- VonCarmen Mörwaldschließen
Eine Studie offenbart, dass fast die Hälfte der Beschäftigten vorzeitig in den Ruhestand gehen möchte. Das könnte das Rentensystem weiter belasten.
Bremen – Im Jahr 2021 hatten 4,9 Millionen Rentner ein persönliches monatliches Nettoeinkommen von unter 1000 Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entspricht das einem Anteil von 27,8 Prozent der Rentenbezieher in Deutschland. Trotzdem will fast jeder zweite Beschäftigte früher in den Ruhestand gehen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die der Rheinischen Post vorliegt.
Mehr als 40 Prozent wollen früher in Rente – Alter spielt Umfrage zufolge keine Rolle
Demnach können sich rund 65 Prozent der 5000 befragten Arbeitnehmer vorstellen, bis zu ihrem gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten. Allerdings planen nur 57 Prozent, dies tatsächlich zu tun. Überraschenderweise sind die Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten minimal. Unter den unter 35-Jährigen möchten 59,7 Prozent bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten, während es bei den 50- bis 66-Jährigen mit 54,5 Prozent nur etwas weniger sind.
Was passiert bei frühzeitiger Rente?
Laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) können Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ab 63 Jahren vorzeitig in Rente gehen, müssen dafür aber Abschläge in Kauf nehmen. Pro Monat, den sie vor der regulären Altersgrenze in den Ruhestand gehen, wird ihre Rente um 0,3 Prozent gekürzt. Das summiert sich auf bis zu 14,4 Prozent, wenn Versicherte die Rente volle vier Jahre früher beantragen. Dieser Abschlag bleibt dauerhaft bestehen.
Etwa 17 Prozent der Beschäftigten gaben in der IW-Umfrage an, weder in der Lage noch gewillt zu sein, bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten. Nur 48 Prozent fühlen sich dazu in der Lage und haben auch den Wunsch, bis dahin zu arbeiten. Rund sechs Prozent würden gerne bis zum Renteneintrittsalter arbeiten, befürchten jedoch, nicht so lange durchzuhalten. 14 Prozent gaben an, dass sie so lange arbeiten könnten, aber vorzeitig in Rente gehen möchten.
Rente zum gesetzlichen Eintrittsalter – nicht nur Einkommen ist ausschlaggebend
Tatsächlich spiele der repräsentativen Umfrage zufolge Freude und Spaß im Beruf bei der Entscheidung über das Renteneintrittsalter eine elementare Rolle. „Beschäftigte, die sich bei ihrer Arbeit voller Energie fühlen und nur selten an der Wichtigkeit ihrer Arbeit zweifeln, streben rund 13,2 Prozentpunkte häufiger eine Erwerbstätigkeit bis zur Regelaltersgrenze an als Beschäftigte mit niedrigem Engagement“, zitiert die Rheinische Post das Kölner Wirtschaftsinstitut.
Aber auch das Einkommen ist entscheidend: Der Anteil derer, die sich vorstellen können, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten, ist unter Gutverdienenden deutlich höher als bei Geringverdienenden. Anders ist es hingegen beim Wunsch nach längerer Arbeit: Hier sind die Anteile bei Geringverdienenden etwas höher – vermutlich aus finanziellen Gründen. Unabhängig von der Einkommensgruppe ist die Sicherung des Lebensstandards im Alter der wichtigste Faktor.
Frühere Rente verdient? Laut IW kann dieses Narrativ problematisch werden
Das IW weist darauf hin, dass die Annahme, man habe sich wegen seiner Lebensleistung den Ruhestand wohlverdient, weit verbreitet ist: „Problematisch wird dieses Narrativ, wenn daraus eine Anspruchshaltung abgeleitet wird, das Renteneintrittsalter über Generationen konstant zu halten und auch nach 2031 nicht weiter erhöhen zu wollen, obwohl die Lebenserwartung weiter steigt und daraus immer längere Rentenbezugsdauern resultieren“, heißt es in der Umfrage.
Im Jahr 2022 lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei 64,4 Jahren, obwohl das gesetzliche Rentenalter bis 2031 auf 67 Jahre ansteigt. Viele ältere Arbeitnehmer erfüllen mit 45 Versicherungsjahren die Bedingungen für die Rente mit 63 (heute Rente mit 64) oder nehmen Abschläge in Kauf. Klar ist: Das Rentensystem in seiner jetzigen Form hat nicht mehr lange Bestand. Aus diesem Grund ist auf Facebook auch eine Renten-Diskussion um die „Ressource Kinder“ losgebrochen. (cln)
Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
