- VonSabrina Reisingerschließen
Mit dem Alter ein wenig vergesslich zu werden, ist völlig normal. Aber wie erkennt man, ob es sich um krankhafte Zeichen handelt, die auf eine Demenz hindeuten könnten?
Schlüssel verlegt, Termin vergessen, Name entfallen: Gedächtnisprobleme sind eine normale Begleiterscheinung des Alterns. Plötzlich kann man sich partout nicht mehr daran erinnern, wo man das Auto geparkt hat oder die Brille hingelegt hat. Bei Betroffenen schrillen die Alarmglocken: Ist das noch normale Vergesslichkeit oder handelt es sich um die ersten Anzeichen einer Demenz? So lassen sich harmlose Gedächtnisprobleme von der unheilbaren Gehirnerkrankung abtrennen.
Vergesslichkeit im Alter bedeutet nicht automatisch Demenz
Mit zunehmendem Alter kommt es vor, dass einem das Gedächtnis immer mehr im Stich lässt. Laut der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) haben Menschen ab 65 zunehmend Probleme, sich neue Informationen zu merken und mehrere Dinge gleichzeitig zu verarbeiten.
Außerdem finden sie es schwieriger, sich an Namen zu erinnern und daran, wo sie Dinge hingelegt haben. Altersbedingte Gedächtnisstörungen sind jedoch nicht krankhaft und schränken den Alltag, wenn überhaupt, nur geringfügig ein, heißt es laut Informationen des AFI.
Demenz führt im fortgeschrittenen Stadium zur Pflegebedürftigkeit
Im Gegensatz dazu gestaltet sich eine selbständige Lebensführung für Demenz-Patienten schwierig. Die Gedächtnisprobleme zwingen Betroffene in einen ernsthaften Krankheitszustand, so das AFI. Das geht so weit, dass sie vollständig auf die Hilfe anderer angewiesen sind und pflegebedürftig werden. Schwer Betroffene erkennen ihre Angehörigen nicht mehr und wissen nicht, in welcher Zeit sie leben.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Erkrankung. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) leiden etwa 1,4 Prozent der 65- bis 69-jährigen Menschen in Deutschland an einer Demenz. Bei den 75- bis 79-Jährigen beträgt der Anteil 6,4 Prozent, während bei den 85- bis 89-Jährigen sogar 21,9 Prozent betroffen sind. Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form der Demenz. Dabei sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was einen kontinuierlichen Verlust der kognitiven Fähigkeiten zur Folge hat.
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Könnte es Demenz sein? Diese acht Warnzeichen deuten auf die Erkrankung hin
Bei den folgenden acht Symptomen kann es sich um frühe Anzeichen einer Alzheimer-Demenz handeln.
1. Kurzzeitgedächtnis stark beeinträchtigt
Das Kurzzeitgedächtnis hilft uns dabei, Informationen für eine kurze Zeit zwischenzuspeichern. Demenz-Betroffenen fällt es sehr schwer, Neues im Kopf zu behalten. Sie stellen oft die gleichen Fragen, selbst wenn diese schon mehrmals beantwortet wurden.
2. Alltagsaufgaben bereiten Probleme
Dass man im Alter gelegentlich Hilfe bei anspruchsvolleren Tätigkeiten braucht, ist ganz normal. Wenn alltägliche Aufgaben wie das Kochen oder Anziehen zunehmend Probleme bereiten, könnte dies ein Anzeichen für Demenz sein. Betroffene Menschen bringen die Reihenfolgen der Arbeitsschritte durcheinander oder lassen einzelne Schritte aus.
3. Orientierungslosigkeit
Fehlende Orientierung ist ein typisches Merkmal von Demenz-Betroffenen. Die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. schreibt dazu auf ihrer Website: „Normal Vergessliche verlieren nie die Fähigkeit, sich selbst zu orientieren. Auch in einer fremden Umgebung finden sie Anhaltspunkte, um sich zurechtzufinden.“ Menschen mit Demenz haben außerdem Probleme, sich zeitlich zu orientieren.
4. Ständige Wiederholungen
Im Alter kommt es vor, dass man vergisst, welche Geschichte man bereits erzählt hat. Bei Demenz-Patienten nehmen diese Wiederholungen allerdings extreme Ausmaße an: Sie erzählen möglicherweise derselben Person innerhalb eines kurzen Zeitraums mehrfach die gleiche Geschichte.
5. Antriebslosigkeit
Apathie und Lustlosigkeit gehören zu den typischen Symptomen einer Demenz. Betroffene ziehen sich zurück, verlieren das Interesse an Hobbys und vermeiden gesellschaftliche Aktivitäten. Nicht selten sitzen sie stundenlang teilnahmslos vor dem Fernseher. Laut dem Informationsportal wegweiser-demenz.de des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist das Risiko für depressive Störungen bei Menschen mit Demenz deutlich erhöht. Umgekehrt erhöhen auch Depressionen das Risiko für Demenzen – und zwar um das bis zu Sechsfache.
6. Stimmungsschwankungen
Selbst ausgeglichene Menschen können bei einer Demenz launisch und aufbrausend werden. Die starken Stimmungsschwankungen sind unvorhersehbar und stellen vor allem für Angehörige eine echte Belastungsprobe dar. Plötzliche Verhaltensänderungen sind ein Warnsignal, das man bei einem Verdacht auf Demenz nicht ignorieren sollte.
7. Sprachstörungen
Betroffene haben oft Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, und verlieren den Faden. Sie erinnern sich nicht an einfache Ausdrücke und verwenden stattdessen unpassende Füllwörter. Ihre kommunikative Fähigkeit wird eingeschränkt.
8. Urteilsvermögen beeinträchtigt
Menschen mit Demenz fällt es zunehmend schwer, überlegte Entscheidungen zu treffen und Situationen logisch zu beurteilen. Beispielsweise ziehen sie Winterkleidung im Sommer an oder können nicht mehr mit Geld umgehen. In fortgeschrittenen Stadien der Demenz sollten sich Kinder nicht unbeaufsichtigt in ihrer Obhut befinden.
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