VonLaura Hindelangschließen
Erst kuscheln, dann kratzen – Katzen verhalten sich oft widersprüchlich. Eine Studie aus Spanien gibt nun auf Aufschluss darüber, welches Benehmen normal ist.
Nach Angaben der European Pet Food Industry lebten im Jahr 2022 insgesamt 127 Millionen Katzen in europäischen Haushalten, was die schnurrenden Vierbeiner zu den beliebtesten Haustieren des Kontinents macht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass jährlich Zehntausende Katzen in Tierheime abgegeben werden. Allein in Spanien landeten vergangenes Jahr über 118.000 Exemplare im Tierheim. Das berichtet die neue Studie „Exploring domestic cat behavoiur“ („Erforschung des Verhaltens von Hauskatzen“) der Universität Córdoba, die im Journal of Verterinary Behavour erschien. Den Forschern zufolge sind Verhaltensprobleme eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Besitzer ihre Tiere abgeben.
Studie gibt tieferen Einblick in das Verhalten von Katzen
Allerdings seien die vom Besitzer als schwierig beschriebenen Verhaltensweisen oftmals ein Anzeichen dafür, dass der Mensch das Wesen der Katze missverstehe. Die Gründe für Verhaltensstörungen werden unter anderem aus Unwissen über die artspezifischen Bedürfnisse der Katze von den Haltern selbst hervorgerufen, informiert auch der Verband Deutscher Tierheilpraktiker. Ziel der Studie war es daher, ein besseres Verständnis für den Charakter der Samtpfoten zu entwickeln. Tierbesitzer könnten anhand der Daten feststellen, wie normal das Verhalten der eigenen Katze ist. Menschen mit Katzenwunsch wiederum könnten einen Einblick in das Leben mit einer Katze erhalten und dadurch besser verstehen, wie es sei, ein solches Tier im Haus zu haben.
Insgesamt haben 816 Katzen-Eigentümer aus Spanien an der Online-Umfrage teilgenommen. Fast alle Katzen waren erwachsen und kastriert, das Geschlechterverhältnis der untersuchten Tiere nahezu ausgeglichen. Die Besitzer beschrieben das Benehmen ihrer Tiere anhand des Fe-BARQ-Tests („Feline Behavioral Assessment & Research Questionaire“). Ein Fragebogen, der 2017 an der Universität Pennsylvania in den USA entwickelt wurde.
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Laut den spanischen Wissenschaftlern handelt es sich dabei um ein „konsistentes und gültiges Instrument zur Bewertung des Verhaltens bei Hauskatzen“. Dabei geben Tierbesitzer auf einer Skala von „nie“ bis „immer“ an, wie häufig bestimmte Verhaltensweisen in den zurückliegenden Monaten auftraten.
Die Auswertung zeigte unter anderem, welche Faktoren das Benehmen der Samtpfoten beeinflusst haben. Dazu zählen:
- Rasse, Geschlecht, Alter des Tieres und woher die Katze stammt.
- Umweltbedingungen im Zuhause der Katze, die Zeit, die das Tier allein verbringt, sowie die Gesamtzahl und Art der Tiere im Haushalt.
- Die Vorerfahrung des Besitzers mit Katzen und dessen Wahrnehmung möglicher Verhaltensprobleme.
Weibchen beispielsweise wurden in der Studie häufiger als aggressiv beschrieben, während Katern mehr Kontaktfreudigkeit, leichtere Erziehbarkeit, aber auch mehr Lärm zugeschrieben wurde.
Katzen zeigten in der Studie selten auffälliges Verhalten
Kastrierte Katzen waren verspielter, während Tiere, die regelmäßig mehr als vier Stunden allein daheim waren, eher zu destruktiven und zwanghaften Verhaltensweisen neigten. Insgesamt trat solches Benehmen in der Untersuchung jedoch selten auf. 90 Prozent der Besitzer berichten, dass ihre Tiere nie oder fast nie an Möbeln oder Tapete kratzen, wenn sie allein sind.
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Auch andere, als leidig empfundene Verhaltensweisen wurden von den Studienteilnehmern selten beobachtet. In je 80 bis 90 Prozent der Fälle sahen die Katzen davon ab:
- Füße oder Beine auf eine Weise zu attackieren, die nichts mehr mit Spielen zu tun hat.
- Herumzuschleichen und sich zu verstecken.
- Außerhalb des Katzenklos zu urinieren oder Markierungen zu hinterlassen.
- Zu fauchen oder zu jaulen.
- Sich hektisch zu lecken oder sich selbst zu beißen.
Der Großteil der Katzen (83 Prozent) zeigte sich jedoch neugierig auf neue Objekte oder Veränderungen in ihrer Umwelt. Fast ebenso häufig schnurrten die Samtpfoten beim Streicheln und machten durch Miauen auf ihre Bedürfnisse aufmerksam. Diese Verhaltensweisen sind also völlig normal.
Auf dem Weg zu einer harmonischen Mensch-Katzen-Beziehung
Zudem reagierten etwa 70 Prozent, wenn sie gerufen wurden. Besonders häufig schnurrten und spielten diejenigen Katzen, die in einem Haushalt mit Hunden lebten. Diese Tiere legten nach Beobachtungen der spanischen Tierbesitzer auch weniger Verhaltensauffälligkeiten an den Tag.
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Die Ergebnisse der Untersuchungen, so die Hoffnung der Forscher, könnten dabei helfen, Verhaltensprobleme bei Katzen zu identifizieren und zu bewältigen. Eine Ursache für unerwünschtes Benehmen könnte beispielsweise Stress sein. Wer das erkennt, kann schneller wieder dafür sorgen, dass das Tier sich wohlfühlt. Das komme nicht nur dem Wohlergehen der Tiere zugute, sondern könne auch zu einer harmonischeren Mensch-Katzen-Beziehung beitragen.
Weiß der Tierbesitzer selbst nicht mehr weiter, rät der Verband Deutscher Tierheilpraktiker dazu, umgehend professionelle Hilfe aufzusuchen. Auch die spanische Studie bemängelt, dass Katzen-Halter zu selten den Rat von Tierärzten suchen. Dabei sei eine Untersuchung wichtig, um medizinische Probleme als Ursache für verändertes Verhalten auszuschließen.
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