Kognitive Umstrukturierung

Negative Gefühle loswerden: In fünf Schritten positiver denken

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Negative Gefühle können überwältigend sein. Statt in Trauer und Grübeln zu versinken, lassen sich die Gedanken allerdings mit einer hilfreichen Strategie umwandeln.

Ständiges Grübeln und Gedankenkreisen bringen uns keinen Schritt weiter. Im Gegenteil: Negative Gedanken lähmen, sorgen für Angst und können sogar zu Depressionen führen. Sie halten uns zudem davon ab, mögliche Lösungen auszuarbeiten und das zugrunde liegende Problem anzugehen. Um die belastenden Gefühle loszuwerden, müssen diese zunächst in positivere Gedanken umgewandelt werden. Dies soll mithilfe der kognitiven Umstrukturierung gelingen.

Mit kognitiver Umstrukturierung negative Gefühle loswerden

Negative Gefühle lassen sich nicht einfach wegzaubern. Doch mit ein paar hilfreichen Tipps können sie weniger belastend werden.

Bereits im Jahr 1970 entwickelt der Psychiater und Psychotherapeut Aaron Beck das Konzept der kognitiven Umstrukturierung. Dieser Ansatz soll bei verschiedenen psychischen Problemen helfen, aber auch unproduktive negative Gedanken können damit umgewandelt werden. Die kognitive Umstrukturierung zielt dabei darauf ab, belastende Gedanken möglichst frühzeitig zu identifizieren und diese dann in weniger belastende umzuwandeln. Ziel ist es, das eigene Denken nachhaltig zu verändern. Denn wie wir denken, ist entscheidend für eine positive Ausrichtung unseres Lebens.

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Depression bis Alkoholsucht: Die häufigsten psychischen Krankheiten im Überblick – Jeder dritte ist betroffen

Eine Frau hält ein gefülltes Sektglas in ihrer Hand.
Alkoholsucht zählt zu den am dritthäufigsten diagnostizierten psychischen Leiden. Mit der Medikamentenabhängigkeit zusammen entfallen 5,7 Prozent der Diagnosen auf die Alkoholabhängigkeit. Etwa jeder siebte Erwachsene trinkt Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Damit ist Alkohol nach Nikotin das häufigste Suchtmittel in Deutschland, so die Bundes Psychotherapeuten Kammer. 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, heißt es weiter. (Symbolbild) © Bode/Imago
Medikamentensucht bei Senioren
Neben der Alkoholsucht zählt die Medikamenten-Abhängigkeit zu den am dritthäufigsten verbreiteten psychischen Erkrankungen in Deutschland.  © Jens Kalaene/dpa
Frau schaut aus Fenster
Die sogenannten affektiven Störungen zählen zu den psychischen Erkrankungen, die am zweithäufigsten in Deutschland vorkommen. Die Depression ist wohl der bekannteste Vertreter aus dieser Gruppe. Der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (dgppn) zufolge, entfallen fast 10 Prozent der Diagnosen auf diese Krankheitsgruppe. Alleine 8,2 Prozent sind von einer unipolaren Depression betroffen. Depressionen gehören damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer depressiven Störung, innerhalb eines Jahres sind es ungefähr 8 Prozent, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa
Junge Frau vor dem Schrankspiegel
Angststörungen sind am weitesten verbreitet. Der dgppn zufolge entfallen 15,4 der Diagnosen auf Angststörungen wie Panikattacken, Angst vor weiten Plätzen etc. Bei Betroffenen ist das Angstgefühl so übermächtig, dass es den Alltag immens einschränkt. Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern zählen zu den Symptomen einer Angststörung. (Symbolbild) © Imago
Frau mit Maßband in der Hand
Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind zwar insgesamt gesehen weniger weit verbreitet als oben genannte Krankheiten. Doch in der weiblichen Bevölkerung zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr gehören die Essstörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. Etwa ein Prozent der Frauen erkrankt während ihres Lebens an einer Magersucht, rund zwei Prozent leiden im Laufe ihres Lebens an einer Bulimie. (Symbolbild) © Sergiy Tryapitsyn/Imago

Das Problem an negativen Gedanken ist, dass sie sich abstrakt um ein Problem drehen statt nach praktischen Lösungen und Handlungsmöglichkeiten zu suchen. Tatsächlich ist es wichtig, negative Gefühle nicht zu unterdrücken, verrät Prof. Dr. Dr. Martin Keck, Chefarzt der Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrie der Rehaklinik Seewis in Graubünden gegenüber der AOK. Über Vergangenes zu grübeln, ist dabei jedoch alles andere als hilfreich. Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ändern. Das kann man auch betrauern, erklärt die Diplompsychologin Bärbel Wardetzki im Interview mit GEO.de. „Aber dann sollte man Dinge hinnehmen, die nicht mehr zu ändern sind.“ Helfen kann dabei die kognitive Umstrukturierung, denn sie ist lösungsorientiert.

Kognitive Umstrukturierung in fünf Schritten: Negative Gedanken erkennen

Die kognitive Umstrukturierung basiert laut der American Psychological Association (APA) auf fünf Schritten:

  1. Identifizierung der Situation: Durch das Beschreiben der belastenden Situation (egal ob diese bereits erlebt oder hypothetisch ist) werden die Umstände, die für die negativen Gefühle verantwortlich sind, deutlicher.
  2. Identifizierung der Gefühle: Ist die belastende Situation mit Gefühlen wie Angst, Trauer, Schuld und Wut verbunden, hilft es, das stärkste und vorherrschende Gefühl wahrzunehmen. Dies sollte im Fokus der kognitiven Umstrukturierung stehen.
  3. Zugrundeliegende Gedanken: Jedes Gefühl ist mit einem Glaubenssatz oder Gedanken verbunden. Um positivere Gefühle zu entwickeln, hilft es, den Belastendsten herauszuarbeiten und herauszufinden, woher dieser kommt.
  4. Bewertung des Gedankens: Dieser Schritt zielt darauf ab, herauszufinden, inwiefern die negativen Gedanken berechtigt sind oder nicht. Um so objektiv wie möglich dabei zu bleiben, sollten mögliche alternative Erklärungen und Einschätzungen anderer mit einbezogen werden.
  5. Entscheidungen treffen: Auf Basis der vorangehenden Informationen kann entschieden werden, ob es sich um einen wahren Gedanken handelt oder nicht. Objektive und faktenbasierte Argumente wiegen dabei schwerer als Gefühle. Ist der Gedanke nicht wahr, muss dann eine neue, zutreffendere Erklärung gefunden werden. Ist der Gedanke dagegen wahr, gilt es einen passenden Handlungsplan zu entwickeln.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Cavan Images/Imago

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