollten Sie ihn zunächst beobachten. Wirkt er außerdem auffallend nervös, könnten folgende Auslöser der Grund für sein intensives Hecheln sein:

  • Angst, Aufregung, Stress: Auch Gähnen, Unruhe, Winseln, häufiges Lefzenlecken, Zittern und Verstecken kann darauf hindeuten, dass Ihr Hund Angst hat oder gestresst ist.
  • Schmerzen und Unwohlsein: Hechelt Ihr Hund auch im Ruhezustand auffallend stark, hat er wahrscheinlich Schmerzen. Zieht er sich zurück, verweigert Futter, möchte nicht berührt werden oder lahmt gar, sollten Sie ihn umgehend zum Tierarzt bringen.
  • Krankheiten und Infektionen: Fallen Ihnen weitere besorgniserregende Symptome wie etwa vermehrter Durst, Gewichtsabnahme oder -zunahme, Probleme mit dem Fell, blasse Schleimhäute, schnelle Erschöpfung, Husten oder Fieber auf, sollten Sie Ihren Hund schnellstmöglich zum Tierarzt bringen. Auch wenn Sie neben dem Hecheln nichts Ungewöhnliches bemerken, Sie aber unsicher sind, ist der Gang zum Arzt empfehlenswert.
  • Vergiftung: Neben dem starken Hecheln, spricht auch nervöse Unruhe, Zittern und vermehrtes Speicheln sowie Durchfall und Erbrechen für eine Vergiftung, beispielsweise durch den Verzehr von Schokolade, Zwiebeln oder Trauben (auch Rosinen). Auch chemische Putzmittel können für Hunde giftig sein. Bringen Sie Ihren Hund dringend zum nächsten Tierarzt – es besteht Lebensgefahr. Kohletabletten für den Hund in der Hausapotheke zu haben, ist aus diesem Grund unverzichtbar. Sie binden Giftstoffe im Körper und verzögern, dass diese in den Blutkreislauf gelangen. So können Sie wertvolle Minuten gewinnen, während Sie Ihren Vierbeiner zum Tierarzt bringen.

Ein Besuch beim Tierarzt wird Klarheit bringen. Im Anschluss an eine Untersuchung wird er eine Diagnose stellen und entscheiden, ob eine Behandlung notwendig ist. Auch im Fall von Angst und Stress beim Hund wird Ihnen der Tiermediziner wichtige Informationen an die Hand geben, wie Sie Ihrem Vierbeiner helfen können.

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„Würstchenhunde“ & Co. – Tierarzt verrät, welche zehn Hunderassen er sich nicht anschaffen würde

