Neue Richtlinien

Nachtfahrverbot und nur 90 km/h: Führerschein-Pläne der EU treffen eine Gruppe besonders hart

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Weil sie häufiger zu Verkehrsunfällen beitragen, müssen Fahranfänger mit strengeren Führerschein-Regeln rechnen. Die EU berät über mehrere Neuerungen.

München – Für Fahranfänger gibt es einige Sonderregelungen. Während der zweijährigen Probezeit ist Alkohol am Steuer etwa absolut tabu. Bei zu häufigem Überschreiten des Tempolimits wird außerdem der Führerschein einkassiert. Jetzt plant die EU weitere Regelungen, die Fahranfänger deutlich stärker einschränken würden. Auch Senioren wären von den Führerschein-Änderungen betroffen.

Neue Führerschein-Richtlinien sollen Zahl der Verkehrstoten senken

Bereits zu Beginn des Jahres 2023 gab es eine große Führerschein-Änderung. Zahlreiche Autofahrer müssen ihren Papier-Führerschein gegen eine Scheckkarte umtauschen. Um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, debattiert die zuständige Kommission des EU-Parlaments nun über weitere Neuerungen. Hintergrund ist die Sicherheitsstrategie „Vision Zero“.

Die Strategie verfolgt das Ziel, die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten im Straßenverkehr auf null zu reduzieren, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat erklärt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destasis) starben im Jahr 2022 allein in Deutschland 2788 Menschen bei Verkehrsunfällen. Die Zahl der Verletzten belief sich auf 361.134 Personen.

EU begründet neue Regelungen zum Führerschein damit, dass Fahranfänger risikoscheu seien

Daher nimmt die EU vor allem diejenigen ins Visier, deren Unfallrisiko potenziell erhöht ist. Auf Senioren kommen daher in Zukunft womöglich regelmäßige Fahrtauglichkeitsprüfungen zu. Auch Fahranfänger bleiben von den schärferen Regelungen nicht verschont. Wie die Kommission erklärt, seien diese „im Allgemeinen weniger risikoscheu und werden statistisch gesehen häufiger zu Beteiligten von Verkehrsunfällen und Opfern tödlicher Verkehrsunfälle.“ Um dem entgegenzuwirken, seien aus Sicht der Kommission Beschränkungen nötig.

Mit der Novellierung der Führerschein-Richtlinien könnten auf Fahranfänger einige neue Regeln zukommen.

Im Gespräch ist unter anderem ein gesondertes Tempolimit außerorts: Fahranfänger dürften beispielsweise auf Autobahnen nur noch maximal 90 km/h fahren – und damit nicht viel schneller als Lkws. Darüber hinaus versuche die Kommission die Möglichkeit von Nachtfahrverboten durchzusetzen. „Die Mitgliedstaaten können besondere Vorschriften für Fahranfänger festlegen, um das Fahren in der Nacht, und zwar von Mitternacht bis 6.00 Uhr, zu beschränken“, heißt es im Berichts-Entwurf.

Alle geplanten Beschränkungen für Fahranfänger auf einen Blick

  • Tempolimits für Fahranfänger außerorts
  • Möglichkeit zum Verhängen von Nachtfahrverbot, etwa von 12 Uhr Nachts bis 06 Uhr Morgens
  • Ein einheitliches Mindestalter bei der Vergabe des Führerscheins
  • Neue Führerscheinklasse „B+“

Geplant ist auch ein einheitliches Mindestalter bei der Führerscheinvergabe. Dieses soll dafür sorgen, dass strengere Regeln für Fahranfänger innerhalb der EU leichter umgesetzt werden können. Eine neue Führerscheinklasse B+ will die Kommission für schwere Autos ab 1,8 Tonnen einführen. Autofahrer, die SUVs oder E-Autos, die oft schwerer als andere Pkw sind, fahren möchten, müssen folglich einen Zusatzschein machen – möglich soll das allerdings erst ab 21 Jahren sein.

Bislang handelt es sich bei den Änderungen lediglich um Vorschläge. Der Entwurf muss im Parlament beraten werden, anschließend entscheiden die Mitgliedsstaaten über die Umsetzung in nationales Recht. Während es vonseiten der Politik heftige Kritik hagelt, befürwortet ein Großteil der Deutschen zumindest die Einführung von Fahrtauglichkeitsprüfungen. (tt)

Rubriklistenbild: © Frank Sorge/imago

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