Expertin warnt: Alkohol verändert die Funktionsweise der Gene in Ihrem Gehirn
VonLaura Knops
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Umwelteinflüsse und der Lebensstil können sich im Erbgut widerspiegeln. Auch Alkohol hinterlässt Spuren an der DNA.
Während viele Menschen zu Beginn des Jahres auf Alkohol verzichten, werden die guten Vorsätze schon bald wieder vergessen. Egal ob das Glas Rotwein zum Essen oder hin und wieder ein Feierabend-Bier — die Deutschen trinken auch im Alltag gerne mal ein Gläschen. Das ist nicht verwunderlich, denn Alkohol regt das Belohnungszentrum an und lässt uns entspannen. Alkohol verändert die Funktionsweise des Gehirns allerdings auch langfristig.
Alkohol und Drogen verändern Genaktivität im Gehirn
Wer regelmäßig Alkohol trinkt, schadet damit auch seinen Genen. Wie genau der Lebensstil das Erbgut beeinflusst, versuchen Forscher nun herauszufinden.
Alkohol greift bei einer Vielzahl an neuronalen Prozessen im Gehirn ein. US-amerikanische Forscher fanden in einem Tiermodell heraus, dass Alkohol und andere Drogen die Genausprägung in den Bereichen des Gehirns, die für Gedächtnis und Belohnungsreaktionen verantwortlich sind, direkt beeinflussen. Dieses Ergebnis legt nahe, dass jeder zwar mit bestimmten Genen geboren wird. Ob die Gene „ein- oder ausgeschalten“ werden, ist allerdings dynamisch und hängt von den täglichen Erfahrungen ab, erklärt Karla Kaun, Professorin für Neurowissenschaften an der Brown University, im Interview mit dem Wissenschaftsmagazin The Conversation.
Erklären lässt sich dieser Vorgang ebenfalls auf biologischer Ebene: Jede Gehirnzelle hat ihren eigenen genetischen Code in langen DNA-Strängen gespeichert. Diese Erbgut-Stränge werden von Proteinen, den sogenannten Histonen, verpackt. Verändert sich die Genaktivität, verändern sich zwangsläufig auch diese Proteine. Auf Verhaltensebene können solche Modifizierungen einzelne neuronale Verbindungen oder gar ihr gesamtes Verhalten verändern.
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Suchtmittel wie Alkohol können laut der Expertin Karla Kaun die Genexpression auf verschiedene Weisen beeinflussen. Je nachdem, ob sich dadurch die DNA verdichtet oder lockert, können bestimmte Gene schlechter oder besser abgelesen beziehungsweise in Proteine übersetzt werden, wie die Neue Züricher Zeitung (NZZ) berichtet.
Alkohol kann beispielsweise dazu führen, dass die Aktivität von Genen, die mit der Dopaminausschüttung und damit dem Belohnungsgefühl zusammenhängen, verändert wird. Durch seinen Einfluss auf das mesolimbische System trägt Alkohol zudem zur Entstehung beziehungsweise Aufrechterhaltung süchtigen Verhaltens bei, erklärt die Pharmazeutische Zeitung. Dass Alkohol mit verschiedenen Prozessen interagiert und den Körper auf verschiedene Weisen verändert, erschwert daher die Behandlung der Sucht.
Veränderung der Genaktivität im Gehirn durch den Lebensstil
Wie genau Suchtmittel wie Alkohol Veränderungen in der Genregulation verursachen, ist allerdings noch unbekannt. Der Lebensstil scheint die Gene auf verschiedene Weisen zu beeinflussen. Neben Alkohol und Drogen scheint auch die Ernährung die Genexpression zu verändern. Bei Fliegen kann eine zuckerreiche Ernährung beispielsweise die Fähigkeit, Süßes zu schmecken, neu programmieren, indem sie ein an der Entwicklung beteiligtes Netzwerk der Genexpression anzapft, wie Forscher der Universität Michigan herausfanden.
Diese Veränderungen müssen allerdings nicht nur negativ sein. Wissenschaftler fanden in verschiedenen Studien heraus, dass intensive Meditation, selbst nach nur einem Tag, die Genregulation im Gehirn durch ähnliche Mechanismen beeinflussen kann. Die Teilnahme an einem einmonatigen Meditationskurs verringert die Expression von Genen, die die Entzündung beeinflussen, und erfahrene Meditierende scheinen bereits nach einem Tag intensiver Meditation Entzündungsgene reduzieren zu können. Über den „Dry January“ hinaus können viele Faktoren tiefgreifende Auswirkungen auf die Gehirnbiologie haben. Wer weniger trinkt, sich gesünder ernährt und mehr bewegt, kann also aktiv dazu beitragen, seine körperliche und geistige Gesundheit langfristig zu verbessern.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.