Ein Chow-Chow liegt im Garten auf einer Mauer und sonnt sich.
Zum Chow-Chow sagt Ben, der Tierarzt: „Ich bin mir sicher, dass es ein paar Nette unter ihnen gibt. Aber ich finde einfach, dass sie oft kein sehr nettes Temperament haben. Sie können sehr distanziert sein und beim Tierarzt sind sie oft sehr aggressiv. Es ist ziemlich schwer, ihnen einen Maulkorb anzulegen und sie leiden ziemlich häufig an Augenproblemen. Die violetten Zungen sind außerdem ein bisschen nervtötend.“ © blickwinkel/Imago
Ein Cavalier King Charles Spaniel schnüffelt in einer Wiese.
„Sie sind die liebenswertesten Hunde und wenn ich mir eine Hunderasse aussuchen würde, würde ich mich für den Cavvy entscheiden, wenn er nicht so viele gesundheitliche Probleme hätte. So gut wie alle bekommen die gleiche Art von Herzkrankheit: die Mitralklappenerkrankung, was bedeutet, dass viele von ihnen ihre letzten Tage hustend und stotternd verbringen, nach Luft ringen und schließlich an Herzversagen sterben. Meiner Meinung nach ist es nicht fair, einen Hund zu züchten, bei dem die Wahrscheinlichkeit einer Krankheit so hoch ist“, sagt Tierarzt Ben über den Cavalier King Charles Spaniel. © Zoonar/Imago
Drahthaar-, Rauhhaar- und Langhaardackel auf dem Rasen stehend.
Auch für einen Dackel würde sich der Tierarzt nicht entscheiden: „Dackel sind auch wirklich liebenswerte Hunde und einige meiner Lieblingspatienten sind ‚Würstchenhunde‘, aber jeder vierte von ihnen entwickelt im Laufe seines Lebens Rückenprobleme, die von einfachen Schmerzen bis hin zu kompletten Lähmungen reichen können. Dies bedeutet häufig, dass sie an der Wirbelsäule operiert werden müssen, was natürlich ein gewaltiges Unterfangen ist und eine sehr lange Erholungszeit nach sich zieht. Sie sind ebenfalls fantastische Persönlichkeiten, aber bieten einfach zu viel Potenzial für Herzschmerz.“ © VWPics/Imago
Zwei Shar Pei-Welpen stehen neben Holzstoß.
Der Shar Pei gehört ebenfalls zu den Hunderassen, die sich Tierarzt Ben nicht zulegen würde: „Sie haben sogar eine Krankheit, die nach ihnen benannt ist, namens Shar-Pei-Fieber. Es gibt Leute, die weniger übertriebene Shar Peis züchten, aber die meisten von ihnen sind zu faltig. Sie sind so faltig, dass man ihnen die Augenlider festtackern muss, damit die Haare nicht auf ihren Augen reiben. Sie bekommen ständig Hautprobleme und sie haben winzige, enge Ohrkanäle. Beim Tierarzt versuchen sie oft, die Mitarbeiter zu beißen. Die meisten Shar Peis, die ich sehe, haben eine Menge gesundheitlicher Probleme.“ © imagebroker/Imago
Ein Mops blickt traurig nach unten.
Flachgesichtige oder brachycephale Hunderassen: „Hunderassen wie Französische Bulldoggen oder Bulldoggen oder Möpse: Die Gesellschaft hat die Tatsache normalisiert, dass diese Hunde schnauben, weil sie nicht gut atmen können. Es gibt Exemplare, die gesünder sind als andere. Aber sie sind so anfällig für so viele Probleme. Probleme mit der Wirbelsäule, Hautprobleme, Augenprobleme. Die Tatsache, dass mehr als die Hälfte von ihnen einen Kaiserschnitt vornehmen lassen muss, um zu gebären, ist ethisch bedenklich genug, sodass ich niemals einen haben möchte. Wenn Sie damit einverstanden sind, ist das in Ordnung, aber ich persönlich finde es nicht sehr fair.“ © Panthermedia/Imago
Porträt eines Dobermanns.
Einen Dobermann würde sich Ben privat niemals zulegen: „Ich habe schon viele wirklich Liebenswürdige getroffen, aber es ist schockierend, wie viele von ihnen eine Herzkrankheit namens ‚Dilatative Kardiomyopathie‘ bekommen. Über die Hälfte, also die Mehrheit der Dobermänner, bekommt diese Art von Herzerkrankung. Die Prognose ist in der Regel recht schlecht und ich habe schon einen Dobermann gesehen, der deshalb vor meinen Augen tot zusammengebrochen ist, noch bevor ich einschreiten konnte. Das war traumatisch genug, um niemals selbst einen besitzen zu wollen.“ © Panthermedia/Imago
