Autofahrer haben klare Meinung

Schärfere Führerschein-Regeln für Senioren? Umfrage in Deutschland zeigt deutliches Bild

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Trotz scharfer Kritik von Politik und Automobilverbänden: Die Mehrheit der Deutschen unterstützt strengere Führerschein-Regeln für Senioren. Das zeigt eine Umfrage.

Frankfurt – Die EU diskutiert über neue Führerschein-Richtlinien. Zu Beginn des Jahres gab es bereits große Änderungen: So mussten etwa tausende Autofahrerinnen und Autofahrer ihren Führerschein umtauschen, wenn dieser noch das Papierformat hatte. Bald könnten weitere Neuerungen folgen. Diese nehmen vor allem Seniorinnen und Senioren ins Visier. Trotz heftiger Kritik scheint die Mehrheit der Deutschen die Pläne zu unterstützen.

EU plant neue Regeln zum Führerschein für Senioren: Medizinische Tests wären notwendig

Nachdem zunächst eine befristete Gültigkeit der Papiere für Menschen ab 70 angekündigt wurde, folgen nun weitere Vorschläge. Das geht aus einem aktuellen Berichts-Entwurf der französischen Grünen-Abgeordneten Karima Delli hervor. Menschen ab 80 müssten ihren Führerschein demnach bereits nach zwei Jahren erneuern lassen – nachdem ihre Fahrtauglichkeit medizinisch sowie psychologisch bestätigt wurde.

Angemessen oder doch bevormundend? Senioren müssten ihre Fahrtauglichkeit regelmäßig unter Beweis stellen.

Doch auch Autofahrerinnen und Autofahrer ab 60 wären von den neuen Regelungen betroffen. Die Gültigkeit ihrer Papiere soll ebenfalls verkürzt werden: Um mehr als die Hälfte von bisher 15 Jahren auf sieben Jahre. Während Politik und Automobilverbände mit Kopfschütteln auf die Pläne reagieren, erhalten sie vonseiten der Bürgerinnen und Bürgern großen Zuspruch.

Führerschein-Änderungen: Einige der Befragten würden Tests ab 50 befürworten

Das Onlineportal autoscout24.de führte eine repräsentative Umfrage mit rund 1000 Autofahrer zwischen 18 und 65 Jahren durch. Dabei kam heraus: 86 Prozent der Befragten halten regelmäßige Fahrtauglichkeitsprüfungen im Alter für sinnvoll. Der Großteil befürwortet eine Altersgrenze von 70, wie sie ursprünglich vom Parlament angedacht war. Acht Prozent sähen sogar Prüfungen ab 50 Jahren als gerechtfertigt.

Betroffene AltersgruppenGeplante Beschränkung der Gültigkeit des Führerscheins
Senioren ab 60auf sieben Jahre
Senioren ab 70auf fünf Jahre
Senioren ab 80auf zwei Jahre

Auffällig ist, dass vor allem jüngere Altersgruppen den befristeten Führerschein wollen: 94 Prozent der Fahrer unter 40 Jahren beführworten die Tests im Alter. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es 88 Prozent. Dagegen sprechen sich Befrage zwischen 50 und 65 Jahren am ehesten komplett gegen eine Überprüfung aus: 18 Prozent halten sie für sinnlos.

In anderen europäischen Ländern gibt es bereits strengere Regeln zum Führerschein

Grund für den hohen Zuspruch dürfte das Bedürfnis nach mehr Sicherheit im Straßenverkehr sein. Denn obwohl ältere Verkehrsteilnehmer aufgrund ihrer langen Erfahrung als sicher gelten, ist klar, dass körperliche wie auch kognitive Fähigkeiten im Alter abnehmen – das Risiko für Unfälle kann steigen. In anderen europäischen Ländern gibt es aus diesem Grund bereits schärfere Führerschein-Regeln:

  • Schweiz: Alle Autofahrerinnen und Autofahrer ab 75 Jahren sind alle zwei Jahre zu einer medizinischen Kontrolle (Prüfung der Fahrtüchtigkeit) bei ihrem Hausarzt verpflichtet.
  • Niederlande: Hier gibt es ebenfalls eine Attest-Pflicht, allerdings wird nur alle fünf Jahre überprüft, ob man noch fit genug ist, ein Auto zu fahren.
  • Italien: Alle unter 50-Jährigen müssen alle zehn Jahre zur Kontrolle. Ab dem 50. Lebensjahr werden die Intervalle kürzer. Dann muss man alle fünf Jahre den Führerschein verlängern und ab 70 Jahren alle drei Jahre.
  • Spanien: Der Gesundheitstest ist dort ab 65 Jahren obligatorisch, und zwar alle fünf Jahre.
  • Portugal: Ein Test wird bereits ab 50 Jahren angeordnet, zunächst alle fünf Jahre. Ab 70 beträgt die Frist zwei Jahre.
  • Dänemark: Ab dem 80 müssen sich Autofahrerinnen und Autofahrer jedes Jahr einem Test unterziehen.
  • Tschechien: Ab dem 60 sind Autofahrerinnen und Autofahrer verpflichtet, sich alle fünf Jahre überprüfen zu lassen.

Dennoch ist die Zahl schwerer Unfälle in Europa nach wie vor hoch. Im Jahr 2021 kamen laut dem Statistischen Bundesamt (Destasis) EU-weit 20.000 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, davon allein in Deutschland mehr als 2 500 Menschen. Die EU hat sich daher zum Ziel gemacht, die Anzahl der Verkehrstoten zu halbieren und bis 2050 auf Null senken. Daher rührt auch der aktuelle Berichts-Entwurf und die darin enthaltenen Vorschläge für schärfere Regelungen.

Neben Änderungen für Seniorinnen und Senioren wären auch FahranfängerInnen von den neuen Führerschein-Richtlinien betroffen. Zur Diskussion stehen Tempolimits, eine Gewichtsgrenze bei Fahrzeugen und Nachtfahrverbot. (tt)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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