„Es sind einfach Sachen beim FC Bayern passiert, die mir nicht gefallen“, bekräftigt Babbel seine Kritik. Der Kern seines Vorwurfs: Hoeneß schade durch seine öffentlichen Aussagen den eigenen Führungskräften. „Uli Hoeneß gibt Interviews beziehungsweise Aussagen von sich, mit denen er seine eigenen Leute schwächt“, so der Europameister von 1996 deutlich.
Markus Babbel: „Der FC Bayern steht über Uli Hoeneß“
Besonders brisant wird Babbels Einschätzung, wenn er die Machtstrukturen an der Säbener Straße hinterfragt: „Uli Hoeneß ist nicht der FC Bayern. Der FC Bayern steht noch über ihm. Das Problem ist, dass ich das Gefühl habe, er meint, er ist der FC Bayern und keiner ist mehr gut genug.“
Die jüngsten Ereignisse rund um den Transferstopp bestätigen Babbels Analyse auf bedrückende Weise. Während Sportvorstand Max Eberl intern bereits über die Sparvorgaben informiert war, verkündete Hoeneß die Entscheidung parallel in der Süddeutschen Zeitung. Eberls sarkastische Reaktion in Bezug auf Wunschspieler Nick Woltemade („Vielleicht leiht Stuttgart ihn noch mal an uns – weil leihen können wir ja“) zeigt die angespannte Atmosphäre.
Weltmeister, Manager-Legende, Haft – Flugzeugabsturz beendete Leben von Uli Hoeneß beinahe schon 1982
„Bei Uli Hoeneß ist es immer Wild West – es wird aus der Hüfte geschossen“, kritisiert Babbel die Kommunikationsstrategie des Ehrenpräsidenten. „Er merkt nicht, dass er seine Top-Angestellten dadurch schwächt, ob es Max Eberl, Christoph Freund oder Jan-Christian Dreesen ist.“
Markus Babbel: „Da lobe ich mir Karl-Heinz Rummenigge“
Umso deutlicher fällt Babbels Lob für Karl-Heinz Rummenigge aus, der bis 2021 Vorstandschef war und derzeit – wie Hoeneß – dem Aufsichtsrat angehört. „Da lobe ich mir Karl-Heinz Rummenigge, der Interviews immer mit Bedacht gibt, mit tollen Aussagen und Anstößen“, so Babbel. Der Kontrast könnte kaum größer sein – hier der bedachte Stratege, dort der impulsive Patriarch.
Besonders pikant wird Babbels historischer Vergleich: „Hoeneß hat sich früher über Franz Beckenbauer aufgeregt, wenn der aus Kitzbühel etwas gesagt hat – jetzt macht er nichts anderes und schadet dadurch dem Verein.“ Die Parallele ist eindeutig: „Es wird nach wie vor vom Tegernsee regiert.“
Mitleid mit Max Eberl hat Babbel dennoch keines: „Wenn du den Job beim FC Bayern machst, weißt du, dass du anstatt Lob viel öfter Feuer kriegst.“ Dennoch erkennt er die schwierige Situation des Sportvorstands: „Diese Begleitumstände machen seine Aufgabe nicht leichter.“
Die Dynamik beschreibt Babbel anschaulich: „Wenn der Ehrenpräsident daherkommt und dir erzählt, was du zu tun hast, obwohl du das intern besprochen hast, kann ich mir vorstellen, dass er die Faust in der Hosentasche ballen muss.“
Babbels Kritik trifft einen neuralgischen Punkt der Bayern-Hierarchie. Die öffentliche Kommunikation wird zum Machtinstrument, das die interne Arbeitsstruktur untergräbt. Während Rummenigge stets die Balance zwischen öffentlicher Präsenz und interner Geschlossenheit hält, scheint diese Grenze unter Hoeneß zu verschwimmen.
Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in Kooperation mit casinozondervergunning.net mit Markus Babbel gesprochen
Markus Babbel, geboren in München, spielte für den FC Bayern, den Hamburger SV, den FC Liverpool, Blackburn und den VfB Stuttgart. Mit dem DFB-Team wurde er 1996 Europameister. Später war er Trainer in Stuttgart, bei Hertha BSC, der TSG Hoffenheim sowie dem FC Luzern und bei Western Sydney.