Ein Border Collie apportiert am Strand einen Stock.
Für manche überraschend, gehört auch der Border Collie zu den Hunderassen, die Doc Ben sich nicht zulegen würde: „Sie sind zwar ziemlich gesund, sie neigen etwas zu Epilepsie, aber ich finde einfach, dass sie eine Hunderasse sind, die sich nicht gut an das Leben als Haustier anpassen kann. Ihr Gehirn braucht konstante Stimulation, sie wollen arbeiten und wenn sie nicht durchwegs beschäftigt werden, können sie schnell durchdrehen. Ich habe schon einige Kollegen gesehen, die sehr ängstlich waren oder zwanghaftes Verhalten entwickelt haben, wie etwa sich dauernd im Kreis zu drehen. Ich würde mir einen holen, wenn ich ein Hirte wäre, aber ich bin keiner und ich glaube nicht, dass mein Lebenswandel ihnen geben könnte, was sie brauchen.“ © Shotshop/Imago
Ein Boxer sitzt im Gras und blickt aufmerksam auf etwas.
Auch einen Boxer würde der Tierarzt als Welpe für sich nicht wählen: „Ich habe viele wirklich süße Artgenossen getroffen, aber die Liste von Problemen, für die sie genetisch bedingt anfällig sind, ist ganz schön schockierend.“ Laut einem Buch, das er in die Kamera hält, gibt 74 Erkrankungen, für die Boxer anfällig sind: Dazu gehören Aortenverengung, Gehirntumore, Hautkrebs oder Hornhautgeschwüre. „Ich habe zu viele Boxer mit all diesen Problemen gesehen und ich finde das einfach nicht fair.“ © YAY Images/Imago
Eine Deutsche Dogge steht auf der Wiese und blickt in die Ferne.
Genauso zählt Ben die Deutsche Dogge zu den Hunderassen, die er für problematisch hält: „Ich glaube, tief in meinem Herzen bin ich einfach kein Fan von großen Hunden. Mein Auto ist nicht groß genug, genauso wie mein Haus, die Tierarztrechnungen sind gigantisch, weil alle Medikamente nach Gewicht berechnet werden, was mehr Geld kostet. Oft werden sie auch nur etwa sieben Jahre alt und mir würde es schwerfallen, einen Hund zu lieben und ihn dann innerhalb so kurzer Zeit zu verlieren, aber jeder so wie er meint.“ © imagebroker/Imago
Fünf Flat Coated Retriever am Strand am Wasser.
Obwohl Veterinärmediziner Ben den Flat Coated Retriever für einen wunderbaren Familienhund hält, würde er ihn sich nicht privat zulegen: „Ich weiß einfach zu viel. Wenn man ein Veterinäronkologe ist (was ich nicht bin), bekommt man viele dieser Hunde zu sehen. Sie sind sehr anfällig für eine aggressive Krebsart namens Histiozytäres Sarkom. Sie sind das Vorzeigeobjekt dieser Erkrankung: Rund 50 Prozent aller Flat Coats sterben an Krebs. Natürlich müssen sie an irgendetwas sterben, aber ich persönlich würde diesen Liebeskummer vermeiden wollen.“ © imagebroker/Imago

Weitere Gründe, warum Hunde auch im Ruhezustand hecheln

Auch Hunde mit Übergewicht hecheln im Ruhezustand und schon bei geringer körperlicher Belastung stark. Ist das bei Ihrem Vierbeiner der Fall, sollten Sie ihn unbedingt auf Diät setzen, da es zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann, wenn Hunde zu dick sind.

Genau wie übergewichtige Hunde hecheln auch trächtige Hündinnen ab einem gewissen Zeitpunkt möglicherweise mehr als gewohnt – nämlich dann, wenn die Geburt kurz bevor steht. Fällt Ihnen jedoch weit vor dem Geburtstermin auf, dass die schwangere Hundedame stark hechelt, sollten Sie das von einem Tierarzt abklären lassen.

Auch nächtliches Hecheln sollte nicht ignoriert werden, ist jedoch oftmals kein Grund zur Sorge. Können Sie die oben genannten Punkte ausschließen, hat der Hund vor dem Schlafengehen wahrscheinlich einfach zu viel gefressen – oder es ist ihm zu warm. Beiden Möglichkeiten können Sie gut vorbeugen, sodass starkes Hecheln in der Nacht bald der Vergangenheit angehört.

Rubriklistenbild: © Wirestock/Imago

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